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Kwiggle: das kompakte Faltrad fürs Handgepäck

Wenn Karsten Bettin mit seinem selbstgebauten Fahrrad durch die Gegend fährt, dann zieht er die Blicke auf sich. Das Kwiggle, so heißt das Gefährt, fällt unweigerlich auf. Denn der Hannoveraner sitzt nicht im Sattel, sondern fährt es mehr oder weniger im Stehen. Und wenn Bettin sein Rad blitzschnell zusammenfaltet, dann kann er es an einer Hand durch die Stadt tragen oder unter der Sitzbank der Straßenbahn verschwinden lassen. Weil es nur etwa die Hälfte des Faltmaßes eines gängigen Faltrades hat und acht Kilo wiegt, könnte es sogar im Handgepäck eines Flugzeuges mitfliegen.

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Bei seinen Kollegen sorgt Sascha Priesemann regelmäßig für Kopfschütteln, weil er selbst beim schlechtesten Wetter noch mit den Rad zur Arbeit fährt. Auch auf den täglichen Arbeitswegen gehört das Fahrrad zum Alltag des Hannoveraners: Er arbeitet als freiberuflicher Journalist und ist ausgebildeter Politikwissenschaftler.
Foto: Sascha Priesemann

„Es ist ideal für Pendler. Es lässt sich ohne Zeitverzögerung mit dem öffentlichen Nahverkehr verknüpfen“, erklärt Bettin. Mit seinem Faltrad könnten schließlich unnötige Autofahrten vermieden werden. „Die Straßen sind katastrophal voll“, sagt Bettin. Und genau das hat bereits einige Interessenten aus den USA oder Japan auf den Plan gerufen. Sie glauben, dass das Kwiggle die Mobilitätsprobleme in ihren überfüllten und verdichteten Städten lösen könnte.

Kwiggle Faltrad

Bis sich das Kwiggle tatsächlich auf dem Markt bewähren kann, wird noch ein bisschen Zeit ins Land ziehen. Im Sommer plant Bettin den offiziellen Verkaufsstart. Seine ambitionierte Crowdfounding-Kampagne im Winter war nicht erfolgreich, doch der Tüftler hat genug Geld beisammen, um mit der Produktion zu starten. Rund 1.500 Euro soll das kleine Faltrad kosten. Interessenten gibt es reichlich: „Viele Menschen haben uns bei der Crowdfounding-Kampagne mitgeteilt, dass sie von der Idee begeistert sind, es gerne aber vorher einmal testen wollen“, sagt Bettin.

Von der Idee zum Prototypen

Die Idee für sein ungewöhnliches Faltrad kam Bettin, als er vor sieben Jahren die Tour de France sah und die Fahrer beim Anstieg aus den Sätteln gingen. Der Maschinenbauingenieur fragte sich, warum sich die Sportler so schwer taten. „Ich habe gemerkt, dass dabei viel Energie verloren geht“, stellte Bettin fest und begann ein Fahrrad zu zeichnen, das sich leichter im Stehen fahren lässt. „Dabei ist mir aufgefallen, dass das sehr kompakt ausfallen wird.“ Nun wollte er ein Faltrad bauen, dass im Handgebäck mitfliegen kann. Das brachte neue Probleme mit sich. Zum Beispiel gab es noch kein passendes Antriebssystem für kleine Räder. Vier Jahre arbeitete Bettin deshalb an seinem Prototyp, den er seit 2013 weiter verbessert hat. Insgesamt sind fünf Patente verbaut.

Kwiggle Faltrad (c) Sascha Priessemann

Karsten Bettin auf seinem Kwiggle Bike. Foto: Sascha Priesemann

Wer sich zu einer Probefahrt auf das Kwiggle setzt, der ist auf den ersten Metern zunächst irritiert. Der Lenker ist nahe am Körper dran und der Sattel ist nicht fest montiert, sondern schwingt auf einem Ausleger während der Fahrt passend zur Bewegung nach links und rechts. Nach wenigen Minuten, hat man sich aber an das neue Fahrverhalten gewöhnt und beschleunigt problemlos auf 20 km/h. Aufpassen muss man allerdings bei Hindernissen wie Steinen oder Bordsteinkanten, sie können beim Kwiggle mit seinen kleinen Laufrädern schnell zum Sturz führen.

Klein, kompakt und gesund

Neben der Kompaktheit hat das Fahrrad aber noch einen weiteren Vorteil: Es ist gut für den Rücken, da durch den flexiblen Sattel die Rückenmuskulatur trainiert wird und der Nutzer nicht wie beim herkömmlichen Fahrrad auf dem Sattel sitzt. „Das Kwiggle passt mehr zur Anatomie des Menschen als das normale Fahrrad“, sagt Bettin. Einige Orthopäden hätten sich das Rad deshalb schon interessiert angeschaut. „Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. Besonders für Menschen, die Probleme mit den Bandscheiben haben, könnte das Kwiggle daher eine Alternative sein“, sagt Bettin.

Im Frühsommer will der Hannoveraner in seiner Heimatstadt einen Laden eröffnen, wo das Kwiggle auch Probe gefahren werden kann. Bis dahin arbeitet Bettin weiter an seinem Faltrad, damit es sich noch einfacher fahren lässt.

Sascha Priesseman_square
Bei seinen Kollegen sorgt Sascha Priesemann regelmäßig für Kopfschütteln, weil er selbst beim schlechtesten Wetter noch mit den Rad zur Arbeit fährt. Auch auf den täglichen Arbeitswegen gehört das Fahrrad zum Alltag des Hannoveraners: Er arbeitet als freiberuflicher Journalist und ist ausgebildeter Politikwissenschaftler.

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Kommentare
  • thomas busch

    sehr gerne möchte ich eine probefahrt machen ( raum kiel) und wüsste gerne,wann die elektovariante (oder umrüstbar) geplant ist? freundlichst, thomas busch

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