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Radfahren auf dem Gehweg: verboten, aber trotzdem beliebt

Mit dem Fahrrad auf dem Gehsteig zu fahren, ist verboten. Und dennoch wird der Gehweg auch auf zwei Rädern gerne verwendet. Warum ist das so? Wir haben uns auf den Straßen der steirischen Landeshauptstadt Graz umgehört.

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.

Die Straßenverkehrsordnung sagt klipp und klar: Das Radfahren ist auf Gehsteigen in der Längsrichtung untersagt. Man darf den für Fußgänger vorgesehenen Bereich somit nur auf den dafür vorgesehenen Stellen überqueren. Befährt man mit dem Rad den Gehweg aber in Längsrichtung, dann bedeutet dies, sich „über die Interessen der schwächsten Verkehrsteilnehmer überhaupt hinwegzusetzen“ (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie). Ein Vergehen wird von der Exekutive auch geahndet. In der Steiermark beträgt der per Organmandat fällige Strafbetrag etwa 10 Euro, in Wien gar 30 Euro.

Es gibt nur eine einzige Ausnahme – und die bilden Kinder. Denn ein Kinder-Fahrrad gilt bis zu einem Felgendurchmesser von zwölf Zoll (30 Zentimeter) als Spielgerät und darf daher auf dem Gehsteig benutzt werden. Ansonsten muss man absteigen und das Rad schieben. Dann gilt man formal als Fußgänger.

Aber warum kommt es überhaupt dazu, dass Radfahrer trotz Verbot auf den Gehweg ausweichen? Wir haben uns in Graz umgehört und Radfahrer gefragt, ob sie auch hin und wieder den Gehsteig verwenden:

Umfrage:

Anonym, 23, Graz: In der Münzgrabenstraße staut es sich oft. In so einem Fall nehme ich den Gehsteig, um schneller voranzukommen.

Theresa, 24, Graz: Ich fahre nur in Ausnahmefällen auf Gehsteigen, zum Beispiel zur Zeitersparnis, wenn eine Straße eine Einbahn ohne Radweg ist und ich keinen Umweg fahren will. Ich mache das aber nur ungern und gebe Fußgängern stets Vorrang.

Gerald, 23, Graz-Umgebung: Wenn die Straße blockiert ist, sei es ein Stau oder eine Baustelle, dann weiche ich auf den Gehsteig aus.

Nora, 21, Leibnitz: Ich fahre nur dort auf Gehsteigen, wo es keinen Radweg gibt und wenn dichter Verkehr herrscht. Dort würde ich mich als Radfahrer unsicher fühlen.

Johannes, 32, Graz: Grundsätzlich vermeide ich es, auf Gehsteigen zu fahren. Ich nütze ihn nur, wenn der Umweg über die Straße absolut unsinnig ist oder ich mich dadurch sinnlos in Gefahr begebe.

Angela, 20, Graz: Ich fahre nur auf Gehsteigen, wenn ich mich auf der Straße unsicher fühle und sehe, dass dort keine Fußgänger gehen.

Ingo, 43, Graz: Ich halte mich grundsätzlich an Verkehrsregeln. Nur bei Baustellen, an denen abrupt Radwege enden, weiche ich auf Wege aus, die nicht für Radfahrer vorgesehen sind.

Die Stadt Graz bemüht sich, Radfahrenden ein sicheres Verkehrsnetz anzubieten. Es gibt 13 Hauptrouten, die quer durch die Stadt ein sicheres Weiterkommen garantieren sollen. Erst vor kurzem wurde beispielsweise der Fuß- und Radweg in der Wickenburggasse breiter gemacht. Zu Stoßzeiten lassen sich an gewissen Stellen dichter Verkehr und Wartezeiten jedoch nicht vermeiden, das Sicherheitsgefühl der Radfahrer sinkt.

Aus der Umfrage geht hervor: Obwohl ein klares Verbot herrscht, weicht man auf zwei Rädern auch ab und zu auf den Gehweg aus. Einige der Befragten gaben an, sich in Graz als Radfahrer grundsätzlich wohl zu fühlen – dennoch wird klar: (Un)Sicherheit, Zeitersparnis oder Mangel eines Radweges sind für viele Gründe, sich über die Straßenverkehrsordnung hinwegzusetzen und auf den Gehweg auszuweichen.

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.

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Kommentare
  • anonym

    Also hier in Dresden ist das echt blöd. Auf der Enderstraße dürfen Radfahrer fahren. Aber die meisten fahren schon auf der Hepkestraße Richtung Enderstraße auf dem Fußweg. Ich finde das nicht richtig aber leider ist man gegen die Radfahrer machtlos. Neulich musste ich mich von einer Mutter sogar angehen lassen. Sie fuhr mit Ihrem Kind (angeblich unter 11 Jahre) und Hund auf dem Fußweg. Während ich mit meinem Kind im Kinderwagen auf dem Geweg lief.

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