Das urbane Fahrradmagazin

Rad und Hund: Wie der Hundetransport auf und mit dem Fahrrad klappt

Viele Radfahrende mit Hund (oder Hundewunsch) fragen sich: Wie lernt mein Vierbeiner neben meinem Rad zu laufen und in Körbchen, Cargobike oder Fahrradanhänger mitzufahren? Wie bringe ich meine Bedürfnisse und die Bedürfnisse meines Vierbeiners beim Radfahren in Einklang? Expertin Nicole Mimietz von der Gassizentrale - einem Gassiservice auf und mit dem Lastenrad - im Gespräch mit Bike Citizens.

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Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.
Foto © Gassizentrale

Eine Radtour ist für die meisten Hunde und ihre Herrchen und Frauchen eine perfekte Beschäftigung und eignet sich hervorragend zum Ausgleich für alle. Denn wie beim Menschen ist die Bewegung an frischer Luft gut für Körper und Geist.

Ein wildes Hunderudel legt sogar täglich viele Kilometer zurück!

Viele Radfahrende mit Hund (oder Hundewunsch) fragen sich: Wie lernt mein Vierbeiner neben meinem Rad zu laufen und in Körbchen, Cargobike oder Fahrradanhänger mitzufahren? Wie bringe ich meine Bedürfnisse und die Bedürfnisse meines Vierbeiners beim Radfahren in Einklang? Und kann ich mit meinem Hund auch eine mehrtägige oder längere Radtour machen?

Nicole Mimietz ist Profi in Sachen Hund und Hundetransport auf und nebst dem Rad. Seit 2013 leitet sie leidenschaftlich und zuverlässig die Gassizentrale – einen Gassiservice für Nürnberg und Umgebung. Bei ausgiebigen Touren in großen sozialen Hundegruppen setzt sie aufs Lastenfahrrad.

Die Basics: Wissenswertes über Hunde

 

Bike Citizens: Nicole, du leitest die Gassizentrale in Nürnberg und bist zu jeder Jahreszeit mit den Vierbeinern auf und mit dem Lastenrad unterwegs. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Nicole Mimietz: Am Morgen sammeln wir „unsere Vierbeiner“ zuhause, im Büro oder an vereinbarten Treffpunkten ein. Dann geht es auf abwechslungsreichen Wegen zu verschieden Hundewiesen. Dabei laufen die Hunde gemütlich neben dem Rad her oder lassen sich entspannt chauffieren. Nach ganz viel Spaß im Freilauf radeln wir mittags zurück und die Hunde freuen sich über einen gemütlichen Abend auf dem Sofa mit ihren Familien.

Wie sieht das Bewegungsbedürfnis von Hunden aus?
Unserer Erfahrung nach variiert das Bewegungsbedürfnis des Hundes je nach Größe, Alter und Rasse. Aber allen Hunden gemein ist, dass ihnen Bewegung in der Natur Freude macht. Außerdem ist gleichmäßige, ausdauernde Bewegung von etwa einer halben Stunde pro Tag, wichtig für die Gesunderhaltung des Bewegungsapparates, des Herz-Kreislauf-Systems und zum Stressabbau. Das Rad eignet sich super dafür!

Welche Hunderasse bewegt sich wieviele Kilometer pro Tag?
Ein erwachsener, mittelgroßer, gesunder Familienhund wie Terrier, Beagle, oder Labrador sind problemlos dazu in der Lage 10 km pro Tag zu laufen. Sehr kleine Hunde laufen etwa 5 km. Arbeitshunde wie Hütehunde, ausdauernde Jagdhunde, Schutzhunde brauchen täglich etwa 20 km Begegnung oder viele Aufgaben um entspannte Familienmitglieder zu sein.

Hund Lastenrad

Sieben auf einen Streich! Foto © Gassizentrale

Welche Hunde haben am meisten Bewegunsdrang?
Schlittenhunde wie dem Husky liegt das Laufen im Blut. Um zufrieden zu sein, müssen sie regelmäßig sehr lange Strecken – jenseits der 20 km – zurücklegen. Sie erreichen dabei ein hohes Tempo.

Gibt es Hunderassen, die nicht so gut geeignet sind als Rad-Begleithunde?
Sehr großen Rassen wie Bernhardiner oder kurznasige Rassen wie Bulldoggen sind nicht als Rad-Begleithunde geeignet. Sie müssen und wollen sich auch bewegen und schöne Ausflüge genießen, aber schon ab 20 Grad muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie sich abkühlen können. Außerdem überlastet langes Traben ihre Gelenke.

Gibt es ein absolutes No-Go?
Klar – sogar mehrere! Erstens: Den Hund nie hinterher ziehen – egal ob beim Radfahren oder zu Fuß. Zweitens: Hab immer ausreichend Wasser für deinen Hund dabei. Drittens: Nach der Fütterung mindestens eine Stunde kein Sport für den Hund.

