Das urbane Fahrradmagazin

Ein Radnetz aus Big Data: Wie Digitalisierung und Bürgerbeteiligung in der Steiermark das Radwegenetz der Zukunft erschaffen

Das Land Steiermark verfolgt die Vision einer fahrradfreundlichen Region. Die Radverkehrsstrategie des Landes Steiermark hilft dabei, die dem zugrunde liegenden Ziele zu erreichen. Hier fügt sich auch die Radnetzstudie ein, die 2019 ausgearbeitet wird. Sie soll sicherstellen, dass die Radinfrastruktur grenzüberschreitend gedacht wird. Auch du kannst künftig einen Beitrag zu besseren Radverkehrsstrategien leisten.

Simone Feigl
Growing up in a household without owing a private car, Simone soon became an all-weather-cyclist. As Communications and Project Manager she shares her passion for cycling with the Bike Citizens community and with customers.
Photo © Bike Citizens / Marion Luttenberger
BREAKING (18.9. 2019): Die Radnetzstudie des steirischen Kernballungsraums wurde mit dem VCÖ-Mobilitätspreis ausgezeichnet!
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Die Stadt für Menschen: Ein Gedankenexperiment
Stell dir vor, in deiner Stadt wachsen Bäume. Da, wo bis vor kurzem Leitlinien auf der Fahrbahnmitte markiert waren. Beim Radfahren atmest du tief ein – herrlich frische, saubere Luft. Mitten in der Stadt. Auf deinem Weg zu Freunden siehst du Kinder spielen – auf Flächen, die vorher parkenden Autos vorbehalten waren. Grünoasen und Gärten reihen sich an die Spielplätze – und ein kleiner Fitness-Parkour. Du freust dich jetzt schon auf den Rückweg – vorbei an der Ringelblumenwiese.

Moment mal! Dein Traum vom Leben in der Stadt macht an der Stadtgrenze halt. Die Qualität deines Radwegs lässt ab da zu wünschen übrig. Wie kann das sein. Und: Wie kann das verhindert werden?

Murgasse in Graz © Thomas Q / Unsplash

 

“Die Radnetzstudie ist ein strategischer Baustein, um den Radverkehr im steirischen Kernballungsraum weiter zu attraktivieren.” 

DI Dr. Peter Sturm, Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abt. 16 – Verkehr und Landeshochbau

Wo fängt das Radnetz an? Wo hört es auf?
Machen wir einen Sprung vom Gedankenexperiment weg hin zum grünen Herzen Österreichs: die Steiermark. In manchen Gemeinden hat der Radwegeausbau einen höheren Stellenwert als in der Nachbargemeinde. Das Resultat: Mehrere Radwege(netze), die die Bedürfnisse des Radverkehrs, wie durchgehende Radverbindungen, nicht abdecken können.

Die Radnetzstudie des steirischen Kernballungsraums, die Teil der Radverkehrsstrategie 2025 des Landes Steiermark ist, möchte dem etwas entgegensetzen: Um den Mobilitätsbedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden, braucht es ein durchgängiges, gut ausgebautes Radwegenetz über Grenzen hinweg.

Hier setzt die Radnetzstudie an: Sie hat zum Ziel, eine Planungsgrundlage für ein (gemeinde-)grenzüberschreitendes gut ausgebautes Radwegenetz zu schaffen. Zudem soll sie als Basis für finanzielle Förderungen von Radinfrastrukturprojekten dienen. “Die Radnetzstudie ist ein strategischer Baustein, um den Radverkehr im steirischen Kernballungsraum weiter zu attraktivieren.”, so DI Dr. Peter Sturm vom Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung 16 -Verkehr und Landeshochbau, über das Projekt.

Graz Steiermark Radnetz

Die Radnetzstudie ist die Grundlage für ein gut ausgebautes Radwegenetz © Josh Hild

Graz Radnetzstudie Radverkehrsplan

Radwege müssen gut vernetzt und verbunden sein – über die Stadtgrenze hinaus © Bike Citizens / Marion Luttenberger

 

TU Graz Bike Citizens Radnetzstudie Steiermark

Das ISV, TU Graz und PLANUM sind Projektpartner © Bike Citizens / Simone Feigl

 

Land Steiermark als Vorreiter in der Radverkehrs-Digitalisierung
Im Zuge der Radnetzstudie soll auf Basis von GPS-Radverkehrsdaten ein strategisches Radwegenetz entwickelt und zusätzlich Aussagen darüber geliefert werden, wo und wie viele Radabstellanlagen notwendig sind.

