Das urbane Fahrradmagazin

45.000 Kilometer mit dem Fahrrad in die Schule – Digitale Schulwegs-Kampagne in Osnabrück

Herbst 2020 in Osnabrück. Stadt und Landkreis starten einen spannenden Versuch: Mit der digitalen Bike-To-School Kampagne sollen mehr Schüler und Schülerinnen aufs Rad steigen - um während der Pandemie Stoßzeiten im Nahverkehr zu vermeiden. Die Aktion wird ein Erfolg!

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Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.
Foto © Timon Klauser / Unsplash

Stadt und Landkreis Osnabrück starteten im Herbst 2020 einen spannenden Versuch: Mit der digitalen Bike-To-School Kampagne wollten sie Schüler und Schülerinnen aufs Rad bringen. Projektleiterinnen Ulla Bauer und Sophie Rotter von Stadt und Landkreis Osnabrück ziehen ein erfreuliches Fazit:

Kurze Vorlaufzeit – super Resonanz! 

„Wir sind – trotz der kurzen Vorlaufzeit  und der corona-bedingten Kontakteinschränkugen zu den Schulen – sehr zufrieden mit der Resonanz“, schildert Ulla Bauer, Radverkehrsbeauftragte Osnabrück. Mitstreiterin Sophie Rotter, Klimaschutzmanagerin des Landkreis Osnabrück schließt auf:

„Wir waren sehr neugierig, wie die Kampagne angenommen wird. Gerade in der Corona Zeit haben Schulen alle Hände voll zu tun. Wir entschieden uns die Kampagne mit Flyern und einer Website zu bewerben. Und wir freuen uns über das gute Ergebnis : 1.200 Schülerinnen und Schüler radelten vom 28. September 2020 bis 6. November 2020 mit. Insgesamt gab es 355 Teams und 11.000 aufgezeichnete Fahrten mit rund 45.000 Kilometern!“

Bike To School

Rad statt Bus: Hauptmotivation für die Bike-To-School-Kampagne war es in Zeiten der Pandemie die Abstandshaltung im Öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern – dafür sollten Schüler und Schülerinnen motiviert werden aufs Rad zu steigen. Foto © Victor Xok / Unsplash

Hintergrundinfos: Bei der digitalen Kampagne Bike-To-School in Stadt und Landkreis Osnabrück, sollten Schüler und Schülerinnen sich in Teams organisieren und ihren Schulradweg per Smartphone mit der Bike Citizens App aufzeichnen. Jede Radfahrt brachte Punkte, die am Ende – je nach Punktezahl 1.500, 1.000 oder 500 EUR in die Schulkasse spülten.

>> Mehr Infos im Bike Citizens Magazin

Raus aus dem Bus – rauf aufs Rad

Hauptmotivation für die Bike-To-School-Kampagne war es den Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Pandemie die Abstandshaltung im Öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern. Dafür sollten Schüler und Schülerinnen motiviert werden aufs Rad zu steigen statt im Bus zu sitzen. Stadt und Landkreis Osnabrück holten sich dafür das Team von Bike Citizens dazu. Das Unternehmen mit der gleichnamigen Fahrrad-Navi-App baut bei der Schul-Aktion auf jahrelange Erfahrung rund um die Abwicklung von Bike-To-Work Kampagnen auf.

Wie man Schüler und Schülerinnen zum Radfahren motiviert

Wie motiviert man Schüler und Schülerinnen aufs Rad zu steigen? Fragen wir Hannes Both. Er ist Schüler der elften Stufe der zweitplatzierten Schule im Gesamtranking, dem Gymnasium Osede.  Er erfuhr in der Lokalpresse von Bike-To-School und fand die Aktion sofort super. Als Mitglied der Schülervertretung engagierte er sich in seiner Schule auf eigene Initiative für die Kampagne. Er übernahm eine Botschafterrolle, ging von Klasse zu Klasse, beantwortete individuelle Fragen, erklärte den jüngeren Jahrgängen worum es überhaupt geht und radelte natürlich jeden Tag selbst – im Kreise seines Teams – zur Schule. Begeisterung!

Für Hannes, seine Familie und seinen Freundeskreis ist es selbstverständlich mit dem Rad zur Schule zu fahren. „Alle, die in unserer Schule Rad fahren, fuhren auch bei der Kampagne mit. Vor allem in den höheren Jahrgängen und die Lehrerschaft. Manche kommen sogar aus den Vororten!“ Er stellt aber auch eine kritische Gegenfrage:

“Wie soll man die Unsicheren, vor allem die jüngeren Jahrgänge begeistern, aufs Rad zu steigen, wenn Radwege oft nur schmale Streifen auf einer vielbefahrenen Straße sind und sichere Rad-Abstellplätze an Schulen fehlen?“

Bike To School

Wie motiviert man Teenager aufs Rad zu steigen? Ein Schüler aus Osnabrück antwortet. Foto © Wout Vanacker/ Unsplash

Sichere Schulradwege

Ulla Bauer und Sophie Rotter bestätigen, dass es Bereiche gibt, wo die Radinfrastruktur in Stadt und Landkreis verbessert werden kann und muss. “Natürlich werden die Planungen für bessere Radinfrastruktur auf den Schulwegen weiter vorangetrieben!” so Bauer, für die Stadt.  Auch im Landkreis ist der Ausbau von Radwegen ein Thema. Gemeinsam mit den Gemeinden wird der Landkreis das Thema in den nächsten Jahren voran bringen. Die bei Bike-To-School Kampagne gesammelten Erfahrungen liefern hilfreiche Informationen zu den gewählten Schulradwegen und helfen bei der Planung und Umsetzung. Die digitale Kampagne schließt damit Wissenslücken.

Was die alte von der jungen Fahrradgeneration lernen kann

Auch hinsichtlich App-Nutzung gibt Hannes einen nützlichen Hinweis: „Unsere Generation hat, was Apps betrifft, einen hohen Anspruch. Eine App die absolut intuitiv funktioniert; bei der das Tracking mit einem Klick aktiviert und deaktiviert werden kann und dabei exakt ist, macht Spaß und motiviert mit zu radeln! Funktioniert eine App nur ein- oder zwei Mal nicht nutzen wir sie meistens nicht. Außer die Aktion macht total Spaß. Und darum haben wir auch bei der Bike-To-School Kampagne durchgezogen!“ verrät Hannes.

Hannes wird sich darum nicht nur bei Ulla Bauer melden und nachfragen, was mit den neuen Fahrradstellplätzen bei seiner Schule ist. Er hat auch ein paar Tipps fürs Bike Citizens App-Entwickler-Team parat. Auf dass beim nächsten Mal noch mehr junge Leute mitradeln!

Bike To School

KEYFACTS
Start: Montag, 28. September 2020
Ende: Freitag, 6. November 2020

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.

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