Das urbane Fahrradmagazin

Purple Ride – Auf dem Fahrrad, gegen Macker* und für die Mobilitätswende!

Unterschiedliche Geschlechter, verschiedenste Geschichten, ein Ziel: Gemeinsam Rad fahren, Stadtraum einnehmen und die Straßen Berlins zurückerobern beim Purple Ride Berlin zum Internationalen Frauentag am Sonntag, 8. März 2020

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.
Foto © Katja Täubert

Seit 2019 ist der Frauentag in Berlin ein offizieller Feiertag. 2020 fällt er etwas “unglücklich” auf einen Sonntag, was nicht bedeutet, dass die Berlinerinnen und Berliner den Tag ohne Ramba Zamba verstreichen lassen. In Punkto Frauenrechte gibt es (auch noch) 2020 eine ganze Menge zu tun. Neben zahlreichen Aktionen findet auch dieses Jahr der PURPLE RIDE statt!

Eine Frau* auf dem Fahrrad ist ein politisches Statement
Carolina Mazza und Lisa Feitsch, zwei Organisatorinnen aus dem rund 20-köpfigen Team des Purple Ride Berlin erzählen: “Eine Frau* auf dem Fahrrad ist ein politisches Statement. In vielen Ländern der Welt ist eine Frau*, die Fahrrad fährt, keine Selbstverständlichkeit. Mädchen* dürfen nicht Fahrrad fahren lernen. Frauen* auf Rädern werden bedroht und verfolgt. Doch wer Fahrrad fährt, ist unabhängig und frei und nimmt gleichberechtigt den Platz im öffentlichen Raum ein. Und der steht allen zu – ganz gleichberechtigt.”

Isabell Eberlein

Purple Ride

Foto © Katja Täubert

Soundbike

Deutschland 2020
Aber man muss gar nicht weit in die Ferne schauen. Auch Deutschland hinkt bei der Gleichberechtigung im internationalen Vergleich hinterher. Das verraten die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Der Equal Pay Day fällt hierzulande auf den 17. März. Das bedeutet, dass deutsche Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen als Männer mit gleicher Qualifikation.

Das Fahrrad: Symbol der Emanzipation
Und was hat Gleichberechtigung mit dem Fahrrad zu tun? Carolina Mazza und Lisa Feitsch fahren fort: “Das Fahrrad steht historisch für das Empowerment und die Selbstbestimmung von Frauen*. Frauen* mussten sich das Fahrradfahren lange gegen gesellschaftliche Widerstände erkämpfen, um die Freiheit auf den Straßen und in die Köpfe der Menschen zu bringen. Mit unserer Fahrrad-Demo zeigen wir, dass das Fahrrad noch immer das Symbol der Emanzipation der Frau* ist.”

Demo

Demo

Frauenrechte

Über “die lästige Frau” und Sexismus im Straßenverkehr
“Eine Frau, die ihre Rechte kennt und dafür einsteht, wird oft als lästig wahrgenommen – im Verkehr sowie in unserer Gesellschaft. Es gibt immer noch Menschen, die nicht akzeptieren wollen, dass Frauen* eine aktive und sichtbare Rolle in der Öffentlichkeit spielen. Sie sehen darin eine Gefahr für sich selbst in ihrer Rolle und reagieren aggressiv. Das ist auch im Straßenverkehr der Fall. Belästigungen durch Blicke und sexistische Kommentare gehören genauso zum Alltag für Frauen* auf Fahrrädern wie sexuell-konnotierte Beschimpfungen oder das Herabwürdigen als unfähige Gesprächspartnerin, wenn es zu einer Diskussion kommt. Am internationalen Frauenkampftag demonstrieren wir deshalb gemeinsam auf dem Fahrrad gegen Mackertum und für die Mobilitätswende!“ fordern die Aktivistinnen.

Das Motto des diesjährigen #PurpleRide lautet „Ab auf´s Rad, gegen das Patriachat!“

Frauentag

Klima

Mehr als “Women Only”
Im letzten Jahr kamen beim Purple Ride mehr als 500 Menschen zusammen, die gemeinsam demonstriert haben. Und die Organisatorinnen sind zuversichtlich: “Für 2020 erwarten wir wieder eine so große Anzahl an Leuten auf dem Rad. Wenn nicht noch mehr!” Denn der Purple Ride spricht nicht nur Frauen* an. Er soll Sexismus im Gesamten sichtbar. “Auch in Berlin werden FLINT*-Personen (Anm. d. Red. “FLINT*” steht für die Gleichstellung aller, wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit unterdrückten Personen in unserer Gesellschaft)  im Straßenverkehr sexistisch beschimpft.” Das Fazit der beiden Aktivistinnen:

“Der öffentliche Raum gehört nicht den sexistischen Automachos alleine, sondern uns allen!”

  • Datum – Zeit
    Freitag, 8. März 2020  / 12:00 – 14:30 Uhr
  • Start – Ziel
    Berlin / Deutschland
    Start:  Mariannenplatz, Kreuzberg
    Ziel: U-Bahnhof Lichtenberg

Über die Fotografin
Alle Fotos im Artikel wurden von der Fahrradaktivistin und Fotografin Katja Täubert beim Purple Ride Berlin am Internationalen Frauentag 2019 aufgenommen.


Über das Sternchen hinter Frau*
Über unsere Sprache (re-)produzieren wir unsere Weltsicht und unsere Wahrheiten. Darum legen Carolina und Lisa in diesen Artikel besonderen Wert darauf, dass hinter den Worten “Frau” oder “Mädchen” ein Sternchen gesetzt wird. Das Sternchen macht auf soziale Konstruktionen aufmerksam. Es zeigt, dass es sich bei den Worten Frau/Mädchen/Mann/Junge um “soziale Wirklichkeiten und Zuschreibungen” und nicht um “biologische Tatsache” handelt. Lies mehr dazu im Urban Independence Magazin: Die Radfahrerin – Fahrtwind im Haar ist unisex. 

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.

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