Das urbane Fahrradmagazin

Kribbeln in den Füßen? Die besten Möglichkeiten zur Rückeroberung der Straße – für dich und mich

Ein Theaterstück auf einem Parkplatz? Die eigene Straße in einen Lebensraum verwandeln? Das Engagement für die Verkehrswende lebt von Bewegung und Austausch mit Gleichgesinnten. Der VCD gibt jetzt Tipps und Inspiration, wie man trotz (oder geraden wegen) der Pandemie die Mobilitätswende mit vorantreiben kann.

This is an article written by a guest author from the Bike Citizens community (full profile below). If you also want to share your cycling stories, contact us.
Foto © VCD / Katja Täubert

Gemeinsam kreative Aktionsideen für die Verkehrswende in die Tat umsetzen – das mag zur Zeit ja etwas schwieriger erscheinen. Denn  das Gebot der Stunde lautet ja: Abstand halten!

Abstand halten funktioniert gut, wenn wir einkaufen, wenn wir uns mit Freunden und Freundinnen im Park treffen oder wenn wir mit Anderen zusammen arbeiten. Wenn wir allerdings mit dem Rad unterwegs sind, spazieren oder laufen gehen, fehlt oft der Platz dazu. Gerade in Zeiten der Corona-Krise wird deutlich, dass der Raum in unseren Städten ungerecht verteilt ist. Der weitaus größte Teil ist für den Autoverkehr reserviert.

Das große Kribbeln: Tempo-20-Zonen, autofreie Innenstädte, Pop-Up Bikelanes
Aus diesem Grund entstehen weltweit Initiativen, die inspirieren: Große Teile der Stadt Brüssel werden zur Tempo-20-Zone umgewandelt, London plant eine autofreie Innenstadt und in vielen Ortschaften werden sogenannte Pop-Up Bikelanes eingerichtet. Und genau hier fängt es an, spannend zu werden und in den Füßen zu kribbeln. Denn auch in der aktuellen Situation kann sich jeder und jede im Kleinen pro Verkehrswende engagieren.

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Auch in der aktuellen Situation kann sich jeder und jede im Kleinen pro Verkehrswende engagieren. Foto © VCD

Bei Aktionen unbedingt zu achten
Bei allen Aktionen ist dran zu denken, dass die vor Ort geltenden Verordnungen im Hinblick auf die Corona-Pandemie eingehalten werden. Achtet auf jeden Fall darauf:

  • Masken zu tragen
  • den Mindestabstand einzuhalten und am besten
  • auf dem Boden markieren, wo wer stehen kann

Initiiere auch du eine temporäre Pop-Up-Bikelane 

Um Radfahrende in Corona-Zeiten genügend Platz einzuräumen, wurden von einigen Berliner Bezirksämtern zusätzliche temporäre Radwege angelegt. Um auch deine Stadt von dieser Maßnahme zu überzeugen, gibt es die Möglichkeit, einen Tag lang eine Pop-Up-Bikelane als politische Aktion anzumelden.

Fakten schaffen: Zählt am Tag der Aktion alle Radfahrenden, die den neuen Radweg nutzen. So schafft ihr Fakten, die ihr der Stadtverwaltung gemeinsam mit einem Antrag vorlegen könnt.

Tipp: Untermauert die Notwendigkeit eures Radweges mit Verweis auf die StVO, die in §45 Abs. 9 Satz 1 besagt, dass Radverkehrsanlagen dann eingerichtet werden können, wenn sie zur Abwehr einer Gefahrenlage beitragen. In der Kombination mit der Pandemieeindämmungsverordnung, die einen Mindestabstand von 1,5 Metern vorschreibt, habt ihr eine solide rechtliche Begründung. Eine detaillierte Anleitung dazu gibt es hier auf der VCD-Website.

 Zeige Falschparkern und Falschparkerinnen die Gelbe Karte 

Kreuz und quer und in dritter Reihe: Es gibt viele kreative Methoden, das eigene Auto im Straßenraum abzustellen. So stehen leider auch viele Pkws auf Fuß- oder (Pop-Up-)Radwegen. Damit gefährden sie die Sicherheit von Fahrradfahrenden, die auf die Pkw-Fahrbahn ausweichen müssen.

