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Überraschende Fakten! Die 10 wichtigsten Verkehrszeichen für Radfahrende

Mehr als 500 verschiedene Verkehrszeichen gibt es mittlerweile in Deutschland. Darunter sind auch einige speziell für Radfahrende. Damit man nicht den Überblick verliert, erklärt der pressedienst-fahrrad die zehn wichtigesten Radverkehrszeichen und was es damit auf sich hat. Wer kennt sie alle?

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Bike Citizens feat.
Radverkehrszeichen sind oft nicht so eindeutig - manchmal werden sie ganz falsch interpretiert. Wie gut kennst du dich aus? © Kande Bonfim / Unsplash

1. Fahrradstraße
Verkehrszeichen 244
Fahrradstraßen sind alleine dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrende dürfen hier auch Nebeneinanderfahren. Besondere Fahrradstraßen sind Radschnellwege.
Ziel der Fahrradstraße: kreuzungsfreies, schnelles Radfahren! „Falls andere Fahrzeuge wie Pkws oder Motorräder die Fahrbahn mit benutzen dürfen, muss das durch ein zusätzliches Schild gekennzeichnet sein. Sie sind auf den Fahrradstraßen lediglich geduldet und müssen dem Radverkehr Vorrang gewähren“, erklärt Daniela Reich, Rechtsanwältin bei der Fahrradrechtsberatung Bikeright.

Gut zu wissen
: Ist Autofahren auf Fahrradstraßen erlaubt, dann nur mit der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

2. Radfahrer frei
Zusatzzeichen 1022-10
Fußgängerwege dürfen von Radfahrenden nur dann mit benutzt werden, wenn sie durch das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ gekennzeichnet sind. Radfahrenden steht es frei, auf dem Gehweg oder auf der Fahrbahn zu fahren. Beim Fahren auf dem Gehweg müssen sie sich an die Geschwindigkeit der Fußgänger und Fußgängerinnen anpassen und dürfen diese nicht behindern. Wenn nötig, müssen Radfahrende warten.

Das Zeichen wird auch bei der Freigabe von Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung für Radfahrende genutzt. Voraussetzung dafür ist eine Tempo-30-Straße, eine übersichtliche Verkehrsführung sowie ausreichend Platz und Schutzraum. Auch Busspuren können durch dieses Zeichen für den Radverkehr freigegeben werden.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

Gut zu wissen: Eltern aufgepasst! Kinder unter 8 Jahren müssen auf dem Gehweg oder einem baulich von der Fahrbahn getrennten Radweg fahren. Kinder im Alter von 8 und 9 Jahren dürfen den Gehweg oder den Radweg/Radfahrstreifen/Schutzstreifen benutzen. Für Kinder ab 10 gelten die selben Verkehrsregeln und -zeichen wie für Erwachsene.

3. E-Bike frei
Zusatzzeichen 1010-65
Die E-Mobilität macht auch vor den Verkehrszeichen nicht halt. So sorgt das Zusatzzeichen „E-Bike frei“ seit 2017 für Verwirrung. Das Verkehrszeichen gilt nicht für E-Bike-Fahrende mit Tretunterstützung (Pedelecs), sondern bezieht sich ausschließlich auf die ganz kleine Gruppe der reinen E-Bikes, die nur mit Handgas ohne Tretunterstüztung (S-Pedelecs) unterwegs sind.
Pedelecs bzw. E-Bikes sind Fahrräder und werden auch bei den Verkehrsschildern so behandelt. S-Pedelecs werden als Kleinkrafträder eingestuft. Auch diese haben auf Radwegen nichts verloren!

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

4. Radfahrer absteigen
Zusatzschild 1012-32
Beim Schild „Radfahrer absteigen“ muss man runter vom Rad? Ein populärer Irrtum! Das Schild ist eine Empfehlung – kein Gebot.

„Das Schild kann nicht zum Absteigen zwingen. Wenn der Radweg versperrt ist, etwa durch eine Baustelle, darf man auf die Fahrbahn ausweichen“, erklärt Reich. Ist allerdings ein Ausweichen auf die Fahrbahn nicht möglich und es bleibt nur der Gehweg, muss der Radfahrende in jedem Fall absteigen. Radfahren auf Gehwegen ist bekanntlich verboten.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

5. Benutzungspflichtige Radwege Verkehrszeichen 237, 240, 241
Bei den blauen Schildern mit weißem Fahrrad müssen Radfahrende den Radweg benutzen. Fahren auf der Fahrbahn ist tabu.

Schild 237 ist ein reiner Radweg. Zeichen 240 ist ein gemeinsamer Fuß- und Radweg. Hier gilt besondere Rücksicht auf Personen, die zu Fuß unterwegs sind. Zeichen 241 ist ein getrennter Rad- und Fußweg.

Tipp: Wenn eine geschlossene Gruppe  die kritische Zahl von 15 Personen übersteigt dürfen diese trotz des Schildes auf der Fahrbahn fahren. Auch wenn der Radweg nicht geräumt oder versperrt ist, dürfen Radfahrende auf die Fahrbahn ausweichen!

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

6. Verbot für Radverkehr Verkehrszeichen 254
Bei Verkehrszeichen mit rotem Rand läuten die Alarmglocken: Es sind Verbote.
„In diesem Fall heißt es: Verbot für alle nicht-motorisierten Zweiräder, sowie auch für Pedelecs mit Tretunterstützung (siehe Nr. 3) . Nicht betroffen sind hingegen S-Pedelecs als Kleinkrafträder“, erklärt Reich.
Das Schild findet man beispielsweise als Zusatz in Fußgängerzonen oder in verkehrsberuhigten Bereichen, wo auch motorisierte Fahrzeuge untersagt sind. Aber auch auf Bundesstraßen oder bei Brücken kann ein derartiges Schild angebracht sein.

