Das urbane Fahrradmagazin

Radfahren im Regen? Mit der passenden Regenbekleidung kein Problem!

Bestimmte Wetterverhältnisse schränken die Freude am Radeln enorm ein - ein wirkliches Hindernis sind Regen, Wind und Kälte nur selten. Schon bei leichtem Niesel rutscht die Motivation Rad zu fahren in den Keller, denn meist fehlt es an guter, wetterfester Ausstattung. Aber: Mit der passenden Kleidung, kommt man trocken durchs Nass. Und das Radfahren im Regen macht obendrein Spaß!

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Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.
Radfahren im Regen macht ziemlich gute Laune! Foto © Karen Rike Greiderer

Die Auswahl an funktionaler und stylischer Regenbekleidung ist unüberschaubar groß. Für jede Geldbörse und jeden Stil hält der Markt etwas bereit. Das Beste: Niemand benötigt keinen Kleiderschrank voll mit Fahrrad-Funktionsbekleidung. Ein paar hochwertige Basics reichen!

Bike Citizens im Dialog mit Juliane Schumacher, Expertin rund ums Thema Fahrradbekleidung, Modedesignerin und bekannt als Radelmädchen.

1. Ab wann ist Kleidung wasserfest? 

Widmen wir uns im ersten Schritt der wichtigsten Eigenschaft des Materials: Der Dichtheit! Die Wasserdurchlässigkeit wird mit Angabe der Wassersäule standardmäßig in Millimetern ausgewiesen. Die Wassersäule beschreibt, wie viel Wasserdruck das Material aushält, bevor das Wasser von außen hindurch tritt. Das wird im Labor in Form eines mit Wasser gefüllten Zylinders getestet.

Wasserdicht vs. Wasserabweisend
Ein Material gilt ab 800 bzw. 1.300 Millimetern als wasserdicht laut EN-Norm. Alles darunter ist wasserabweisend. Hochwertige Outdoorprodukte verfügen über eine hohe Wassersäule mit etwa 10.000 mm.

Tipp zur Regenhose: “Bereits beim Hinsetzen setzt man der Hose einen Wasserdruck von 2.000 mm Wassersäule aus. Wasserabweisendes Material ist nicht ausreichend!” empfiehlt Juliane Schumacher.

Regenhose

Bei stark genutzter Kleidung wie zum Beispiel einer Regenhose ist wasserabweisendes Material nicht ausreichend. Bereits beim Hinsetzen setzt man der Hose einen Wasserdruck von 2.000 mm Wassersäule aus. Foto © Karen Rike Greiderer

 

2. Wie wird Kleidung wasserfest?

Juliane Schumacher: “Funktionskleidung wird durch die verarbeiteten Membranen, wie zum Beispiel Sympatex® oder GoreTex® und verschiedene Arten von Beschichtungen wasserdicht und bestenfalls atmungsaktiv. Meist sind die Stoffe zusätzlich mit einem DWR (Durable Water Repellent) imprägniert, um ein klammes Tragegefühl zu vermeiden. Wasser perlt dadurch einfach von der Oberfläche des Materials ab. Während diese DWR vor ein paar Jahren fast ausschließlich aus bedenklichen und schwer abbaubaren Stoffen bestanden, gibt es heute umweltfreundlichere Alternativen, wie das BIONIC FINISH®ECO.”

Notiz am Rande: Naturmaterialien wie Wolle und Wollwalk nehmen sehr viel Feuchtigkeit auf ehe sie die Nässe durchlassen. Obendrein sind diese Materialien höchst atmungsaktiv und trocknen nach der Fahrt schnell. Bei leichten Schauern aber auch längerem Herbstregen ist eine weiche Wollwalkjacke oder ein Walkponcho durchaus eine ernstzunehmende, raschelfreie Konkurrenz zur Regenjacke!

Regenbekleidung

Mit guter Regenbekleidung machen auch längere Ausfahrten und Fahrradaktionen Spaß. Trotzdem sollte man auf das Schuhwerk nicht vergessen – wie man auf diesem Foto gut erkennen kann… Foto © Karen Rike Greiderer

3. Wann ist Regenbekleidung atmungsaktiv? Es ist kompliziert…

Die zweite, essentielle Eigenschaft von Regenkleidung ist die Atmungsaktivität des Materials. Hier geht es darum, dass die Körperfeuchtigkeit von drinnen gut nach außen entweichen kann. Juliane Schumacher erklärt: “Besonders bei starker körperlicher Aktivität und hoher Luftfeuchtigkeit muss die Regenbekleidung durchlässig für Wasserdampf sein, sonst stellt sich schnell der Plastiktüteneffekt ein – trotz Regenbekleidung ist man bis auf die Unterhose nass…”

