Das urbane Fahrradmagazin

Ruhrgebiet: Radschnellweg “RS1” soll täglich 400.000 Pkw-Kilometer sparen

Der Ruhr-Radschnellweg RS1 ist mittlerweile zu einem Vorzeigeprojekt für Fahrradinfrastruktur geworden. In der finalen Ausbaustufe soll er zehn Städte, rund 60 große Unternehmensstandorte und insgesamt vier Universitäten auf über 101 km verbinden – von Duisburg nach Dortmund und weiter nach Hamm.

Barbara Ottawa quer
Barbara Ottawa ist freischaffende Journalistin in Wien. Vorwiegend schreibt sie über Finanzen, ihre Leidenschaft gilt aber dem Radfahren und auch der Berichterstattung über diesen Lebensstil – u.a. im Radlobby-Magazin “Drahtesel” oder auf ihrem Blog viennabeo.net.
Fotos: Regionalverband Ruhr

Für die Finanzierung des Projektes hat sich der Regionalverband Ruhr (RVR) bei den Nachbarn, also in Holland, umgeschaut: Zukünftig wird das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) „für den Bau und Unterhalt von Radschnellwegen aufkommen“, erläutert Jens Hapke, RVR-Pressesprecher, im Gespräch mit Bike Citizens.

„Mit diesem Schritt folgt das Land NRW den Niederlanden. Denn hier werden Radschnellwege schon länger mit Straßenbaumitteln des niederländischen Staates aus Anti-Stau-Programmen finanziert“, sagt Hapke.

Um die gesetzliche Grundlage für die Finanzierung und Instandhaltung von Radschnellwegen zu gewährleisten, will der Verkehrsminister des Bundeslandes Radschnellwege den Landesstraßen gleichstellen. Ein entsprechendes Gesetz soll im Herbst in Kraft treten.

Ein „geniales Stück“ Radweg

Ruhr-Radschnellweg

Foto: Regionalverband Ruhr

„Ich bin vor ein paar Stunden den Radschnellweg (RS1) gefahren – geniales Stück“, twitterte ein begeisterter Radfahrer Mitte Juli und meint damit im Moment nur ein kleines Teilstück.

Ein paar Tage zuvor war der Spatenstich für den Abschnitt vom Hauptbahnhof Mühlheim bis zur Ruhrbrücke – insgesamt 600 Meter – erfolgt. Im vergangenen Jahr waren fünf Kilometer des RS1 zwischen Essen und Mülheim dem Radverkehr übergeben worden.

Einige Teilstrecken bestehen bereits, sind aber noch nicht verbunden oder noch nicht fertig asphaltiert. Teile des Ruhr-Radschnellweges entstehen auf der Trasse einer stillgelegten Eisenbahn. Alle Abschnitte sollen letztendlich bestimmten Qualitätskriterien des Landes NRW folgen:

  • getrennter vier Meter breiter Radweg und zwei Meter breiter Fußweg
  • steigungsarme Streckenführung
  • Beleuchtung
  • Winterdienst
  • und möglichst Priorisierung an Knotenpunkten

RS1 soll täglich 400.000 Pkw-Kilometer sparen

„Wir haben bei Zählungen im Bereich Essen schon im Jahr 2014 an die 1.000 Menschen am Tag gezählt, und das war noch auf dem Abschnitt, der noch nicht in ganzer Länge mit einer Asphaltdecke ausgestattet ist,“ berichtet Hapke.

Schätzungen des RVR zufolge könnten „bis zu 54.000 Pendler vom Auto auf den Ruhr-Radschnellweg umsteigen und Fahrten mit einer Gesamtlänge von über 400.000 Kilometern wegfallen – und zwar pro Tag“.

Die Gesamtkosten für den ersten Radschnellweg in Deutschland wurden in einer Machbarkeitsstudie auf 184 Millionen Euro geschätzt.

Ruhr-Radschnellweg mit eigener Webseite

Der RS1 ist zwar der erste, aber bei weitem nicht der letzte geplante Radschnellweg in NRW. Insgesamt sind sieben solcher Straßen für den Radverkehr geplant.

Hapke bezeichnet die Unterstützung durch Benutzer, Politik und Verbände (inklusive ADFC) für das Projekt RS1 und ähnliche Pläne als „hervorragend“.

In Aachen, 120 km südlich von Dortmund regt sich derweil etwas Unmut gegen ähnliche Radschnellwegpläne. Zwar betont der Bezirksbürgermeister, dass „hier niemand grundsätzlich gegen einen Radschnellweg ist“, aber Uneinigkeit über die Streckenführung herrscht. Einerseits wegen der Kosten und andererseits wegen des Wegfalls von Parkplätzen.

Die grundsätzliche Unterstützung des Projektes Radschnellweg im Ruhrgebiet lässt sich jedoch daran erkennen, dass der RS1 sogar eine eigene Webseite hat: http://www.rs1.ruhr

Hapke fände es „toll, wenn wir bis zum 100. Jubiläum des RVR im Jahr 2020 mit dem RS1 fertig würden“. Aber wenn der endgültige Ausbau etwas länger dauert sei „das auch nicht so schlimm“.

 

Barbara Ottawa quer
Barbara Ottawa ist freischaffende Journalistin in Wien. Vorwiegend schreibt sie über Finanzen, ihre Leidenschaft gilt aber dem Radfahren und auch der Berichterstattung über diesen Lebensstil – u.a. im Radlobby-Magazin “Drahtesel” oder auf ihrem Blog viennabeo.net.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern