Das urbane Fahrradmagazin

Lastenräder sind ihr Schlüssel zum Erfolg

Egal, ob Bier vom Fass serviert oder ein Fernsehinterview auf Rädern durchgeführt werden soll, ein Wiener Start-up-Unternehmen möchte die pedalbetriebene Mobilität in eine neue Dimension bringen.

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Timothy Spence ist ein in Wien lebender freischaffender Journalist, der sich auf die Themenbereiche Klima, Energie und Gesundheit spezialisiert hat. Seit über 20 Jahren führt er ein „Auto-freies“ Leben und ermutigt auch anderen den Wechsel zum Radfahren in der Stadt zu wagen.
Image © Timothy Spence

CycleCraft bietet individuelle Fahrräder zur Beförderung von Lebensmitteln und Getränken, zur Unterhaltung sowie zu Reklamezwecken an, indem modulare Teile verwendet werden, die eine einfache Zusammenstellung und Umgestaltung für andere Verwendungen ermöglichen. Der Gründer von CycleCraft, Alexander Wolf, sagt, das Unternehmen sei weder ein Kurierdienst noch ein Fahrradhersteller, sondern biete den Kunden ein rollendes Hilfsmittel, um ihre speziellen Anforderungen zu erfüllen. „Unsere Mission besteht darin, Unternehmen eine andere Möglichkeit aufzuzeigen, wie sie ihre Geschäfte mit dem Fahrrad statt mit dem Auto abwickeln können“, erklärt Wolf. Zum Beispiel arbeitetet das zweijährige Unternehmen mit der Wiener Zeitung und dem öffentlichen Fernsehsender W24 zusammen, um ein bewegliches Studio zu schaffen, das mit Kameras, Aufnahmegeräten und Sitzen für mobile Interviews ausgestattet ist. Es wurde am 11. April beim Argus Bike Festival am Wiener Rathausplatz präsentiert.

Lastenräder bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten

Die Flotte des Unternehmens beinhaltet auch Fahrräder zum Servieren von Kaffee, Bier und Speiseeis, plus einem Klangring mit 3000-Watt-Lautsprechern, Anschlüssen für digitale Musikgeräte und Batterien mit einer 10-stündigen Lebensdauer. Der Traum auf Rädern für jeden DJ „ist mit allem ausgestattet, das man für guten Sound kaufen kann“, sagt Wolf und fügt hinzu, dass man das Rad für Umzüge, Partys, Straßenfeste oder Demonstrationen verwenden kann. CycleCraft entwickelte auch ein Rad für die SPÖ für deren „Frauenstadt“-Kampagne, die weibliche Unternehmerinnen in Wien unterstützen soll.

Der kleine Geschäftssitz von CycleCraft befindet sich im 9. Bezirk. Das Unternehmen kauft Fahrradrahmen mit drei Rädern von Fietsfabriek in den Niederlanden und entwirft den Kundenwünschen entsprechende Kastenrahmen, die vorne am Rad montiert werden. Diese Aufbaue bestehen aus modularen Einzelteilen und sind auf Wunsch individuell erweiterbar. Die Lastenräder, deren Einzelteile aus Aluminium und Kunststoff bestehen, sind robust, leicht und gut steuerbar – selbst bei Lasten über 100 Kilogramm. Die Räder können auch mit Elektromotoren bestellt werden. „Solange es flach ist, kann ich problemlos 200 Kilo transportieren“, sagt Fabian Brugger, der mit Wolf und seinem Geschäftspartner Helmuth Bronnenmayer zusammenarbeitet.

Grüner Transport als Marketinginstrument

Die Fahrräder können für rund 250 Euro pro Tag gemietet werden und der Grundpreis liegt bei 4500 Euro bzw. 5700 Euro mit einem Elektromotor. Das ist nicht billig, aber anders als Autos oder Lieferwägen hat ein CycleCraft-Fahrrad niedrige Betriebskosten und „ist natürlich grün und das ist eine tolle Art, in der Stadt herumzukommen“, sagt Wolf. Das Interesse steigt und Wolf erwartet, dieses Jahr 30 Stück zu verkaufen, was die dreifache Verkaufsanzahl von 2014 bedeutet. Die Räder ziehen Aufmerksamkeit auf sich und erhöhen somit ihren Marketingwert. „Die Leute schauen mir nach, wo immer ich auch fahre“, sagt Brugger, der im Sattel eines Fahrrads sitzt, das für einen führenden italienischen Kaffeehändler produziert wurde.

Wolf, der 15 Jahre lang als Produktdesigner tätig war, erklärt, dass sein Berufswechsel von der wachsenden Beliebtheit von Fahrrädern in Wien und der internationalen Velo-city-conference, die 2013 in der österreichischen Hauptstadt stattfand, inspiriert wurde. Das Ereignis zog 1000 Vertreter aus 47 Ländern an. CycleCraft möchte in andere europäische Städte expandieren. Aber fürs Erste baut Wolf für seinen Marktzuwachs auf die wachsende Beliebtheit des urbanen Radfahrens – und die Nachfrage nach schnelleren, effizienteren Arten, um sich in der zunehmend überfüllten Stadt fortzubewegen.

 

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Timothy Spence ist ein in Wien lebender freischaffender Journalist, der sich auf die Themenbereiche Klima, Energie und Gesundheit spezialisiert hat. Seit über 20 Jahren führt er ein „Auto-freies“ Leben und ermutigt auch anderen den Wechsel zum Radfahren in der Stadt zu wagen.

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