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Norwegen investiert 850 Millionen Euro in Bike Highways

Zehn Bike Highways sollen in Ballungszentren entstehen. 850 Millionen Euro will Norwegen dafür in die Hand nehmen.

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.
Foto © VisitNorway.com

Seit 1998 erarbeiten die vier wichtigsten Verkehrsorganisationen Norwegens gemeinsam mit den Ministerien für Transport und Fischerei regelmäßig 10-Jahres-Pläne um die Mobilität im Land zukunftssicher zu gestalten. Für gewöhnlich dominieren Straßen-, Flug-, Schiff- und Bahnverkehr den „National Transport Plan“. Im Grundlagenpapier für den Plan 2018-2029, das im Frühjahr dieses Jahres präsentiert wurde, wird dem Radverkehr erstmals viel Platz eingeräumt.

Ein ambitionierter Plan

Wird der „Nasjonal transportplan 2018-2029“ so umgesetzt wie Ende Februar vorgestellt, dann katapultiert sich Norwegen in Sachen Mobilität in eine weltweite Führungsrolle. Im Vorschlagspapier ist nicht nur vom Ende des Verbrennungsmotors in Autos bis 2025, der Umrüstung von Bussen und Schiffen auf emissionsarme Antriebe und der Halbierung aller Transportemissionen bis 2030 die Rede, sondern auch die Absicht den täglichen Radverkehr auf ein neues Level zu heben. 850 Millionen Norwegische Kronen (rund eine Milliarde Euro) will das skandinavische Land in 10 Bike Highways stecken. Die zweispurigen „ekspressykkelveger“ sollen Radpendler mit 30-40 km/h flott und sicher in die neun größten Städte und wieder retour bringen. Innerstädtisch wird der Radverkehr über ein engmaschigeres Netz verteilt und durch ausgiebige Infrastruktur wie Parkmöglichkeiten unterstützt – auch das ist im NTP festgehalten:

“The experience from typical cycling cities in other countries shows that it is necessary to have a comprehensive cycle network along major routes, but also a more fine-meshed net in the centre and in residential areas. Safe and attractive bike parking at public transport nodes and larger hubs are important to facilitate cycling.”

Bike Highways sollen Umstieg erleichtern

Jeder vierte Neuwagen in Norwegen ist heute bereits ein Elektroauto. Obwohl man in Norwegen eine Vorreiterrolle hinsichtlich Elektromobilität einnimmt, scheint man die Grenzen des zunehmenden Autoverkehrs zu erkennen und den Umstieg auf andere Transportformen wie Fahrrad und Öffis so schmackhaft wie nur möglich machen zu wollen. Geht es nach den Verfassern des National Transport Plans, dann soll es zwischen jetzt und 2030 keinen Zuwachs an Autos geben. Die geplanten Bike Highways sollen dazu beitragen, dass Pendler auch auf längeren Strecken ihr Fahrzeug in der Garage lassen und auf das Rad umsteigen.

Kann das funktionieren?

Es gibt aber auch Gegner des ambitionierten Plans, wie VG berichtet. Etliche Politiker zweifeln an, ob Bike Highways hinsichtlich der anspruchsvollen Topografie und der langen Wintermonate funktionieren können. Schnee, Kälte und lange Nächte würden Menschen nicht gerade dazu bewegen aufs Rad zu steigen.

Beispiele wie Kopenhagen (DEN), Linköping (SWE), in der über 80% der Menschen auch im Winter durchfahren, und Oulu (FIN) beweisen allerdings, dass es weniger auf das Wetter als auf einen gut gerüsteten Winterdienst ankommt. Um die Steigungen in den geplanten Highways, so hofft man in Norwegen, kümmert sich der anhaltenden E-Bike-Boom.

Bis 1. Juli dieses Jahres kann das Grundlagenpapier von Lokalregierungen noch diskutiert werden, danach wird abgestimmt ob Norwegen dem Fahrrad eigene Radschnellwege baut.

 

 

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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