Das urbane Fahrradmagazin

Upcycling: Wenn aus Kissenbezügen stylische Rennradcaps werden

Ob als Sonnenschutz im traditionellen Sinn oder lediglich als stylisches Accessoire: Rennradkappen sind ein klassisches Element mit dem sich Fahrradenthusiasten zu erkennen geben. Im Sommer 2016 ist ein neues nachhaltiges Label „upCYCLINGheadwear“ in Berlin-Neukölln entstanden, das Rennradkappen aus recycleten Materialien handfertigt. Wir haben Gründerin Tatjana interviewt:

Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.
Foto: UpCYCLINGheadwear

Die Gründerin, Tatjana,  von UpCYCLINGheadwear kommt ursprünglich aus dem Bereich des Kommunikationsdesigns und der Illustration und ist erst vor wenigen Jahren durch Kooperationen mit verschiedenen Modelabeln und Textilmanufakturen wie z.B.„NHAW-Clothing“ oder „Aufschnitt“ zum selbstständigen Produzieren von charmanten, nachhaltigen Produkten gekommen.

Tatjana Upcycling Head Wear
Foto: UpCYCLINGheadwear

Wie bist du zum Radfahren gekommen?

Ich bin in einer kleinen Stadt namens Wesel in der Nähe der niederländischen Grenze aufgewachsen. Bis auf ein paar wenige Brücken gibt es dort kaum Erhöhungen, außerdem ist nichts weiter entfernt als 5km. Wesel bietet also perfekte Voraussetzungen Fahrrad zu fahren.
Mein Vater ist in seiner Jugend viel Rad gefahren. Schon seit 15 Jahren organisiert er jedes Jahr eine Osterradtouren für Familie und Freunde. Diese Touren haben meine Jugend sehr
geprägt.

Warum genau Fahrradkappen?

Ich arbeite in einer kleinen Stoffmanufaktur, Aufschnitt in Friendrichshain. Diese teilen sich ihr Atelier mit einem Taschen- und einem Stilltuchlable. Leider fällt dort zwangsläufig viel „Müll“
(Verschnitt und Stoffreste) an, für welchen es, durch die Größe bedingt keine Verwendung mehr gibt. Mein Partner, Pit und ich haben uns Gedanken darüber gemacht, wie man vermeiden kann ungenutzten Stoff wegzuwerfen. Da Pit Triathlet ist, hat er mich gebeten, dass ich ihm ein paar lustige Kappen nähe. Das war somit der Anfang. Die Rennradcaps kommen aus dem Radsport und wurden früher bei Rennen anstelle eines Helms, als Sonennenschutz getragen.

Upcycling Fahrradcaps
Foto: UpCYCLINGheadwear

Die Rennradkappen werden von der Gründerin, Tatjana, in Neukölln angefertigt. Sie bestehen aus Verschnitt, entsorgten Bewerbungsmappen sowie gebrauchtem Rennradschlauch. Der neuwertige Polyesterfaden besteht aus recycelten PET Flaschen.

Wie viele wurden bereits produziert?

Da ich die Caps alleine schneide und nähe ist die Produktion sehr langsam. Ich bin immer davon abhängig, wer gerade Stoff, kaputte Schläuche oder Plastikmappen entsorgt. In den letzten Monaten habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben, weshalb ich mich nur wenig um die Caps kümmern konnte. Ich würde behaupten etwa 50 Caps bislang genäht zu haben.

Die Stoffe und Muster der Produkte sind stehts vom Verschnitt kleiner Manufakturen sowie entsorgter oder aussortierter Stoffe abhängig, so kann man z.B. Rennradkappen aus Stilltüchern, Bandanas, Taschen und kaputten Campingstühlen erwerben, wie das Beispielfoto zeigt.

Upcyclingheadwear rennradcap
Foto: UpCYCLINGheadwear

Wer sind deine Kunden und Kundinnen?

Soweit ich es richtig nachvollziehen kann, kaufen hauptsächlich Fahrradkuriere die Caps – nicht unbedingt zum arbeiten, eher als Accessoire. Ein Kunde sagte mal liebevoll: „Das ist meine Sonntagscap, die trage ich nur zum Kuchen essen.“ Es sind hauptsächlich junge Erwachsene, um die 25 welche selbst viel Rad fahren oder sich für Recycling und Nachhaltigkeit interessieren. Hin und wieder sind es aber auch ein paar Fahrradmechaniker 50+, die sich eine Rennradkappe gönnen.

Verkaufst du ausschließlich über den online Shop, oder bist du auch manchmal auf Märkten?

Hauptsächlich verkaufe ich die Caps in Berlin-Kreuzberg auf dem Flickenmarkt, welcher jeden letzten Samstag im Monat in der Waldemarstraße organisiert wird. Über den Onlineshop gab es aber auch schon einige Bestellungen aus München, Kassel, Leipzig, Hamburg – ein paar aus dem Großbritannien (ich weiß nicht genau wieso – wahrscheinlich über die Instagram Seite), aus der Schweiz und aus Finnland.

Welche Rennradkappe ist dein Favorit?

Optisch finde ich die rote Rosen-Caps sehr schön. Der Stoff wurde bei einem Restaurant am Boxi entsorgt. Die Kissen und Stuhlpolster waren mit dem Stoff bezogen worden – ich finde es witzig sich dem Mobiliar anzupassen. Ich habe ein hübsches Bild der Kappe mit einem Freund von mir drauf. Meine Lieblingskappe habe ich gestern nach Großbritannien geschickt. Sie hat ein Pferdemuster und ist aus einem Halstuch, welches ich als Kind auf einem Reiterhof ergattert habe.

 

Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

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