Gemeinsam mit den Verkehrsplanungsunternehmen PLANUM Fallast Tischler & Partner GmbH und dem ISV – Institut für Straßen- und Verkehrswesen  der Technischen Universität Graz arbeitet Bike Citizens seit Herbst 2018 für das Land Steiermark am Projekt. Dafür wird der fließende Radverkehr unter die Lupe genommen. Auch der ruhende Radverkehr wird untersucht, um Aussagen darüber treffen zu können, wo in welcher Menge Radabstellanlagen notwendig sein werden.

Der Planungsfokus liegt auf Graz sowie Gemeinden im Süden von Graz, weil vor allem diese Region durch starken Zuzug wächst und dort neue Arbeitsplätze so wie Wohnanlagen entstehen. Die Ergebnisse werden Ende 2019 erwartet.

Grafik: Land Steiermark, Bike Citizens

Was GPS-Radverkehrsdaten können
Als Grundlage verschiedener wissenschaftlicher Studien, wie derzeit bei der Radnetzstudie, ermöglichen GPS-Radverkehrsdaten ein Abbild des digitalisierten Radverkehrs mit höchster Informationsdichte: GPS-Punkte werden im Sekundentakt aufgenommen und liefern neben der Position auch zusammenhängende Informationen wie z. B. Quelle-Ziel-Verbindungen, Routenwahl, Wartezeit oder Durchschnittsgeschwindigkeiten auf Straßensegmentbasis. Aus dem vorhandenen Datenmaterial lassen sich außerdem Abweichungen von kürzester und tatsächlich gefahrener Route und Potentiale für Radinfrastrukturmaßnahmen ableiten.

Durch die jahrelange Kooperation des Land Steiermark mit Bike Citizens, in der die Nutzung der Bike Citizens App beworben wurde und die App vermehrt genutzt wurde (und wird), ist eine umfangreiche Datengrundlage verfügbar. Im Vergleich zu Daten aus Sport-Tracking-Apps sind diese nicht auf den Radsport konzentriert, sondern erfassen Alltagsradfahrten. Ein äußerst relevanter Wegzweck für die Verkehrsplanung, da die Morgenspitzenstunde im Verkehr maßgeblich vom Arbeitspendlerverkehr definiert ist.

Database Styria Bike Citizens

Heatmap Steiermark (2013 bis 2018) © Bike Citizens, Mapbox

Im ersten Schritt wird die GPS-Datengrundlage bereinigt. Dann findet ein Abgleichen mit Zählstellen statt, sowie eine Kalibrierung des Verkehrsmodells der TU Graz.  Dann soll das zukünftige Radverkehrspotential berechnet werden, wenn es ein ideales Radwegenetz mit zusätzlichen Querungen über Bahntrassen oder  die Mur (den Fluss), oder auch zusätzliche Verbindungen zwischen einzelnen Gemeinden im Süden von Graz gibt.

Grenzen überwinden
Um zu verhindern, dass die Traumwelt an der Gemeindegrenze endet, findet ein regelmäßiger Austausch mit Gemeinde- und Stadtvertretern und -vertreterinnen statt, zum Beispiel über Workshops und Präsentationen der Zwischenergebnisse.

Big Data Bike Citizens Radverkehrsdaten

Track’ deine Fahrten – für die Zukunft der Mobilität und eine sichere Radverkehrsinfrastruktur. © Bike Citizens / Marion Luttenberger

Tu’ der Radcommunity etwas Gutes und spende deine Daten! Natürlich im Einklang mit der EU-DSGVO.


Vom Eigennutzen zum Nutzen für alle, oder: Von Angebotsorientierung zu Bedarfsorientierung

Mit der Bike Citizens App haben Radfahrende die Möglichkeit ihre getrackten Radfahr-Daten zu spenden und damit der gesamten Radfahrcommunity etwas Gutes zu tun (immer im Einklang mit der EU-DSGVO). So geht der Nutzen der App weit über den Eigennutzen und die Vorteile, die sie mit sich bringt, hinaus. Persönliche Daten werden zu Big Data und diese dienen einem höheren Wert in Gemeinschaft und Gesellschaft.

Trag auch du dazu bei, dass Kinder bald auf Plätzen spielen, die heute noch Autos vorbehalten sind. Also, am besten gleich die Bike Citizens App herunterladen und Tracks für die Förderung, Planung und Forschung rund um den Radverkehr zur Verfügung stellen. Mit deiner Hilfe ebnen wir den Weg von der angebotsorientierten Planung zur bedarfsorientierten Planung.

Mehr erfahren
Du willst mehr über die unglaublichen Möglichkeiten,
die Big Data für den Radverkehr bereit hält, erfahren?

Schreib eine E-Mail an info@bikecitizens.net oder schau
rein bei: cyclingdata.net

Simone Feigl
Growing up in a household without owing a private car, Simone soon became an all-weather-cyclist. As Communications and Project Manager she shares her passion for cycling with the Bike Citizens community and with customers.

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