Strafe: Bei Nichtbeachten drohen zwischen 10 und 25 Euro Bußgeld in Deutschland.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

7. Verkehrsberuhigter Bereich
Verkehrszeichen 325.1
Das blaue Schild mit spielenden Personen hat auch für Radfahrende eine wichtige Bedeutung: Genauso wie Autos dürfen Fahrräder in diesen gekennzeichneten Straßen nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein und müssen besonders auf Fußgänger und Fußgängerinnen achten. Rechts vor links ist im Normalfall gegeben. Bei Ausfahrten besteht eine Wartepflicht.

Strafe: Bei Missachtung ist mit einer Strafe zu rechnen, insbesondere wenn es zu Sachbeschädigungen oder Personenschäden kommt.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

8. Tempo-30-Zone
Verkehrszeichen 274.1
Die Geschwindigkeitsregelung in Tempo-30-Zonen ist klar. Für Radfahrende gibt es hier einen weiteren positiven Nebeneffekt. In der Tempo-30-Zone  gibt es keine Radwegebenutzungspflicht und der Radverkehr fließt auf der Fahrbahn mit den Kraftfahrzeugen.

Gut zu wissen: Das gilt im Übrigen auch, wenn ein Radweg vorhanden ist. Radfahrende können selbst entscheiden, ob sie den Radweg nutzen möchten (oder nicht)!

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

9. Durchlässige Sackgasse Verkehrszeichen 357-50
Offiziell erst seit 2009 wird das Verkehrszeichen der „durchlässigen Sackgasse“ benutzt. Damit wird bei Einfahrt in die Sackgasse bereits klar, dass für Fahrräder am Ende der Straße nicht Schluss ist.

Tipp: „In der Praxis ist der weiterführende Weg jedoch oft äußerst schmal, das kann für Liegedreiräder oder Räder mit Anhänger schon mal zu eng sein“, weiß Alexander Kraft vom Spezialisten für Liegeräder HP Velotechnik. Das kann auch für Cargobikes gelten!

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

10. Wegweiser für Radfahrer und Radfahrerinnen 
Das weiße Schild meist mit grünem Fahrrad und Richtungspfeil ist ein Wegweiser für Radwege. Die Verkehrszeichen sind in erster Linie in touristischen Regionen aufgestellt und dienen der besseren Orientierung. Die Wegweiser geben Radfahrenden keinerlei Vorrechte gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.

Verkehrszeichen Zeichen Radweg Fahrradstraße Grafik StVZO

Überregulierung Radverkehrszeichen Schilderwald Radfahrerfrei Stvo

Manchmal geht es auf dem Radweg auch etwas konfus zu. Kennst du das?  Foto © ADFC Dresden


Mach mit beim “Best Of Schilderwald” 

Manchmal passiert es auch, dass diverse, widersprüchliche Schilder auf einmal zum Einsatz kommen. Du kennst die Situation? Du pedalierst täglich an so einem Schilderwald vorbei?

Dann mach’  mit und schicke ein Foto mit Standortangabe, Datum und Fotocredits an magazin@bikecitizens.net  und teile es mit der Bike Citizens Community auf  facebook und/oder twitter – natürlich unter diesem Artikel.  Wir freuen uns auf eure Fotos!

Quelle: pd-f / pressedienst-fahrrad

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Bike Citizens feat.

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Kommentare
  • Norbert

    Den Ausdruck der Duldung finde ich im Zusammenhang mit Fahrradstraßen fragwürdig. Entweder ist der Kfz-Verkehr zugelassen oder nicht. Den Status einer geduldeten Verkehrsart gibt es nicht im deutschen Verkehrssrecht. Da redet die Anwältin nicht juristisch sondern verkehrspolitisch-wünschend und trägt zur Mythen-Produktion bei. Wie kommt man darauf, dass “Radfahrer absteigen” eine Empfehlung ist? Als Zusatzzeichen muss es zusammen mit einem “normalen” Verkehrszeichen stehen. Da gibt es aber keine sinnvolle Anwendung, weil es entweder eine Regelung schlicht wiederholt – z. B. zusammen mit VZ 239 – oder aber den Regelungsgehalt nicht nur modifiziert, sondern der eigentliche Regelungsgehalt damit verloren ginge – z. B. zusammen mit VZ 237. Auch dürfen nicht 15 Personen einfach auf der Fahrbahn fahren. Richtig ist, dass dieses Recht nur für geschlossene Verbände mit einem Verbandsführer gilt (§ 27 I Sätze 2-3 StVO). In der Rechtssprechung wurde nur bei deutlich größeren Mengen nicht in Verbänden fahrendenen Radfahrern bisher eine Fahrbahnbenutzung als legitim angesehen, z. B. beim Schichtwechsel in großen Betrieben, wenn die Radwege objektiv nicht geeignet sind, die Mengen aufzunehmen. Wie kommt man auf die Idee, das eine Zonen-Anordnung eine Benutzungspflicht aufhebt? § 45 Ic StVO untersagt die Anordnung der Tempo 30-Zone bei Benutzungspflichten. Wenn es trotzdem eine Benutzungspflicht gibt, ist der natürlich zu folgen. Auch fehlerhafte Verwaltungsakte haben bis zur Aufhebung Bestandskraft. Nichtigkeit wird nach herrschender Meinung hier sicherlich nicht vorliegen. Die “Fakten” sind tatsächlich überraschend für jemand, der Gesetzestexte und juristische Fachliteratur liest.

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