Gelbe Karte: Mache Falschparkende freundlich auf ihr – leider gefährliches – Verhalten aufmerksam und klemme eine gelbe Karte hinter Scheibenwischer. Die hübschen Karten sind hier jederzeit bestellbar.

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Mit dieser “Gelben Karte” kannst du die Fahrerinnen und Fahrer freundlich auf Probleme und Gefahren beim Falschparken des Pkws hinweisen. Foto © VCD / Katja Täubert

Setze eine 12 qm-Kunstinstallation im öffentlichen Raum um 

Der enorme Flächenverbrauch von Autos in unseren Städten ist offenkundig. Dennoch haben wir uns einfach an die vielen Parkplätze im öffentlichen Raum gewöhnt. Mit einer kleinen Kunstaktion könnt ihr allerdings viel Aufsehen erregen!

Passanten und Passantinnen stutzig machen: Ein durchschnittlicher Parkplatz ist etwa 12qm groß. Klebt diese Fläche mit auffälligem Klebeband an Orten auf dem Boden auf, die gedanklich wenig mit dem Auto verknüpft sind – besonders wirkungsvoll sind Spielplätze, Treppenaufgänge oder Rathausplätze.

So setzt ihr einen wirkungsvollen Impuls, städtische Flächen gerechter zu verteilen. Die Aufmerksamkeit von Medien und Presse eurer Stadt ist euch sicher.

Erobere dir mit der VCD-Toolbox die Straße zurück 

Der Favorit unter allen Supertools zur Rückeroberung der Straße ist aus unserer Sicht: Straßenkreide! Du malst mit ihr Kunstwerke auf grauen Asphalt und nutzt sie für deine persönlichen Botschaften an deine Nachbarschaft. Werde kreativ!

Inspiration: Wie wäre es mit “Luft und Liebe – keine Stickoxide”, “Bike in the Name of Love” oder “Sturmklingeln gegen die Abwrackprämie”.

Werkzeug: Dies und vieles mehr haben wir als kleines “Handwerkszeug” zur Verkehrswende in unserer Toolbox hier zusammengestellt.

Straßenkreide

All you need is love und Straßenkreide! Foto © VCD / Katja Täubert

Merke dir den DIY-Verkehrswende-Kongress  vor

Auch in diesem Jahr findet der Kongress “Do it yourself – Verkehrswende mitgestalten” des VCD statt. Herzlich eingeladen sind am 29. und 30. Oktober 2020 all die jungen Menschen, die sich von kreativen Ideen zur Mobilitätswende inspirieren lassen wollen und Lust haben, an eigenen Projektideen zu basteln.

Vielfältiges Programm: Ob Impuls zum Konzept der Superblocks, Zukunftsworkshop oder Barcamp – es sind unterschiedlichste Formate geplant und spannende Sprecher und Sprecherinnen eingeladen.

Kostenlos anmelden: Die Anmeldung ist kostenlos und bereits freigeschaltet auf www.diy.vcd.org. Kommt vorbei!

Rückeroberung Straße

Nimm dir was du wirklich (von der Straße) brauchst! Foto © VCD / Katja Täubert

Keine Zeit für eigene Aktionen? Werde Mitglied!

Der VCD kämpft für eine sozial- und klimaverträgliche Mobilität und vertritt eure Anliegen für nur 2,50 Euro im Monat. Beantragt einfach und schnell hier eine Mitgliedschaft. Mit dem Geld unterstützt ihr unsere politische Arbeit.

Denn gerade jetzt ist es wichtig, eine Gegenstimme zu den Menschen zu bilden, die die aktuelle Krisensituation dafür nutzen wollen, bestehende Klima- und Umweltvorgaben im Verkehrssektor zu lockern.

radfahren

Fahr’ Rad! Und setzt dich ein, für beste und fairste Fahrzeug der Welt! Foto © VCD / Katja Täubert

Finde Gleichgesinnte

Für viele Aktionen ist es schön, ein paar Gleichgesinnte mit an Bord zu haben. Möchtest du andere engagierte Menschen kennenlernen, dich vernetzen oder wissen, was um dich herum vielleicht schon alles passiert?

Wende dich an die VCD-Ortsgruppe vor deiner Haustür.

straßenkunst

Auf der Straße tanzt man doch am Liebsten zu Zweit. Oder? Foto © VCD / Katja Täubert

Dieser Text entstand in Kooperation mit dem VCD – Verkehrsclub Deutschland e.V.

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