Auf welche Zeichen muss ich achten: Was bedeutet es, wenn mein Hund neben dem Rad zu hecheln oder im Lastenrad oder Anhänger zu sabbern beginnt?
Hecheln ist normal. Das ist wie Schwitzen beim Mensch. Aber die Atmung sollte entspannt, ohne röchelnde oder hustende Geräusche sein. Sabbern wiederum ist Zeichen von Stress oder Überhitzung. Schau’ nach, was deinem Hund fehlt!

Gassigehen: Unterwegs mit Rad und Hund

 

Was müssen Hundebesitzer und -besitzerinnen ganz generell beachten, damit die Radtour mit dem Hund ein freudiges Erlebnis wird?
Ganz kurz: Gute Fitness des Hundes, richtige Ausrüstung für den Menschen, die optimale Gangart für den Hund und Vertrauen.

Ab wann ist ein Hundewelpe bereit für eine längere Radtour und ab wann ist ein Hund zu alt dafür?
Ab etwa einem Jahr sind Gelenke, Sehnen und Muskeln stabil genug für Ausdauer-Sport – meist sind Hunde in dieser Pubertäts-Phase sowieso Energiebündel. Aber auch ältere gesunde Hunde lernen das Laufen am Rad und haben Spaß dabei!

Wann ist Vorsicht geboten?
Vorsicht bei Temperaturen ab 20 Grad – da kann es jedem Hund zu warm für Sport werden.

Welche Ausrüstung braucht der Hund, wenn er neben dem Rad trabt?
Erstens: Ein gut sitzendes Geschirr plus Fahrradhalterung für den Hund, wie zum Beispiel ein Springer. Die Leine nie in der Hand halten, umhängen, am Lenker fest machen. Zweitens: Genug Wasser! Drittens: Für längere Strecken eine Transportmöglichkeit für den Hund.

Hunde transportieren: Lastenrad, Anhänger oder Körbchen? 

 

Wie transportiert man einen Hund auf dem Rad?
Hunde-Fahrradanhänger eignen sich für Hund über 10 Kilogramm. Unter 10 Kilo ist ein Körbchen am Lenker oder Gepäckträger des Rades okay.  Auch ein Lastenrad ist eine tolle Transportmöglichkeit.

Was ist bei dem Transport eines Hundes in Cargobike, Anhänger oder Körbchen zu beachten?
Im Sommer ist es gut den Vierbeiner vor Sonne und Hitze zu schützen. Im Winter vor Zugluft und Kälte. Ein Deckel oder Dach ist hilfreich.

Wie bist du mit „deinen“ Hunden unterwegs? Was kannst du empfehlen?
Für uns hat sich das dreirädrige Lastenrad von der Marke Christiania bewährt. Es bietet Komfort für Mensch und Tier, wie zum Beispiel eine stabile Box für den Hund, eine Zuladungsgrenze von 100 Kilogramm, und Sicherheit – es kann im Stand nicht umfallen. Auch schwer beladen lässt sich das Lastenrad gut fahren. Es ist wendig. Ich kann es sogar einen Bordstein hochheben! Das Rad ist hinsichtlich Hundetransport auf jeden Fall mindestens so gut geeinget wie ein Auto. Der Vorteil: Aufgrund der Transportbox vorne sieht man was die Hunde so treiben!

Was ist der Vorteil eines Lastenrades gegenüber einem Fahrradanhänger?
Manche Hunde haben in einem Anhänger das Gefühl man fahre ohne sie weg. Das mögen manche Hunde nicht.

Was ist der Nachteil beim Lastenrad?
So pauschal lässt sich das nicht sagen. Der Nachteil bei unserem dreirädrigen Lastenrad ohne Elektroantrieb ist, dass wir höchstens 15 km/h schnell fahren können. Da wir mit unseren Hunden nie schneller als 10km/h unterwegs sind, macht das aber auch nichts.

Wie viele Hunde kann man in einem Korb oder Lastenrad gleichzeitig transportieren?
Der Transport mehrerer Hunde aus dem gleichen Haushalt in einem Korb ist möglich. Das sieht man ja auch gut auf meinen Bildern. Aber sie müssen sich sehr gut verstehen und alle ans Mitfahren gewöhnt werden.

Hund transport Fahrrad

Foto © Gassizentrale

Hund neben Fahrrad: Wie gewöhne ich meinen Hund ans Laufen nebst Rad?

 

Kann jeder Hund neben dem Rad herlaufen?
Ja und nein. Das braucht schon Übung! Wie lange die Gewöhnung ans Rad dauert orientiert sich am Hund. Manche fühlen sich schnell wohl. Andere brauchen mehr Zeit für die einzelnen Schritte. Kurze, erfolgreich beendete Übungseinheiten stärken die Bindung!

Was müssen Hundebesitzer und -besitzerinnen vor der ersten Lerneinheit zu beachten?
Das Wichtigste ist, dass der Hund vor jeder Radfahrübung die Gelegenheit zum Lösen hat. Dann fällt das Lernen leichter.

