Das urbane Fahrradmagazin

Welcher Fahrradschuh passt zu mir?

Egal ob auf dem Weg zum Termin oder zu Freunden in den Park – das Outfit muss stimmen. Dazu gehört bekanntlich auch das richtige Schuhwerk. Wer Alltagswege für gewöhnlich mit dem Fahrrad zurücklegt, wird sich irgendwann die Frage stellen: Gibt es sowas überhaupt? Den „richtigen“ Schuh fürs Radfahren? Bike Citizens hat sich umgehört und die wichtigsten Punkte zusammengetragen.

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Thomas Rottensteiner has lived in Graz since 2015. He soon found out that the best way to get to know the city is by bike. As a student at the University of Applied Sciences in Bad Gleichenberg, a quaint town in southeast Styria, he enjoys both peace and quiet as well as the many facets of urban life. Thomas works as an intern in the Communications Department at Bike Citizens.
Fahrradschuhe im Alltagstest © Andreas Stückl

Man hat nie zu viele Schuhe sondern nur zu wenig Schrank
Der erste Schritt zum richtigen Fahrradschuh ist nicht einfach. So lassen sich bereits bei der Online-Recherche Schuhe für so ziemlich jeden Radanlass finden. Ebenso breit gefächert wie das Angebot ist die Preisspanne. Theoretisch investiert man zwischen 50 und 400 Euro in ein Paar. Unterschiede machen sich vor allem im verwendeten Material bemerkbar. Günstige Modelle werben mit einer für das Radfahren geeigneten rutschfesten Sohle, teure Fahrradschuhe scheinen sämtlichen Witterungsbedingungen zu trotzen und sorgen per Klicksystem für sicheren Halt. Das kennt man aus dem Rennradsegement.

Die Qual der Wahl
Gerade der Preis macht einem die Entscheidung schwer. Umso wichtiger ist es, sich vorab zu überlegen welche Ansprüche man an den Schuh hat. Denn die Bedürfnisse des eleganten Hollandrad-Rechtsanwalts auf dem Weg zur Verhandlung entsprechen nicht denen einer sportlichen Mountainbikerin, die auf dem Weg ins Büro mal schnell einen Umweg über den nahegelegenen 2000er macht.  Während die eine im Gelände guten Pedalgrip benötigt, will es der andere möglichst schick und komfortabel.

Systempedal mit Klickschuh
Das vom etablierten Hersteller Shimano entwickelte Systempedal, Shimano Pedaling Dynamics, kurz SPD-System, findet generell am häufigsten Anwendung im sportlichen Bereich. In der Rad Community charmant „Klickies“ genannt, werden hierbei die Sohlen der Schuhe fest mit den Pedalen verbunden. Mit einer Drehbewegung des Fußes kann die Verbindung zwischen den Cleads – eine am Schuh montierte Platte und den Pedalen – gelöst werden. Sinn und Zweck von Systempedalen ist eine optimale Kraftübertragung auf das Pedal, bei der man neben dem Druck aufs Pedal, dieses auch „Ziehen“ kann. Dieser ökonomische bzw. „rundeTritt“ hat den Vorteil, dass auf längeren sowie hügeligen oder gar steilen Strecken die Kraft viel effizienter eingesetzt wird. Einklicken erfordert Übung, “Klickies”  einen sicheren, sportlich orientierten Fahrstil.

Sneaker-Radschuh
Daneben gibt es leichte Radschuhe im Sneaker-Style. Diese sind im MTB-Bereich oder beim Trekking oder Reisen recht beliebt. Im Idealfall rollen diese Schuhe weich ab und haben im Gegensatz zu den vorher genannten Schuhen eine weitaus bessere Bodenhaftung.  Die Sohle sollte sich aber nicht allzu sehr durchbiegen. Wo man schon vor der nächsten wichtigen Frage steht, wenn man sich gegen “Klickies“ entscheidet: Welche Sohle braucht der Radschuh?

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Manche schwören auf  weiche aber griffige Sohlen und Leder als Obermaterial  © Karen Rike Greiderer

Harte Sohle vs. weiche Sohle – Leder vs. Synthetisches Material
Kurz und bündig: An den Sohlen scheiden sich die Geister. Egal ob man Online-Foren durchstöbert oder Radfahrer/innen im Park beobachtet, oder den Fachhandel befragt – es scheint, als hätte zu diesem Thema jeder und jede eine eigene Meinung. Dennoch lassen sich bei den verwendeten Materialien ein paar klare  Vor- und Nachteile herausarbeiten.

