Das urbane Fahrradmagazin

Ein Konditor, der loszog und eine Weltreise mit dem Fahrrad machte

Für Tilmann Waldthaler wurde der Traum einer Weltreise mit dem Fahrrad zur Berufung. Seit rund 40 Jahren ist der italienisch-australische Weltenbummler nun auf allen Kontinenten der Erde mit dem Rad unterwegs. Was hat ihn motiviert? Und welche Erfahrungen hat er gemacht? Außerdem seine Top Tipps für Fernreiseradler.

Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.
Foto © Tilmann Waldthaler

Mit dem Fahrrad um die Welt – Wie alles began

Das Rad ins Rollen gebracht hat 1975 die zufällige Begegnung mit einem belgischen Tourenradler in der australischen Wüste. Fasziniert vom Anblick dieses Weltumrunders mit seinem voll bepackten Fahrrad, kam der damals 36-jährige Konditor und Koch mit ihm ins Gespräch. Es sollte die Initialzündung zu einem neuen Lebensabschnitt sein. Nach einiger Zeit sind die Beiden sich zufällig wieder begegnet und schließlich eine 90 km-Tour zusammen geradelt. Völlig erschöpft und erstaunt, dass der Belgier die Strecke noch wieder zurückgefahren ist, hat Waldthaler das Radfahren fortan nicht mehr losgelassen.

Zunächst wollte er nur ausprobieren, mal zwei Wochen mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Doch daraus wurde letztlich ein neues Lebenskonzept. Er verkaufte sein Auto, um sich auf Rat des Belgiers ein maßgefertigtes Fahrrad zu kaufen und wurde „mit 40 quasi der Azubi, der mit dem Fahrrad umzugehen lernt“, so Waldthaler. Da ein Zyklon damals seinen australischen Wohnort Darwin verwüstet hatte, fiel ihm der Aufbruch nicht schwer. Das war der Beginn seiner Weltreise mit dem Fahrrad.

Seine erste Tour 1977-1981 ging von der Antarktis in die Arktis. Es folgten rund ein Dutzend weitere große Fahrradreisen, die er inzwischen weitgehend als Produkttester für die Outdoor- und Fahrradindustrie, durch seine zahlreichen Reisebücher und Vorträge finanziert. Bislang ist Waldthaler fast 500.000 Kilometer geradelt, hat 136 Länder bereist und somit über zehnmal die Welt umrundet. Es geht ihm dabei nie um Rekorde, immer ist der Weg das Ziel.

TILMANN SPITZBERGEN Weltreise mit dem Fahrrad

Waldthalers Vorbereitungs-Tipps für eine Weltreise mit dem Fahrrad

Das Einzige, was Waldthaler festlegt, sind Start- und Zielort seiner Touren, denn das ist entscheidend für die Vorbereitung. Winter- oder Wüstentouren beispielsweise erfordern eine viel intensivere Planung (eventuell sogar Pakete vorauszuschicken) als solche durch besiedeltes Gebiet. „Die wichtigste Vorbereitungsarbeit ist die Klärung der eigenen Ziele und Wünsche für die geplante Tour“ so Waldthaler, „darauf basiert die anschließende Recherche“.

Besonders folgende Fragen und Anregungen legt er jedem ans Herz:

  • Will ich alleine oder in Gemeinschaft fahren? Seiner Erfahrung nach funktioniert es gemeinsam nur, wenn man sich sehr gut kennt oder liebt. Das Alleinsein auszuhalten ist jedoch für viele Menschen eine große Herausforderung.
  • In welcher Jahreszeit fahre ich wohin und was brauche ich dafür? Eine daran individuell erstellte Ausrüstungsliste hilft, unnötige Schlepperei zu vermeiden und nichts Wichtiges zu vergessen. Ein „Muss“: Einreiseformalitäten klären!
  • Wie will ich schlafen und essen? Draußen übernachten ist abenteuerlich und günstig. Das Reisen als Selbstversorger erfordert jedoch gute Planung, Ausrüstung und auch Ideenreichtum. Kost und Logis in Unterkünften ist komfortabler, natürlich auch kostspieliger.
  • Ganz wichtig findet Waldthaler, „sich Zeit zum Reisen zu lassen, andere Menschen, Kulturen und Welten kennenzulernen und letztlich sich selbst“.

Tilmann Waldthaler Portrait_weltreise mit dem fahrrad

Waldthalers Ausrüstungs-Tipps für eine Langzeittour

 Entscheidend ist außerdem das richtige Gepäck. Waldthaler selbst nimmt einen Minihaushalt in 5 Fahrradtaschen mit:

  • Funktionskleidung (am liebsten Freizeitbekleidung, weil sie zum Radfahren und gleichzeitig für den Freizeitgebrauch geeignet ist)
  • Wohn- und Schlafzimmer: Zelt, Matte, Schlafsack (für längere Touren ein VAUDE Space II Zelt und ein warmer Schlafsack)
  • Küche: 2 Töpfe, Tasse, Besteck, Gaskocher
  • Werkzeug (Minitool (“Handy10”) von Parktool, Werkzeugschlüssel Größe 6 -15 zum Schraubenanziehen, Nietendrücker für die Kette, Schlauch, 1 x Schwalbe Ersatzbereifung (Marathon Mondial) und Flickzeug von Parktool) und Kamera (Nikon Coolpix und GoPro Helmkamera)
  • Tresor am Lenker (der Gepäckträger hat eine Rumpelkammer).

Zudem empfiehlt Waldthaler Langtourenradlern ein hochwertiges Fahrrad, Unfall- und Krankenversicherungsschutz, Kreditkarte(n) und internetfähige Kommunikationsmittel (beispielsweise Smartphone). Er selbst hat mittlerweile 12 verschiedene Fahrräder benutzt. “Um technischen Problemen vorzubeugen, sind die richtigen Rahmenmaße, eine Rohloffnabe, Magura Scheibenbremsen, Schwalbe Bereifung und solide Gepäckträger das Wichtigste”, so Waldthaler. “Bei meiner jetzigen Australien-Umrundung fahre ich das Herkelmann-Tourenrad“, so Tilmann, “Es hat Wingees Gepäckträger über dem Hinterrad montiert. Die Lowrider vorne sind von der Firma Tubus”.

Sollten man unterwegs von einer kalten Klimazone in eine wärmere fahren, lohnt nach Waldthalers Erfahrung das Mitnehmen der Ausrüstung oftmals, da man sie eventuell noch mal gebrauchen kann. Verschenken oder heimschicken bleibt ja immer möglich. Der heute 73-Jährige lebt seinen Traum weiter und hält seine Reiseerfahrungen in faszinierenden Büchern fest – eine wahre Fundgrube für Globetrotter!

Weitere interessante Links:
Club der Globetrotter: https://www.globetrotter.org/
Auf eigene Faust um die Welt: http://weltreise-info.de/

Foto © Tilmann Waldthaler

Entdecke die Welt von Bike Citizens > www.bikecitizens.net

Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern