Das urbane Fahrradmagazin

Ratgeber und Fahrradlichter-Test: Wie finde ich ein passendes Fahrradlicht

Fahrradlichter sind zwar das ganze Jahr über im Einsatz. Doch erst mit den kürzer werdenden Tagen macht sich die Dringlichkeit bemerkbar neue zu besorgen – falls die alten nicht mehr richtig funktionieren. Beim Neukauf sieht man sich plötzlich mit einer großen Auswahl konfrontiert. So stand auch ich vor ein paar Wochen erneut vor der Entscheidung, welche Fahrradlichter es diesmal sein sollen.

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.
Foto © Knog

Wiederaufladbare oder batteriebetriebene Fahrradlichter

Zwei kurze Fragestellungen helfen enorm, die Suche nach dem passenden abnehmbaren Fahrradlicht einzuschränken. 1.) Sollten es wiederaufladbare LED-Fahrradlichter oder batteriebetriebene Lichter sein? 2.) Welche Funktion sollten sie haben? Sehen oder gesehen werden. Es gibt unzählige Billig-Modelle, die in der Kategorie „gesehen werden“ fallen – diese sind meistens jedoch nicht offiziell im Straßenverkehr zugelassen. Wiederaufladbare LED-Fahrradlichter im stärkeren Lumen-Bereich findet man kaum unter 20€ Budget pro Licht.

Online-Kauf oder im Fahrradgeschäft von nebenan

Um ehrlich zu sein, hängt bei mir diese Entscheidung immer von der Dringlichkeit ab. Benötige ich ein Fahrradlicht sofort, dann unterstütze ich gerne den Fahrradladen von nebenan. Das einzige Manko: Meistens ist die Auswahl sehr reduziert. Das liegt daran, dass Handelsketten oder kleine Fahrradgeschäfte meistens mit Großhändlern zusammenarbeiten. Somit sind sie an das Angebot der Großhändler gebunden, die wiederum nur selten Produzenten von nur einem oder wenigen Produkten im Sortiment haben (z. B. Bookman). Marktneuheiten aus Kickstarter-Kampagnen oder von kleinen Start-ups sind dort daher selten zu finden. Daher entschied ich mich in meinem Fall für eine Mischung aus beidem: billige „Notfalls-Lichter“ mit denen ich meine beiden Fahrräder ausgestattet habe und ein Paar innovative, etwas teurere Fahrradlichter, die immer auf das Rad kommen, mit dem ich gerade unterwegs bin. Da diese noch neu sind, werden sie erst im nächsten Jahr im Fahrradlichter-Test präsentiert. Hier ein Resumé der Fahrradlichter von Bookman und Knog, welche jeweils rund ein Jahr im Einsatz waren.

Fahrradlichter-Test: Bookman – CURVE Front Light

Fahrradlicht Test (c)BOOKMAN_

Foto © BOOKMAN

Das wiederaufladbare Fahrradlicht CURVE Front Light von Bookman zeichnet sich durch eine einfache Montage-Technik aus, es ist wasserdicht und hat einen weitreichenden Radius durch sein gewölbtes Design. Ich habe das Fahrradlicht des schwedischen Start-ups Bookman seit rund einem Jahr durchgehend (ungefähr 4x wöchentlich am Abend) im Einsatz. Zwischenzeitlich hatte es den Anschein, als hätte das Licht den Geist aufgegeben, da es eines Tages sehr heiß wurde und sich der Akku schneller als sonst entladen hatte. Doch mit dem nächsten Mal Aufladen war das vergangen und seitdem funktioniert es wieder einwandfrei. Die Leuchtkraft scheint sich nicht sonderbar verändert zu haben. Auch nach einem Jahr leuchtet es mir mit max. 80 Lumen und vier verschiedenen Modi den Weg. Mittlerweile gibt es eine neue Version, das CURVE Front und Rear Light 2. Diese haben eine noch stärkere Leuchtkraft (max. 100 Lumen).

Was mir besonders gut an diesem Fahrradlicht gefällt, ist der Schließmechanismus. Ein breites und robustes Silikonband wird um den Fahrradlenker gelegt und an der Oberseite des Fahrradlichts eingehängt. Während der Fahrt sitzt es stabil am Lenker. Vor allem in den Wintermonaten hat mich der Schließmechanismus überzeugt, da die Anbringung so simpel ist, dass sich das Licht mit Handschuhen befestigen und anschalten lässt. Manchmal hat es sich jedoch in meiner Tasche tagsüber entladen, da sich das Licht mit nur wenig Druck auf den Einschaltknopf anschaltet. Da dieses Nutzerproblem jedoch sehr spezifisch für Menschen mit unübersehbaren Taschen ist, sollte es kein größeres Problem darstellen. In der Beschreibung der 2. Generation des CURVE steht, dass der Knopf 0,7 Sekunden gehalten werden muss. Das ist zwar nicht sehr lange, aber vielleicht reicht es aus, damit es sich nicht von alleine in der Tasche anschaltet. Kosten: 39€

Fahrradlichter-Test: Knog – Blinder Mob

Blinder Fahrradlicht (c) Knog_

Foto © Knog

Der Knog Blinder weist ähnliche Eigenschaften auf wie das Fahrradlicht von Bookman. Er hat eine Leuchtkraft von maximal 80 Lumen, ist wasserfest und wiederaufladbar. Kleine Unterschiede gibt es in der Form des Lichtkegels, beim Schließmechanismus und beim Anschalten. Aufgrund des zentrierten Lichtkegels wirkt die Leuchtkraft des Blinders stärker als die von Bookman. Fixieren lässt sich das Fahrradlicht ebenfalls durch einen Einhänge-Mechanismus. Dieser funktioniert sehr gut und geht ganz schnell. Mit Handschuhen ist es mir jedoch nicht gelungen, das Knog-Licht zu montieren, dafür benötigt der Verschluss etwas mehr Feingefühl. Bei dem getesteten Modell war der Verschluss aus Alu. In der Zwischenzeit wurde das Material ausgetauscht und besteht nun aus Plastik. Bei einem Kollegen ist der Gummi gerissen und nach 13 Monaten hat das Fahrradlicht versagt (ebenso wie der getestete Blinder). Dank der Gewährleistung wurde ihm ein neues zugeschickt. Ein Plus war, dass sich das Fahrradlicht tagsüber in meinem Beutel nicht leer-geleuchtet hat, da das Licht erst durch längeres Drücken eingeschaltet wird. Kosten: 48€

Fazit

Beide Fahrradlichter haben sehr gut im Alltag abgeschnitten. Die Fahrradlichter von Bookman und Knog sorgen nicht nur für gute Sicht, sondern helfen dabei sichtbar zu sein. In der Handhabung gibt es kleine Unterschiede, empfehlenswert sind beide Fahrradlichter. Da ich meine Fahrradlichter immer abnehme, wenn ich mein Fahrrad parke, sind die Fahrradlichter von Bookman dank des einfachen Schließmechanismus mein Favorit. Preislich befinden sich die beiden Lichter in einem ähnlichen Segment. Bookman erhält man um 39 Euro und den Knog Blinder um 48 Euro.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben das Team von Bookman und Knog auf der Eurobike kennengelernt und die Fahrradlichter als Testexemplar erhalten. Diese Tatsache beeinflusst jedoch nicht das Testurteil, sondern hat uns ermöglicht Langzeittests durchzuführen.

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

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Kommentare
  • Chris

    Entweder Akkulicht oder Batterielicht? Da fehlt doch noch die Variante, die mit einem Dynamo (am besten Nabendynamo) betrieben wird. Das ist m.E. auf die Dauer am sichersten und jederzeit dabei. Ein Problem bei den Anstecklichtern ist auch, dass der Winkel, in dem das Licht strahlt, nicht fest ist und man so andere Verkehrsteilnehmer blenden kann. Da wird in Zukunft möglicherweise eine standardisierte Halterung helfen, welche die Fahrradhersteller korrekt ausrichten und an die individuelle Lampen angesteckt werden können.

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