Die Sohle: Eine harte bzw. feste Sohle sorgt für die nötige Stabilität, insbesonderebei einem eher sportlicherem Fahrstil, während eine weiche Sohle mehr Tragekomfort bietet. Je länger die Strecke desto wichtiger die Sohlenhärte. Ist die Sohle zu weich stellen sich schneller muskuläre Ermüdungserscheinungen ein.

Das Material: Modelle aus hochwertigem Leder oder Kunststofffasern dominieren die Radschuhlandschaft. Neben optischen Ansprüchen sollte die atmungsaktive Eigenschaft mitbedacht werden. Eine gute Kühlung und Belüftung des Fußes ist unerlässlich, sowohl für sich selbst als auch für seine Mitmenschen.

Wir haben den Selbsttest gewagt…
Wie könnten wir bei all den Worten glaubhaft bleiben ohne nicht selbst ein Paar Radschuhe zu testen? Andreas, Mitgründer von Bike Citizens, hat selbst Hand (oder Fuß?) angelegt und über zwei Saisonen einen Radschuh von Quoc Pham (Modell „Urbanite high“) getragen – ein Klickschuh der optisch äußerst elegant wirkt und zugleich den sportlichen Aspekt nicht vermissen lässt: „Die Schuhe kann man durchaus auch zu förmlicheren Anlässen tragen und man würde nicht mal merken, dass das eigentlich Fahrradschuhe sind. Die Schuhe sind aus hochwertigem Leder hergestellt und so gut bzw. eng geschnitten, dass auch bei einer 10-15 minütigen Tour im Regen kaum Wasser eindringt. Hin und wieder Schuhpflege verwenden und die Quocs halten sicher 4-5 Saisonen durch! Kann eine klare Empfehlung aussprechen“, so Andreas, der aber auch Bedenken hat: „ Für 150 Pfund (ca. 170 Euro) ist es definitiv eine Investition die man nicht schnell tätigt […] das macht wirklich nur für Leute Sinn, die längere oder hügelige Strecken zurücklegen müssen, weil man erst dann die Kraftersparnis zu schätzen weiß.“

Urbanite High Quoc Pham Fahrradschuhe SPD Cleads Radschuh Systempedal SPD

Andreas testet den Quoc Pham “Urbanite High” Klickschuh…

 

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…und ist überzeugt! © Andreas Stückl

…und ziehen unser Résumé
Hart oder weich, Leder oder Synthetik, Klickies oder normale Sohle – es handelt sich definitiv um eine persönliche Entscheidung die eine Abwägung der Umstände erfordert. Je nach Einsatzgebiet sollten folgende Aspekte mitbedacht werden:
1/ Kraft und Ausdauer vs. Komfort
2/ Schneller vs. entspannter Fahrstil
3/ Einsatzspektrum des Schuhes
4/ die persönlichen Finanzen
5/ und der eigene Geschmack

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Sandalen sind an “Radfüßen” sogar per Gesetz erlaubt © Alexander Rübsam

Sandalen, High-Heels, Zehentrenner
Könnten die richtigen Radschuhe daher auch High-Heels oder Zehentrenner sein? Vom Risiko vom Pedal zu rutschen abgesehen macht uns das Gesetz keinen Strich durch die Rechnung: In Österreich und Deutschland ist das Fahren mit eben genanntem Schuhwerk erlaubt.
Und wem die Diskussion rund um das beste Schuhwerk zu leidig wird, kann auch gänzlich auf Bekleidung verzichten und beim nächsten World Naked Bike Ride an den Start gehen. Wenn das nur nicht die Suche nach dem perfekten Sattel beflügelt…

Über den Autor
Thomas Rottensteiner PortraitThomas Rottensteiner wohnt seit 2015 in Graz. Er stellte schnell fest, dass man dort am besten auf das Rad vertraut. Als Student der Fachhochschule Bad Gleichenberg, einem beschaulichen Ort in der ruhigen Südoststeiermark, genießt er neben der Stille auch das urbane Leben mit allen seinen Facetten. Thomas  unterstützt die Bike Citizens als Praktikant im Communications Department.

Thomas_Rottensteiner_Portrait_SW
Thomas Rottensteiner has lived in Graz since 2015. He soon found out that the best way to get to know the city is by bike. As a student at the University of Applied Sciences in Bad Gleichenberg, a quaint town in southeast Styria, he enjoys both peace and quiet as well as the many facets of urban life. Thomas works as an intern in the Communications Department at Bike Citizens.

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