Das urbane Fahrradmagazin

Martinshof Bremen: Weit mehr als eine Beschäftigungstherapie

Menschen mit Beeinträchtigung reparieren in der Radwerkstatt Bremen bis zu 30 Räder pro Tag. Kunden wie Daimler, Airbus und die Stadt Bremen vertrauen auf den Service vom Martinshof.

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

2.200 Beschäftigte, Umsätze im zweistelligen Millionenbereich und 37 Standorte. Was nach einem ausgewachsenen Konzern klingt, ist wohl eines der erfolgreichsten Integrationsprojekte überhaupt. Der Martinshof – bzw. auch Werkstatt Bremen genannt – wurde 1923 als „Werkstätte für Erwerbesbeschränkte“ gegründet und erfüllt sein Ziel Menschen mit Behinderung passende Beschäftigungen zu bieten, heute mehr denn je. Personen mit psychischen Einschränkungen werden an den Arbeitsmarkt herangeführt und produzieren eine ganze Reihe an Produkten und Dienstleistungen. Lebensmittel, Besen, Gärtnerarbeiten oder Möbel – das Angebot des Martinshof ist breit gefächert.

Selbstständig im Radladen Martinshof

Das Angebot des Martinshof hat auch einiges mit Fahrrädern zu tun. Denn was in der Diedrich-Wilkens-Straße 49/53 an Zweirädern bewegt wird, das spielt in einer Liga mit größeren Radläden. Neben dem Verkauf von Marken wie Winora, Haibike oder Victoria reparieren hier rund 20 MitarbeiterInnen 25 bis 30 Bikes pro Tag. Die Gruppenleiter Hagedorn und Villwock fördern dabei ein möglichst selbstständiges Arbeiten. Die Aufgaben richten sich nach den Fähigkeiten der Mitarbeiter. Während der Großteil von der Reparatur-Annahme bis zur Wartung der Bikes alles ohne Hilfe erledigt, legen andere ihre ganze Energie in das Wechseln von Schläuchen und Reifen. Erfolgserlebnisse haben Priorität. Doch egal wie komplex oder einfach die Aufgaben: einen fixen Arbeitsplatz mit eigenem Werkstattwagen bekommt jeder Mitarbeiter – und darauf ist jeder einzelne richtig stolz.

Das Geschäft mit dem Rad boomt

Daumendrehen ist nicht, im Radladen der Werkstatt Bremen. „Die Auslastung ist mehr als gut“, gibt Gruppenleiter Hagedorn Auskunft. Neben Reparaturaufträgen von Privatpersonen ist das Service des Martinshof besonders bei Firmen der Region beliebt. Zweimal wöchentlich macht sich ein Team der Radwerkstatt auf ins Daimler-Benz Werk um einen Teil der rund 3.000 Betriebsräder abzuholen, zu warten und wieder retour zu bringen. Weitere Unternehmen wie Airbus, Mondelez (ehemelas Kraft Foods), Werder Bremen oder Vitakraft vertrauen ebenfalls auf diese Dienstleistung. Selbst die Polizei Bremen findet sich in der Kundendatei.

Bremer Stadtmusikanten Senatsrad Martinshof

Besondere Fahrrad-Projekte

Die gute Vernetzung des Martinshof in der Region Bremen schlägt sich nicht nur in langfristigen Wartungsverträgen nieder, sondern mündet oft auch in ganz besonderen Projekten. So wurden in der Vergangenheit immer wieder Fahrrad-Sonderprojekte mit Partnerunternehmen umgesetzt. Das Aushängeschild bis dato: das sogenannte „Senatsrad“ für die Bremer Landesvertretung in Berlin. Eine limitierte E-Bike Flotte mit rotem Speziallack, weißen Reifen und den Bremer Stadtmusikanten als Kotflügel-Figur. „Solche Projekte machen wir hoffentlich bald wieder“, freut sich Herr Hagedon schon jetzt auf weitere außergewöhnliche Räder aus der Radwerkstatt Bremen.

Foto © Werkstatt Bremen

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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