Beim Thema Atmungsaktivität ist es nicht so einfach, wie bei der Dichtheit. Grundlegend ist zuallererst,  was unter der Regenjacke und Regenhose getragen wird. “Baumwollkleidung ist zu vermeiden. Sie nimmt Feuchtigkeit gut auf, gibt sie im Gegensatz zu hochwertigen Synthesefasern oder Merinowolle nur schwer wieder ab. Das Resultat habe ich bereits erwähnt: Man ist trotz Regenkleidung nass.” Obendrein ist der Atmungsaktivität von Regenkleidung klare Grenzen gesetzt: “Ab einem bestimmten Punkt von Luftfeuchtigkeit außen und Schwitzen innen kann auch die stärkste Membran keinen Ausgleich mehr schaffen…Radsportler und Radreisende kennen das leidige Problem!”

4. Welche Regenkleidung ist nützlich beim Radfahren?

Oberbekleidung: Der wichtigste Teil ist definitiv die Oberbekleidung. Sie ist dem Regen am stärksten ausgesetzt ist. Aber welche Schicht passt zu mir?

Oberbekleidung: Worauf achten?

Regenjacke und Poncho sind die Nummer eins der Regenbekleidung. Die wichtigsten Punkte dazu im Überblick:

1/ Packmaß + Gewicht: Poncho und Regenjacke werden ja nur nach Bedarf herausgeholt (wenn es regnet). Darum spielen Packmaß und Gewicht ebenso eine wichtige Rolle, wie die Dichtheit und Atmungsaktivität des Materials. Je kleiner und leichter desto besser! Zusammengefaltet ist diese erste Schicht ab sofort immer mit dabei in Tasche oder Rucksack. Damit sind überraschende Regenfälle kein Hindernis mehr, Rad zu fahren.

2/ Kapuze und Kappe: Poncho oder Jacke sollten in jeden Fall über eine gute, individuell einstellbare Kapuze verfügen, die den Blick nicht zu stark einschränkt. “Besonders Brillenträger und Trägerinnen freuen sich über einen stabilen Kapuzenschirm. Falls dieser nicht vorhanden oder zu klein ist, hilft eine zusätzliche Fahrradkappe mit großem Schirm unter der Kapuze, um das Gesicht und die Augenpartie trocken zu halten.” ergänzt Juliane Schumacher, selbst Brillenträgerin. 

3/ Taschen und Reflektoren: Ebenfalls praktisch sind dichte Taschen und reflektierende Details, um besser gesehen zu werden.

4/ Ein verstärkter Schulterbereich mit verlegten Nähten erhöht den Regenschutz, da diese Stellen stärker beansprucht werden. “Die Nähte sollten zusätzlich mit Naht-Tape gesichert sein!” ergänzt die Expertin. 

Jacke vs. Poncho

Was passt besser zu den eigenen Bedürfnissen: Regenjacke oder Poncho?

Regenjacke

Bewegungsfreiheit: Für die Regenjacke spricht in erster Linie ihre Flexibilität. Eine speziell fürs Radfahren konzipierte Jacke ermöglicht eine deutlich höhere Bewegungsfreiheit als normale Regenjacken. Das Design ist auf Radfahrende abgestimmt. Ein zu weiter Schnitt, der die Aerodynamik einschränkt, wird vermieden. Ein verlängertes Rückenteil deckt auch bei einer gestreckten Sitzposition auf dem Fahrrad den kompletten Rücken und das Gesäß ab.

Sonstiges: Der Reißverschluss sollte abgedichtet oder mit einem Beleg verdeckt sein. Bei besonders starkem Regen ist ein zusätzlicher Beinschutz notwendig.

Preis: Regenjacken variieren stark im Preis. Es geht bei etwa 15 Euro beim Discounter für eine Alltagsregenjacke los. In ein hochwertiges Performance-Radsport-Markenprodukt investiert man auch schnell 400 Euro hin.

Alltag vs. Outdoor-Performance: Eine Regenjacke, die auf langen Touren mit möglicherweise tagelangem Regen genutzt wird, muss anderen Ansprüchen genügen, als ein Produkt, das nur dem nächsten, kurzen Schauer in der Stadt standhalten soll.  Juliane Schumacher weiß: “Nicht jede und jeder benötigt eine 400 € Hightech – Funktionsjacke, die alles immer kann. Doch je nach Nutzungshäufigkeit und Einsatzzweck lohnt sich die einmalige Anschaffung eines qualitativ guten Markenproduktes mit langer Haltbarkeit und aus hochwertigen Materialien.”

Empfehlung der Redaktion: Guten Gewissens empfiehlt die Bike Citizens Redaktion Regenjacken vom deutschen Label VAUDE. Die Produkte sind nachhaltig aus recycelten Materialien gefertigt, haben eine tolle universelle Passform, halten lang, sehen gut aus und auch das Preis-Leistungsverhältnis ist okay.

Regenponcho

“Ponchos sind Allrounder. Die Auswahl ist groß! Vom dünnen Einweg “Plastiksack” für wenige Euro bis hin zum modischen und praktischen Regenschutz mit hoher Wassersäule und Wasserdampfdurchlässigkeit ist alles dabei.”

Weitreichender Regenschutz: Der Vorteil des Ponchos ist sein weitreichender Regenschutz. Er schützt den Oberkörper und die Beine vor Regen. Damit erübrigt sich meistens das Tragen einer Regenhose – das spart Platz und Gewicht in Rucksack oder Tasche!

Passgenauer Poncho: Hochwertige Ponchos lassen sich in der Weite einstellen oder mit Bändern am Lenker befestigen, um ein Wegfliegen zu verhindern. Die Länge variiert von oberkörper- bis knielang.

Nachteile: Der Nachteil ist die große Fläche, die dem Wetter trotzen muss. Besonders bei starkem Wind wird die Radfahrt schnell anstrengend. Der Poncho eignet sich daher eher für Radfahrende in der Stadt und für kurze Ausflüge – dennoch schwören so mache Radreisenden auf Ponchos…

Produkttip: Absoluter Hingucker sind die Ponchos von Weather Goods Sweden, die auch für ‘drunter’ hochwertige und schicke Shirts aus Merino anbieten.

Regenhose, Rainlegs, Gamaschen

1/ Regenhosen sind die perfekte Ergänzung für ein komplettes Regenoutfit. Die klassische Regenhose zum Radfahren ist zum Überziehen über die normale Alltagshose konzipiert. Damit man schnell in die Regenkleidung schlüpfen und sich gut bewegen kann, sind die Hosen meist weiter geschnitten und verfügen über Reißverschlüsse oder Druckknöpfe an den Seiten. Klettverschlüsse regulieren die Beinweite.

Juliane Schumacher fährt fort: “Es gibt Hosen im funktionalen Outdoorstyle, oder robuste Allroundhosen, die man selbst durch den Einsatz von Wachs behandeln und wasserfester machen kann (zB. Fjällräven).  Ersteres sind funktionale, leichte, kleine Lösungen für den schnellen Regeneinbruch. Zweiteres sind praktische Produkte, die optisch auf dem Rad und im Alltag funktionieren.”

2/ Rainlegs: Wenn man noch flexibler reagieren möchte, dann sind die Rain legs eine gute Option. Diese Beinschützer werden mithilfe von Riemen und Klettverschluss um die Oberschenkel gebunden.

3/ Gamaschen: Als Ergänzung zur Regenhose bieten sich wasserdichte Gamaschen an. Man kann sie einfach über den Radschuh oder Sneaker stülpen und mit Klettverschluss befestigen. Das geht schnell und ist effektiv. Oder man greift zu wasserdichten Schuhen…

Fazit

Die Auswahl an Regenbekleidung ist groß. Ob man Regenjacke oder Poncho bevorzugt, ist Geschmackssache. Schlichtweg wichtig ist es, sich darüber im klaren zu sein, für welchen Einsatzzweck die Regenkleidung genutzt wird und ob einem leichtes und kleines Packmaß wichtig sind. Braucht man die Kleidung ‘nur’ für den schnellen sommerlichen Regenguss oder plant man eine mehrtägige Radreise, wo es auch vorkommen kann einige Tage hintereinander im Regen zu radeln… Wo reicht eine gute Wollwalkjacke? Wann muss es eine Wassersäule von 10.000 mm sein?

Kluge Entscheidungen sparen nicht nur Geld sondern sind auch umweltfreundlicher. Viele Funktionsmaterialien lassen sich nur schwer entsorgen. Das Thema Umweltverträglichkeit und Funktionskleidung wird in der Outdoorbranche immer wichtiger – hier gibts mehr im Urban Independence Magazin.

 

Bike Citizens Fazit:
Nachdenken. Anprobieren. Rumprobieren. Und die erste Fahrt im Regen einfach wagen und genießen! 

Anmerkung zum Artikel: Der Originalversion des Artikels stammt aus dem Jahre 2017 und wurde von der Autorin Juliane Schumacher/Radelmädchen verfasst.  Karen Rike Greiderer / Bike Citizens Redaktion überarbeitete und aktualisierte den Artikel umfassend im Oktober 2020. 

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.

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