Das urbane Fahrradmagazin

Frust beim Radeln? Warte nicht. PINGe!

PING if you care! ist eine Kampagne von Bike Citizens die selbst in der Fahrradhauptstadt Amsterdam für Aufsehen sorgte. Der „PING!“ ist ein smarter Bluetooth-Button, der auf dem Fahrradlenker montiert wird. In einer Konfliktsituation auf der Straße können Radfahrende den Knopf drücken und damit den Konflikt sichtbar machen.

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Dass es Menschen geben soll, die mehr als ein Fahrrad besitzen, konnte die sportliche Grazerin bis vor fünf Jahren gar nicht verstehen. Heute kann die Marketingberaterin nicht mehr ohne Stadtflitzer, Rennrad und Mountainbike sein. Auch für Klatsch & Tratsch mit Freundinnen sitzt es sich mittlerweile besser am Sattel, als auf der Couch.
Wo macht Radfahren Spaß? Wo birgt es Frust? Und wie kann man das schnell, einfach und mit Mehrwert sichtbar machen? Foto © M21
  • Wie funktioniert das eigentlich mit dem PING?
  • Welche essentielle Rolle spielen dabei Radfahrende?
  • Wie können Radfahrende mit dem PING die Straßen der Stadt verbessern?
  • Wovor haben die Städte am meisten Angst?

Das erfährst du jetzt und hier.

PING if you care! Kampagnen wurden bereits in mehreren europäischen Städten zu unterschiedlichen Fragestellungen durchgeführt. Das Städteinteresse an der erprobten Lösung ist groß. Die Möglichkeiten der Datenanalyse geben Aufschluss über Optimierungspotenziale im Radverkehr. Warum viele Städte trotz dringendem Datenbedarf die Chance zögerlich nutzen, wissen Projektverantwortlicher Adi Hirzer und Geschäftsführer Andreas Stückl.

Jetzt ein PING!
Sobald ein Konflikt am Radweg auftaucht, zum Beispiel ein Schlagloch oder ein parkendes Auto am Radweg, wird der PING! gedrückt und die Stelle damit markiert. Der PING! Bluetooth-Button ist am Fahrradlenker montiert und kann einfach während der Fahrt bedient werden.

Die Schlüsselstelle des Frusts wird mit dem PING! exakt in dem Moment markiert, wo das Problem auftaucht. Sobald man vom Fahrrad gestiegen ist, wird über ein einfaches Auswahlmenü in der App die vordefinierte Kategorie zur Problemdefinition hinzugefügt.

PING statt Fragenkatalog und Kamera
Die Vorgehensweise in zwei Schritten bietet zwei entscheidende Vorteile gegenüber der üblichen Meinungs-Befragungen rund ums Radfahren.

  • Natürlicher Filter: Zum ersten fungiert das Zwei-Phasen-Modell als natürlicher Filter. Sollte sich der Radfahrer oder die Radfahrerin am Ende der Fahrt nicht mehr an den Konflikt an der gePINGten Stelle erinnern, handelt es sich (scheinbar) nicht um ein nennenswertes Problem auf der Strecke.
  • Emotionalität: Zum zweiten kann PING! die Emotionalität im Straßenverkehr messbar machen. Denn nicht nur permanente Hindernisse wie eine schlechte Wegbeschaffenheit oder unterbrochene Radwege machen Radfahren wenig attraktiv, sondern auch temporäre emotionale Konfliktinduktionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden. Und diese Konflikte können weder in einer Befragung noch durch punktuelle Verkehrskameras realitätsnah abgebildet werden.
  • Beispiele: Eine plötzlich aufgehende Fahrzeugtür, die zum Bremsen zwingt; ein Auto, das am Radweg parkt, oder ohne Einhaltung des Mindestabstand vorbei rauscht;   Fußgänger und Fußgängerinnen, die den geteilten Radweg zum Spazieren nutzen

Brüssel: Maßnahmen für die Verbesserung der Radmobilität mit PING
2017 in Brüssel: Die PING! Pilotkampagne brachte aufschlussreiche Informationen zur geschlechts- und altersspezifischen Wahrnehmung von Gefahren im Radverkehr. Aus den Daten der GPS-basierten Analyse und der PING!-Auswertungen wurden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Radmobilität abgeleitet.

Schnelle, unkomplizierte Realisierung
Aus technischer Sicht kann PING! relativ einfach umgesetzt werden. Dafür wird ein speziell adaptiertes Modul in die Bike Citizen App integriert und für PING-Button-Nutzer freigeschaltet. Sobald der PING-Button aktiviert ist kann dieser mit der App gekoppelt werden und es geht los. Von der Entscheidung bis zum Start der Kampagne braucht es ungefähr vier Monate Vorbereitungszeit.