Wie sieht die erste Lerneinheit aus?
Das Rad liegt am Boden oder steht „um-fallsicher“. Dein Hund darf es sich anschauen. Du kannst auch Leckerli drum herum verstreuen. Dann wird der Hund angeleint und das Rad langsam geschoben. Der Hund kann locker an der Leine mitgeführt werden. Zur Not die Leine ganz lang machen! Die ruhige Annäherung ans Rad kannst du belohnen – so lange, bis der Vierbeiner selbstsicher neben dem Rad läuft.

Hundetransport Fahrrad

Foto © Gassizentrale

Wie lernt der Hund, zu kooperieren?
Zuerst fährt man langsam sehr kurze Strecken und ist jederzeit bremsbereit. Genau dann, wenn dein Hund entspannt an lockerer Leine neben dem Rad läuft, halte an und belohn ihn und gib ihm die Gelegenheit zum Schnüffeln oder Geschäfte machen. So lernt dein Hund, dass du ihm das erlaubst, wenn er brav mitgelaufen ist.

Wie lang ist eine „sehr-kurze“ Strecke?
Steigere die Strecke nur langsam. Zum Beispiel machst du in der ersten Woche drei Fünf-Minuten-Einheiten am Tag. Dazwischen wird er genau in einem Moment belohnt, wenn er es super macht und hat dann kurz Freizeit. In der zweiten Woche machst du drei Zehn-Minuten-Einheiten pro Tag. Bei regelmäßigem Training joggt ein gesunder, mittelgroßer Hund bis zu einer Stunde am Stück – und das mehrmals pro Tag – neben dem Rad mit.

Hundetransport per Fahrrad: Wie gewöhne ich meinen Hund ans Sitzen im Lastenrad, Anhänger oder Körbchen?

 

Wie gewöhne ich meinen Hund ans Mitfahren im Lastenrad oder Fahrradanhänger?
Der Transportkorb sollte für deinen Hund ein Ort der Entspannung sein, wie sein bequemes und sicheres Lieblingskörbchen. Zu seiner Sicherheit gurtest du ihn mit Geschirr an. Wichtig ist, dass sich dein Hund als erstes richtig austoben kann. Als müder Hund wird er diesen neuen Platz mit Entspannung verbinden.

Wie kommt der Hund ins Lastenrad?
Wenn es geht, sollte er selbstständig ein- und aussteigen. Das fördert das Selbstbewusstsein. Dabei kannst du Kommandos wie “rein” und “raus” benutzen. Leckerli helfen! Für ältere Hunde ist es gut eine Rampe als Einstiegshilfe zu haben. Zur Not kannst du den Hund auch heben.

Wie lernt der Hund, dass er während der Fahrt nicht rausspringen darf?
Erst wenn dein Hund das Ein- und Aussteigen entspannt macht ist der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt: Lass seinen Hund einsteigen und sag „Bleib“. Jetzt darf er nicht mehr einfach rausgehen, entweder er hört und wird belohnt oder ihr versperrt den Weg. Sollte er doch raushuschen, einfach wieder reinführen. Dein Hund bleibt solange drin bis er sich entspannt. Wenn er sich hinsetzt oder legt ist das ein gutes Zeichen – erst dann darf er wieder auf Kommando „raus“. So lernt er, dass er nicht selbst entscheiden darf, wann er raus hüpft.

Die erste Radtour: Wann? Wie? Was beachten?

 

Und wann geht es dann auf Radtour?
Wenn das Mitlaufen am Rad und das Mitfahren im Körbchen einwandfrei klappen, geht’s auf die erste Tour. Das ist ganz individuell und von Hund zu Hund verschieden.

Wie läuft die erste Tour ab?
Geh mit deinem Hund solange spazieren oder radeln bis er richtig ausgetobt ist. Lass deinen Hund dann auf Kommando einsteigen und schieb’ dein Fahrrad für ein paar Meter. Wenn dein Hund ruhig ist, belohn ihn. Wenn er ruhig sitzt, kannst du langsam losradeln. Bleibt dein Hund immer noch ruhig, steig’ ab und belohn ihn!

Warum sind so viele kleine Schritte nötig?
Wenn man das so kleinschrittig übt, wird der Hund sich immer sehr wohl in dem Anhänger fühlen und er wird sich sogar ohne vorheriges Austoben transportieren lassen – das ist wichtig, wenn man mal schnell irgendwo hin radeln möchte und keine Zeit da ist für ausgelassenes Toben und Rennen vorab.

Wie kann eine Radreise mit Hund aussehen?
Ein gut trainierter Hund kann insgesamt bis zu sechs Stunden am Tag laufen oder traben. Er braucht etwa 18 bis 20 Stunden pro Tag Schlaf – den holt er sich dazwischen – in einer bequemen Transportbox. Daneben lieben es Hunde auch zu Rennen! Gib ihnen die Möglichkeit dazu – aber nur auf weichem Untergrund, ohne Leine, und maximal drei Minuten oder wenn Hund aufhören will. So ist eine Radreise mit Hund nicht nur möglich sondern macht auch allen Spaß!

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Über die Gassizentrale

Hundebetreuung nach Maß: Egal ob Gassiservice mit Hol- und Bringdienst, Ernährungsberatung oder Hundetraining – in Nürnberg.

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Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.

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