Das urbane Fahrradmagazin

Radfahren im Regen? Mit der passenden Regenbekleidung kein Problem!

Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, Radfahren kann man das ganze Jahr. Auch, wenn einige Wetterverhältnisse die Freude am Radeln etwas einschränken, sind sie nur selten ein wirkliches Hindernis. Zumindest physisch. Trotzdem hält das frische Nass von oben einige Menschen davon ab, mit dem Fahrrad zu fahren – oft aufgrund fehlender Motivation und dem Mangel an passender Kleidung. Doch Radfahren kann auch bei Regen Spaß machen und dabei hilft die richtige Ausrüstung und Regenbekleidung!

Juliane Schuhmacher
1987 in Berlin geboren, radelt sie seit Jahren durch die deutsche Hauptstadt und über deren Grenzen hinaus. Mit chronischem Fernweh, lässt sie sich keine Gelegenheit entgehen, unterwegs zu sein. Auf dem Blog radelmaedchen.de schreibt sie nicht nur über die Erlebnisse einer Großstadtradlerin und ihre Reisen, sondern auch über Fahrradbekleidung. Das Thema ihrer Masterarbeit im Modesdesign: Radelmädchen – Urbane Mode für Frauen mit und ohne Fahrrad.
Foto: Juliane Schumacher

Die Auswahl an praktischer und gut aussehender Regenbekleidung wird immer größer. Das Beste ist: man benötigt keinen Kleiderschrank gefüllt mit Funktionsbekleidung, um für jedes Wetter gerüstet zu sein. Ein paar Basics reichen völlig. Dabei ist die wichtigste Eigenschaft die Dichtheit des Materials, die funktionelle und hochwertige Regenbekleidung auszeichnet.

Ab wann ist Kleidung wasserabweisend oder wasserdicht?

Darin besteht abhängig von der Beanspruchung des Materials und der Kleidung ein deutlicher Unterschied. Die Wasserdurchlässigkeit wird mit Angabe der Wassersäule standardmäßig in Millimetern ausgewiesen und beschreibt, wie viel Wasserdruck das Material aushält, bevor das Wasser von außen hindurch tritt. Dies wird im Labor in Form eines mit Wasser gefüllten Zylinders getestet. Bereits ab 800 bzw. 1.300 Millimetern gilt ein Material laut EN-Norm als wasserdicht. Alles darunter wird als wasserabweisend bezeichnet werden und hält nur geringfügig Feuchtigkeit ab.
Bei stark genutzter Kleidung wie zum Beispiel einer Regenhose kann das nicht ausreichend sein, da sie schon beim Hinsetzen einem Wasserdruck von 2.000 mm Wassersäule ausgesetzt ist. Die meisten hochwertigen Outdoorprodukte verfügen mit 10.000 mm über eine deutlich höhere Wassersäule.
Funktionskleidung wird durch die verarbeiteten Membranen, wie zum Beispiel Sympatex® oder GoreTex® und verschiedene Arten von Beschichtungen wasserdicht und bestenfalls atmungsaktiv. Meist sind die Stoffe zusätzlich mit einem DWR (Durable Water Repellent) imprägniert, um ein klammes Tragegefühl zu vermeiden. Wasser perlt dadurch einfach von der Oberfläche des Materials ab. Während diese DWR vor ein paar Jahren fast ausschließlich aus bedenklichen und schwer abbaubaren Stoffen bestanden, gibt es heute umweltfreundlichere Alternativen, wie das BIONIC FINISH®ECO.

Dicht – von innen und außen?

Um Plastiktütenatmosphäre zu vermeiden, lohnt es sich auf jeden Fall zu schauen, wie atmungsaktiv das Kleidungsstück ist. Das ist mindestens genauso wichtig, wie die Dichtheit. Denn so sehr wie gewünscht ist, dass keine Feuchtigkeit von außen nach innen dringt, soll trotzdem die Körperfeuchtigkeit nach außen entweichen können. Besonders bei starker Aktivität und hoher Luftfeuchtigkeit sollte die Regenbekleidung durchlässig für Wasserdampf sein. Deshalb ist zu beachten, was man unter der Jacke trägt. Baumwollkleidung ist eher zu vermeiden, da sie zwar Feuchtigkeit gut aufnimmt, aber im Gegensatz zur hochwertigen Synthesefaser oder Merinowolle nur schwer wieder abgibt. Das Resultat: Man ist trotz Regenkleidung nass. Der Atmungsaktivität sind jedoch Grenzen gesetzt. Ab einem bestimmten Punkt von Luftfeuchtigkeit außen und Schwitzen innen kann auch die stärkste Membran keinen Ausgleich mehr schaffen.

