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Drittes Kind im Anmarsch: “Radfahren mit Babybauch gehört für mich dazu”

Es sorgt immer wieder für Unsicherheit: Radfahren mit Babybauch – geht das? Na klar! Und wie das geht, das erzählen die Gynäkologin Dr. Hildegard Gerlach und Christina Melms, die mit ihrem dritten Kind im Bauch im Alltag mit dem Rad unterwegs ist.

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Lebt im urbanen Rhein-Main-Gebiet und genießt es, mit ihrem Hollandrad zu Arbeit zu fahren. Monotonie ist nichts für sie und vermeintliche Umwege sind oft die spannenderen und schöneren Wege, die auch zum Ziel führen. In ihrer Freizeit ist sie meist mit dem Rennrad unterwegs; reist ans Meer und in die Berge - ein Rad ist immer dabei, denn ohne geht es bei ihr nicht!
Foto: Jennifer Gliemann

Schwanger Radfahren – warum nicht?

„Ich bin während meinen vorherigen Schwangerschaften immer Rad gefahren“, sagt Christina Melms, die Anfang Juni ihr drittes Kind bekommen wird. Bis in den siebten Monat hinein war es für sie kein Problem, aber irgendwann sei der Bauch etwas im Weg gewesen, es habe gezwickt und gedrückt. Kurze Strecken machten allerdings auch weiterhin keine Schwierigkeiten, erzählt die 30-Jährige.

Bedenken, während der Schwangerschaft Rad zu fahren, hat sie nie gehabt, obwohl sie erst vor wenigen Wochen auf der glatten Fahrbahn ausgerutscht ist. Ihre Gynäkologin konnte sie beruhigen – verletzt wurden weder sie noch ihr Ungeborenes. Seitdem fährt sie zwar vorsichtiger und steigt auf die öffentlichen Verkehrsmittel um, wenn es im Winter zu Glatteiswarnungen kommt. Aber Angst hat sie nicht.

Dr. Hildegard Gerlach, Gynäkologin mit Praxis in Darmstadt, sieht dies genauso. Aus medizinischer Sicht spricht nichts dagegen während der Schwangerschaft Rad zu fahren. Sie selbst sei sogar zu ihrer Entbindung mit dem Fahrrad gefahren. Wichtig ist, dass Frauen auf ihre „innere Stimme, auf ihren Bauch hören“, sagt sie. Bei jeder Schwangeren sei es anders. „Eine kann mehr machen, eine weniger. Der Körper signalisiert es.“

Sport ja, aber kein Extremsport

Von sportlichen Fahrten, auf unebenen, holprigen Wegen, wie es beim Mountainbiken der Fall ist, rät Dr. Gerlach ab. Die Erschütterung sei das Problem, vor allem in den ersten zwölf Wochen, in denen sich das Kind noch einnistet.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Fahren über Kopfsteinpflaster, wie es in Städten häufiger der Fall ist, gefährlich ist. Sich in Watte packen, gar nichts mehr machen und Füße hochlegen, muss nicht sein – während der Schwangerschaft hält man mehr aus, als man denkt, so die Gynäkologin. „Ich habe mich nie geschont“, sagt sie. Man müsse zwar etwas kürzertreten und das Bauchmuskeltraining sein lassen, aber um Bauch und Gewicht könne man sich auch hinterher kümmern. Wer Sport mache, nur um die Figur zu retten oder Krampfadern vorzubeugen, hätte nicht schwanger werden dürfen. Schlussendlich geht es darum, sich gesund zu halten“, erzählt sie. Und die Monate einfach zu genießen, denn „die Schwangerschaft ist eine schöne Zeit.“

Dass Radfahren eine Fehlgeburt auslösen könnte, wie es früher häufiger angenommen wurde und manchmal noch geläufig ist, verwundert die Ärztin.

Bewegung ist gesund

Als Christina Melms zum ersten Mal schwanger war, fragte sie ihre Gynäkologin und ihre Hebamme, ob sie Radfahren könne und bekam nur positive Rückmeldungen. Ihre Hebamme sei ohnehin auch immer mit dem Rad unterwegs. Christina Melms ist froh, mit dem Rad zu Arbeit zu fahren, mache es zehnmal lieber als mit dem Auto oder der Bahn. „Es ist zweckmäßig und ich fahre überall mit hin.“ Das hatte sie auch mit ihren Kindern gemacht – inzwischen drei und fünf Jahre alt – als diese noch nicht selbst Radfahren konnten. Da saßen sie vorne im Lastenrad. Für die junge Mutter gibt es keinen Zweifel: „Bewegung ist gesund“ – auch während der Schwangerschaft denn: „Bewegung schadet dem Kind ganz sicher nicht!“

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Lebt im urbanen Rhein-Main-Gebiet und genießt es, mit ihrem Hollandrad zu Arbeit zu fahren. Monotonie ist nichts für sie und vermeintliche Umwege sind oft die spannenderen und schöneren Wege, die auch zum Ziel führen. In ihrer Freizeit ist sie meist mit dem Rennrad unterwegs; reist ans Meer und in die Berge - ein Rad ist immer dabei, denn ohne geht es bei ihr nicht!

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