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So wird der PING! auf der Lenkerstange des Fahrrades platziert. Pingen während der Fahrt klappt einfach und schnell. Foto © Bike Citizens

Amsterdam: PING prüft Effekte von Mobilitätsmaßnahmen
In Amsterdam kam die PING if you care! Kampagne zum Einsatz, um die positiven Auswirkungen einer im Vorfeld festgelegten Mobilitätsmaßnahme zu überprüfen. Die PINGs nach Umsetzung der Maßnahme wurden also den PINGs davor gegenübergestellt und die Stadt schenkte in ihren Analysen diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit, denn es zeichnete sich, ab dass die Konfliktzahl in dieser speziellen Kategorie gesunken war.

Ping kategorien

Das PING Potenzial: Schöner Radfahren
PING if you care! ist ein hervorragendes Tool um die Themen Radsicherheit und Radattraktivität als Stadtverwaltung zu positionieren. Die Stadt Brüssel setzt seit dem „Lostreten“ durch die Pilotstudie mehr Infrastrukturprojekte für den sicheren Radverkehr um als zuvor.

In der Kampagne steckt Potential den Radverkehr weiterzuentwickeln und Budgetmittel sinnvoll dort einzusetzen wo den Nutzern und Nutzerinnen zufolge am meisten Bedarf besteht . Dabei muss es nicht immer teure Infrastruktur sein – auch einfache Maßnahmen mit kleinem Budget können bereits große Effekte auf den Fahrspaß haben.

Ebenso senden Städte und Kommunen die eine PING if you care! Kampagne initiieren deutliche Signale zur Wichtigkeit von Radmobilität. Sie verschaffen Radfahrenden Gehör in Bezug auf das lokale Optimierungspotenzial.

Interessierte Städte mit Furcht vor Reaktionspflicht
Das Interesse an eigenen PING if you care! Kampagnen ist bei den Städten groß. Dennoch haben Verwaltungen großen Respekt davor, aus den Daten im Anschluss sofort verpflichtende Maßnahmen abzuleiten. Städte können aber durchatmen: Angst vor dem sofortigen Reagieren auf gemeldete Störpunkte oder gar Haftung in Bezug auf diese ist unbegründet. Die Kampagne spielt keine Live-Daten aus. Erst am Ende der Kampagne werden die Daten akkumuliert an den Auftraggeber ausgeliefert und in ausgewertet.

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Die Stadt Brüssel setzt seit dem „Lostreten“ durch die Pilotstudie mehr Infrastrukturprojekte für den sicheren Radverkehr um als zuvor. Foto © M21

Das Erfolgskonzept: Nutzen statt petzen
PING! ist für den User und die Userin extrem einfach zu nutzen. Die Radfahrt wird für den PING! nicht unterbrochen und die Nutzung des Tools sowie die Bewertung des Konflikts ist völlig impulsgesteuert. Die auswählbaren Konfliktkategorien sind darum am natürlichen Impuls der Radfahrenden orientiert. Je näher diese am Impuls abgeholt werden, desto besser ist das Ergebnis der Kampagne und desto länger hält die Motivation der Kampagnen-Teilnehmer und Teilnehmerinnen mitzumachen!

 

 

Melanie_Almer_01
Dass es Menschen geben soll, die mehr als ein Fahrrad besitzen, konnte die sportliche Grazerin bis vor fünf Jahren gar nicht verstehen. Heute kann die Marketingberaterin nicht mehr ohne Stadtflitzer, Rennrad und Mountainbike sein. Auch für Klatsch & Tratsch mit Freundinnen sitzt es sich mittlerweile besser am Sattel, als auf der Couch.

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Kommentare
  • Fredo Schmidt

    Hallo Bike Citizens Team,
    irgendetwas stimmt mit Eurer Seite nicht (oder mit meinem Handy?). In der App zur Info von PING! Ist die Darstellung beschnitten, so dass man den Text an rechten Rand nicht lesen kann. Außerdem kann man in die Felder zum Kontakt nichts eingeben, also es mehr die Tastatur zum Tippen nicht auf. Ich musste den Text in einer anderen App vorschreiben und “Einfügen”. Und die Links z. B. zur Fahrrad-Inspektion in München lassen sich nicht öffnen.
    Wie auch immer, am Sonntag werden wir Eure App ausgiebig zum ersten Mal nutzen. Bin schon gespannt (v. A. Wegansage per Kopfhörer).
    Viele Grüße Fredo Schmidt

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