Das urbane Fahrradmagazin

Musik beim Radfahren: Darf man mit Kopfhörern Fahrradfahren?

Musik ist für viele Verkehrsteilnehmer nicht wegzudenken – auch für Radfahrer nicht. Doch darf man überhaupt mit Kopfhörern am Fahrrad sitzen?

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.
Foto: Syda Productions / Shutterstock

Wie viel Musik ist am Rad erlaubt?

Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos kam in Deutschland zum Ergebnis, dass fast jeder Zweite (46 Prozent) bis zu einem Alter von 34 Jahren regelmäßig oder hin und wieder mit Knopf im Ohr am Rad sitzt. Über alle Altersklassen hinweg trägt fast jeder fünfte Radfahrer (19 Prozent) Kopfhörer beim Fahrradfahren. Es stellt sich die Frage: Wie viel Musik ist am Rad erlaubt?

Musik beim Radfahren ist ein Thema, das in einer rechtlichen Grauzone liegt. Es gibt kein ausdrückliches Verbot, das Musik untersagt. Der Paragraph 58 der Österreichischen Straßenverkehrsordnung aber schreibt vor, dass ein Fahrzeug nur lenken darf, „wer sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermag“. Umgelegt auf die Musik bedeutet das: Sie darf nur so laut sein, dass man alle Umgebungsgeräusche wahrnehmen und darauf noch rechtzeitig reagieren kann.

Im gesamten deutschsprachigen Raum ist die Situation ähnlich. In der Deutschen Straßenverkehrsordnung etwa definiert der Paragraph 23 die Sachlage: “Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden.”

Selbst leise Musik mindert die Wahrnehmung

Musik ist im Straßenverkehr also nicht verboten. Es ist jedem Verkehrsteilnehmer selbst überlassen, ob und wie laut er Musik hört und wo die Grenzen liegen. Mit der heutzutage riesigen Auswahl an Kopfhörern kann er seine eigene Wahrnehmung stark beeinflussen: Einige blenden Umgebungslaute beinahe zur Gänze aus. Mit anderen hingegen nimmt man viele Geräusche aus dem nahen Umfeld noch wahr – zum Beispiel mit Earbud-Kopfhörer, wie ein Test am RideOn-Blog zeigt. Das kann im oft hektischen Stadtverkehr ein großer Vorteil sein.

Generell gilt für Musik beim Radfahren: Selbst mit einer vernünftigen Lautstärke wird die Wahrnehmung eingeschränkt. Das haben Akustik-Experten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) errechnet: Nähert sich ein Objekt mit 50 Kilometern pro Stunde von hinten einem Menschen, der keine Musik hört, dann nimmt er das Objekt auf 16 Metern Distanz wahr. Hört er 80 Dezibel laute Musik, was einer üblichen Lautstärke entspricht, dann nimmt er es erst drei Meter hinter ihm wahr.

Was haben nun Verkehrsteilnehmer im Konkreten zu befürchten? ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried klärt auf: Hört ein Verkehrsteilnehmer so laut Musik, dass er etwa einen Polizisten, andere Verkehrsteilnehmer oder gar Einsatzfahrzeuge nicht wahrnimmt, begeht er bereits eine Verwaltungsübertretung. Bei einem Unfall wird die Situation heikler: Stellt man fest, dass ein Unfallbeteiligter zu laut Musik hörte, kann es den Verschuldungsgrad beeinflussen.

Letzten Endes muss jeder Auto-, Radfahrer oder Fußgänger selbst entscheiden, ob und in welcher Lautstärke er Musik hört. Und wann es zu viel ist. Zudem besteht immer die Möglichkeit, nur einen Knopf in das Ohr zu stecken, auch das erhöht die Aufmerksamkeit.

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das ganze Magazine?
Jetzt schmökern