Das urbane Fahrradmagazin

Protected Bike Lanes – So machen die neuen Radwege unsere Straßen sicherer

Das Fahrrad ist das perfekte Fahrzeug, um sich im Alltag an der frischen Luft zu bewegen und zügig in Städten unterwegs zu sein. Ein fehlendes Sicherheitsgefühl hält einige trotzdem davon ab, denn das erzeugt Stress. Jedoch kann die Einführung von separaten Radwegen - sogenannte Protected Bike Lanes - das ändern. Mehr Menschen wird es so möglich, das gesunde, leise, umweltfreundliche und entspannte Fahrzeug Fahrrad zu nutzen. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Verkehrssicherheit steigt!

This is an article written by a guest author from the Bike Citizens community (full profile below). If you also want to share your cycling stories, contact us.
Foto © Jurriaan Snikkers / Unsplash

Mehr als ein Drittel der Deutschen will mehr Radfahren. Doch fast die Hälfte fühlt sich im Straßenverkehr nicht sicher. Das betrifft üblicherweise Frauen, Kinder, und ältere Menschen. Bedingt ist das fehlende Sicherheitsgefühl für mehr als zwei Drittel durch die Abwesenheit separater bzw. geschützter Radwege. In Städten lassen 20 Prozent der Befragten das Rad sogar nur wegen des Mangels an geeigneten Radwegen stehen.

 

In Städten lassen 20 Prozent (…) das Rad sogar nur wegen des Mangels an geeigneten Radwegen stehen!

Holzmarkt Berlin Fahrradweg

Es ist Realität: Die erste PBL in Berlin an der Holzmarktstraße wurde eröffnet und fährt sich prima! Foto © April Agentur für den ADFC Berlin

Protected Bike Lanes (PBL) sind ein weltweiter Trend
In nordamerikanischen Städten sind deshalb sogenannte Protected Bike Lanes ein beliebtes und erwiesenermaßen effektives Mittel, um den Radverkehr zu fördern. In New York hat sich so die Zahl der Verletzungen im Radverkehr bei einem stark erhöhten Radfahrvolumen um die Hälfte reduziert.

Pop Up – Protected Bike Lane zum Selbermachen – eine Aktion des ADFC Köln zeigt: So schnell und kostensparend kann ein sicherer Radweg entstehen!

 

Der Zusammenhang zwischen erhöhtem Radverkehr und Sicherheit im Straßenverkehr ist (…) als das Phänomen “Safety in Numbers” bekannt.

Die Sicherheit erhöht sich nicht nur für Menschen auf dem Rad, sondern für alle am Verkehr Teilnehmenden! 

Was sind Protected Bike Lanes (PBL)?
Protected Bike Lanes sind Radwege, die durch vertikale bauliche Elemente vom Auto- und Fußverkehr abgetrennt sind. Beispielsweise können Bordsteine, Pfeiler, oder Blumenkästen als Barrieren fungieren. Durch die räumliche Teilung erhöht sich die tatsächliche und wahrgenommene Sicherheit beim Radfahren, wodurch mehr Menschen zum Radfahren ermuntert werden. Die neuen Radwege dürfen ausschließlich von Menschen auf Fahrrädern, sowie teilweise Rollern und Skateboards benutzt werden. Weiterhin grenzen sie direkt an die Straße an – die Radstrecke im Park ist also per Definition ausgeschlossen.

Die Wahl des Verkehrsmittels richtet sich (…) nach der vorhandenen Infrastruktur! 

Wie unterscheiden sich Protected Bike Lanes von herkömmlicher Radinfrastruktur in Deutschland?
Protected Bike Lanes haben im Vergleich zur existierenden Radinfrastruktur in deutschen Städten auch weitere Vorteile. Im Gegensatz zu Radstreifen, also aufgemalten Radspuren am Fahrbahnrand, beugen Sie Türöffner-Unfällen mit parkenden Autos, dem Befahren von Radwegen, oder falschparkenden Autos auf Radwegen vor. Besonders Letzteres löst viele Sicherheitsbedenken beim Radfahren aus.

Auch gegenüber baulichen Radwegen auf Gehweghöhe gibt es Pluspunkte für Protected Bike Lanes: Die Fahrbahn wird nicht durch Baumwurzeln beeinträchtigt, Errichtung sowie Instandhaltung sind günstiger, und die Breite kann im Bedarfsfall angepasst werden. Eine weitere Fahrbahn begünstigt das Sicherheitsempfinden vieler Bürgerinnen und Bürger beim Radfahren und hat besonders im Hinblick auf Lastenräder großes Potenzial.

Wie können Protected Bike Lanes in Deutschland funktionieren?
Durch den leicht erhöhten Platzbedarf und die eingeschränkte Wirksamkeit an Einfahrten eignen sich Protected Bike Lanes nicht auf allen Stadtstraßen. Nichtsdestotrotz sind sie vielerorts eine sinnvolle Ergänzung des Radwegenetzwerks. Vor allem an Hauptstraßen mit viel Verkehr und hohen Geschwindigkeiten können sie sehr wirkungsvoll sein.

Protected Bike Lanes sind also ein angebrachtes Mittel, um mehr Menschen jeden Alters und aller Fähigkeiten aufs Rad zu bringen und somit unsere Städte gesünder, sicherer und staufreier für alle Stadtbewohner und Stadtbewohnerinnen zu machen. Und nun?

Einfach mal machen!
Die Wahl des Verkehrsmittels richtet sich schließlich nach der vorhandenen Infrastruktur, wie es das Prinzip des induzierten Verkehrs besagt. Da die Umgestaltung des öffentlichen Raums aber häufig mit Veränderungsangst einhergeht, können Pilotprojekte von Nutzen sein, um die neue Infrastruktur in Deutschland zu etablieren.

Durch die einfache, schnelle und flexible Bauweise eignen sich Protected Bike Lanes hervorragend dafür. Das hat zum Beispiel die Popup Protected Bike Lane in Köln im Herbst 2017 (Video oben) bewiesen. So würden wir unsere Kinder doch lieber auf dem Rad in die Schule schicken und nicht selbst zum gefährlichen Eltern-Auto-Stau beitragen.

Über die Autorin
Verena EngelVerena Engel hat ein Jahr in Vancouver, British Columbia / Kanada gelebt, um dort die nachhaltige Stadtplanung vor Ort zu erleben und über Protected Bike Lanes (PBL) im Rahmen ihrer Masterarbeit zu recherchieren. Die gesammelten Erfahrungswerte will sie nun nutzen, um auch deutsche Straßen noch schöner, sicherer und nachhaltiger zu machen. Die Masterarbeit gibt es hier, die Studie (english) hier nachzulesen.

This is an article written by a guest author from the Bike Citizens community (full profile below). If you also want to share your cycling stories, contact us.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern