Das urbane Fahrradmagazin

Im “War for Talents” ist das Dienstrad der neue Dienstwagen

Immer mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten Diensträder. Diesen winken ähnliche steuerliche Vorteile wie beim Dienstwagen und die Räder dürfen auch privat genutzt werden. Kein Wunder, dass sich immer mehr Arbeitnehmende ein Dienstrad wünschen – und entsprechende Angebote bei der Jobsuche zunehmend ein Kriterium darstellen. Im „War for Talents“ – dem Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte – kann ein solcher Benefit einen entscheidenden Vorteil für Arbeitgebende bedeuten.

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Das Dienstrad löst den Dienstwagen als Statussymbol ab © Josh Nuttall

Das Unternehmen least, die Belegschaft spart
Seit 2012 wird das Modell des Dienstwagens auch auf Dienstfahrräder angewendet. Das Prinzip: Das Rad wird vom Arbeitgebenden geleast; die Kosten werden den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vom monatlichen Bruttogehalt abgezogen. Auf diese Weise muss ein geringerer Teil des Gehalts versteuert werden und der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin kann – je nach Preis des Fahrrads – mehrere hundert Euro sparen (hier gehts zum Dienstrad-Ersparnis-Rechner des Bikeleasing-Anbieters Jobrad). Lediglich ein kleiner prozentualer Anteil des Neupreises wird versteuert.

Wie und wann darf das Dienstrad genutzt werden? 
Die Nutzung eines Dienstfahrrads ist nicht auf den beruflichen Bereich beschränkt, das ist also gleich wie beim Dienstwagen. Die steuerlichen Vorteile sind auch dann gegeben, wenn Arbeitnehmende ihr Dienstrad (nur) für Arbeitswege nutzen. Arbeitswege gelten für den Gesetzgeber überhaupt nicht als Dienstfahrten! Das Rad darf und soll auch in der Freizeit und im Urlaub genutzt werden.

Mountainbike, Rennrad oder Citybike – das Dienstrad darf auch in der Freizeit genutzt werden © Kay Liedl

Dienstrad: Suchvolumen in vier Jahren um 848 Prozent gestiegen
Gerade in Zeiten von Diesel-Fahrverboten, Klimawandel und Verkehrsinfarkt im Pendlerverkehr werden Angebote wie Mobilitätsgutscheine und E-Bikes von Arbeitnehmenden begrüßt. Insbesondere junge Menschen ziehen diese „multimobilen“ Alternativen dem Firmenwagen vor – und informieren sich gezielt über entsprechende Angebote.  Zu diesem Ergebnis kam eine neue Webstudie des Software-Unternehmens SEMrush, in deren Rahmen das Suchverhalten der Deutschen analysiert wurde.

1043 Mal im Monat suchten die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich nach dem Begriff „Dienstrad“ – das entspricht einem Wachstum von ganzen 848 Prozent. Das Synonym „Dienstfahrrad“ verbucht eine Steigerung von immerhin 292 Prozent. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass das Interesse an Dienstfahrrädern und Bikeleasing zunimmt.

Neuregelung der Dienstrad-Versteuerung ab 2019
Am 1. Januar 2019 trat eine Neuregelung der Besteuerung von Dienstfahrrädern in Kraft. Der geldwerte Vorteil ist unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr versteuerungspflichtig. Vorher betrug die Besteuerung generell ein Prozent des Bruttoeinkommens.

Die Gesetzesänderung setzt ein Zeichen für die Gleichstellung des Dienstrads mit dem Dienstwagen, dessen Besteuerung in diesem Zuge auf 0,5 Prozent gesunken ist. Der Wermutstropfen: Wie von der führenden Dienstrad-Leasing-Plattform JobRad berechtigterweise kritisiert wird, profitiert nur ein Bruchteil der Arbeitnehmenden von der neuen Regelung. Sie greift nämlich nur, wenn der Arbeitgebende das Rad-Leasing zusätzlich zum Arbeitslohn übernimmt. In den meisten Fällen wird das Dienstrad jedoch quasi gegen einen Teil des Bruttogehalts „eingetauscht“, was als Gehaltsumwandlung bezeichnet wird. Dadurch sinkt das zu versteuernde Einkommen, allerdings gilt in diesem Fall die sogenannte Ein-Prozent-Regelung: Ein Prozent des Fahrradpreises muss versteuert werden.

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Mulitmobil unterwegs: Schnell und flexibel sind Berufspendler und -pendlerinnen mit Faltrad plus Bahncard © Brompton

Die Online-Suchen nach anderen Mitarbeiter-Benefits wie Arbeitslaptop oder Urlaubsgeld weisen eine deutlich geringere Steigerung auf, wie die folgenden Diagramme verdeutlichen:

 

Grafik © SEMrush

 

Grafik © SEMrush

Nicht in jeder Region Deutschlands besteht ein ähnliches Interesse an Mitarbeiter-Incentives. Die folgende interaktive Karte zeigt, wo das Suchvolumen jeweils am größten ist – der Anteil für „Dienstfahrrad“ beispielsweise ist in Hamburg am größten.

Grafik © SEMrush

Mitarbeiter-Benefits wie ein Dienstrad können einen Vorteil im “War for Talents” bedeuten
Der aktuelle Fachkräftemangelwird in den Medien „War for Talents“ genannt. In Deutschland fehlen neben qualifiziertem Personal in Ingenieursberufen vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Handwerksbereich. Dieser Mangel hat die Machtverhältnisse in der Arbeitswelt hin zu den Mitarbeitenden verlagert.  Angesichts dieser neuen Dynamik überdenken die Human Ressource Departments der Unternehmen ihre Strategien. Talente, um die gekämpft wird, haben zunehmend Möglichkeiten, Ansprüche an ihre Arbeitgebenden zu stellen. Dazu zählen auch Benefits wie Dienstfahrräder oder neue Arbeitszeitmodelle wie die 4-Tage-Woche, die zB. bei den Bike Citizens Standard ist. (Mehr dazu hier)

 

Dienstfahrräder oder neue Arbeitszeitmodelle wie die
4-Tage-Woche sind sehr gefragte Benefits! 

Über die Studie:
Die SEMrush „War-for-Talents“-Studie untersuchte die Präferenzen deutscher Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei der Jobsuche auf Basis einschlägiger SEO-Daten. Bestehende Umfragen zu Arbeitsmarkt- und Jobtrends wie „War for Talents“ und „New Work“ waren Grundlage für die Auswahl eines Pools von über 500 Keywords, die auf Suchvolumen, Besucherzahlen und Regionalität hin untersucht wurden. Zudem wurden SEO-Daten wie Nutzerverhalten, Traffic und Keyword-Rankings von mehr als 100 Jobportalen herangezogen, um Angebot und Nachfrage gegenüberzustellen. Die Auswertung beinhaltete über 800.000 Datensätze, die sich aus Suchanfragen, Suchvolumen, Nutzungszahlen für Jobportale in verschiedenen Städten und Regionen zusammensetzen.

Die gesamte Studie gibt es bei SEMrush

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