Welche Regenkleidung ist denn nun aber nützlich fürs Radfahren? Der wichtigste Teil ist definitiv die Oberbekleidung, die dem Regen am stärksten ausgesetzt ist.

After the rain

Klitschnass nach dem Regen – jedoch nur von außen. Die Regenjacke hält dicht.

Regenjacke vs. Regenponcho

Die Regenjacke und der Poncho sind die Nummer eins der Regenbekleidung und können Radfahrende über einige Regengüsse hinweg helfen. Die Auswahl ist groß, doch es gibt ein paar Punkte zu beachten, wenn man etwas Passendes finden möchte! Bei einem Kleidungsstück, das zu einem bestimmten Anlass getragen und nur nach Bedarf herausgeholt wird, spielen das Packmaß und das Gewicht ebenso eine wichtige Rolle, wie die Dichtheit des Materials. Oft lässt sich Regenbekleidung sehr klein zusammenfalten und so leicht mit sich führen.

Poncho oder Jacke sollten in jeden Fall über eine gute, individuell einstellbare Kapuze verfügen, die den Blick nicht zu stark einschränkt. Nicht nur Brillenträger freuen sich außerdem über einen stabilen Kapuzenschirm. Falls dieser nicht vorhanden oder zu klein ist, hilft eine zusätzliche Kappe mit großem Schirm, um das Gesicht und die Augenpartie trocken zu halten. Praktisch sind dichte Taschen für schnell erreichbare Kleinigkeiten und reflektierende Details, um besser gesehen zu werden. Die Sicht ist besonders bei starkem Regen schnell eingeschränkt. Ein verstärkter Schulterbereich mit verlegten Nähten erhöht den Regenschutz, da diese Stellen stärker beansprucht werden. Die Nähte sollten zusätzlich mit Naht-Tape gesichert sein.

Doch passt nun die Regenjacke besser zu den eigenen Bedürfnissen oder doch eher der Poncho?

Die Regenjacke

Für die Nutzung einer Regenjacke spricht unter anderem ihre Flexibilität. Eine speziell fürs Radfahren konzipierte Jacke ermöglicht meistens eine deutlich höhere Bewegungsfreiheit als normale Regenjacken. Das Design ist auf Radfahrende abgestimmt und ein zu weiter Schnitt, der die Aerodynamik einschränkt, wird vermieden. Hilfreich ist ein verlängertes Rückenteil, damit auch bei einer gestreckten Sitzposition auf dem Fahrrad der komplette Rücken und das Gesäß abgedeckt sind. Der Reißverschluss sollte abgedichtet oder mit einem Beleg verdeckt sein. Die Regenjacke ist in dem meisten Fällen eine reine Oberbekleidung, sodass bei besonders starkem Regen ein zusätzlicher Beinschutz notwendig werden kann.

Regenjacken variieren stark im Preis. Dieser liegt bei etwa 15 Euro für eine Jacke vom Discounter und kann für ein Markenprodukt mehrere hundert Euro betragen. Eine Regenjacke, die auf langen Touren mit möglicherweise tagelangem Regen genutzt wird, muss anderen Ansprüchen genügen, als ein Produkt, das nur dem nächsten, kurzen Schauer in der Stadt standhalten soll. Nicht jeder benötigt eine 400 € Hightech – Funktionsjacke, die alles kann. Doch je nach Nutzungshäufigkeit und Einsatzzweck lohnt sich die Anschaffung eines qualitativ guten Markenproduktes mit langer Haltbarkeit und aus hochwertigen Materialien.

Regenjacken für verschiedene Ansprüche gibt es zum Beispiel beim deutschen Label VAUDE mit Schwerpunkt auf nachhaltigen Outdoorprodukten oder besonders modisch und gleichzeitig funktional beim englischen Label Vulpine.

Der Regenponcho

Er ist ein Allrounder und die Auswahl ist groß: Vom dünnen Plastiksack für wenige Euro, der leichten, kurzen Wolkenbrüchen standhält bis hin zum modischen und praktischen Regenschutz mit hoher Wassersäule und Wasserdampfdurchlässigkeit. Der Vorteil des Ponchos ist sein weitreichender Regenschutz. Er schützt nicht nur den Oberkörper, sondern gleichzeitig auch die Beine vor Regen. Das erübrigt meistens das Tragen einer Regenhose. Somit hat man nur ein Teil dabei, was Gewicht und Packmenge in der Tasche reduzieren kann. Manche Ponchos lassen sich in der Weite einstellen oder mit Bändern am Lenker befestigen, um ein Wegfliegen zu verhindern. Die Länge variiert von oberkörper- bis knielang.

Der Nachteil ist die große Fläche, die dem Wetter trotzen muss. Besonders bei starkem Wind wird die Radfahrt schnell anstrengend, weil der Stoff des Regenponchos dem Wind viel Widerstandsfläche bietet. Der Poncho eignet sich daher besser für Radfahrende in der Stadt und für kurze Ausflüge. Farbenfrohe Ponchos gibt es zum Beispiel bei Otto London oder schick für die Stadtradlerin bei chance of rain.

Die Regenhose und Gamaschen

Sie sind die perfekte Ergänzung für ein Regenoutfit und müssen schon lang nicht mehr eine raschelnde Kunstfaserhölle sein. Es gibt Hosen im Chino-Style, die wasserabweisend imprägniert sind, wie die der Bike-to-work-Collection von betabrand oder die robuste Allroundhose, die man selbst noch durch den Einsatz von Wachs behandeln und wasserfester machen kann, wie beispielsweise die Hosen von Fjällräven. Das sind erstens gut aussehende Lösungen für kleine Regeneinbrüche in der Stadt, zweitens praktische Produkte, die optisch auf dem Rad und im Alltag funktionieren. Die klassische Regenhose zum Radfahren ist meist zum Überziehen über die normale Alltagshose. Damit man schnell in die Regenkleidung kommt und sich gut bewegen kann, sind Regenhosen meist weiter geschnitten und verfügen über Reißverschlüsse oder Druckknöpfe an den Seiten. Über Klettverschlüsse lässt sich die Beinweite etwas regulieren.

Wenn man noch flexibler reagieren möchte, dann sind die Rain legs eine gute Option. Diese Beinschützer werden mithilfe von Riemen und Klettverschluss um die Oberschenkel gebunden.

Als Ergänzung zur Regenhose bieten sich wasserdichte Gamaschen an. Man kann sie einfach über den Radschuh oder Sneaker stülpen und mit Klettverschluss befestigen. Das geht schnell und ist effektiv. Oder man greift gleich zu wasserdichten Schuhen!

Fazit

Die Auswahl an Regenbekleidung ist sehr groß und ob man eine Regenjacke oder den Regenponcho bevorzugt, ist im Grunde Geschmackssache. Daher ist es wichtig, sich vorher zu überlegen, für welchen Einsatzzweck die Regenkleidung genutzt werden soll und was man wirklich benötigt! Das spart nicht nur Geld, sondern ist womöglich umweltfreundlicher, da sich viele Funktionsmaterialien nur schwer entsorgen lassen. Das Thema Umweltverträglichkeit und Funktionskleidung wird in der Outdoorbranche immer wichtiger. Einige Firmen, wie VAUDE oder Patagonia produzieren zum Beispiel Kleidung, die teilweise aus recycelten Materialien besteht.

Am besten ist es, die Sachen genau anzuschauen, anzuprobieren, sich darin zu bewegen und zu schauen, wie sich das Teil getragen anfühlt.

Fünf Gründe, weshalb das Radfahren im Regen sogar richtig Spaß macht, kann man auf radelmaedchen.de nachlesen.

Juliane Schuhmacher
1987 in Berlin geboren, radelt sie seit Jahren durch die deutsche Hauptstadt und über deren Grenzen hinaus. Mit chronischem Fernweh, lässt sie sich keine Gelegenheit entgehen, unterwegs zu sein. Auf dem Blog radelmaedchen.de schreibt sie nicht nur über die Erlebnisse einer Großstadtradlerin und ihre Reisen, sondern auch über Fahrradbekleidung. Das Thema ihrer Masterarbeit im Modesdesign: Radelmädchen – Urbane Mode für Frauen mit und ohne Fahrrad.

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