Das urbane Fahrradmagazin

Hamburg belohnt Radfahrende Teil #2: Ein Indikator für den Wandel sind die Gegenreaktionen

Hamburg macht mobil. Fahrrad mobil! In einer dreiteiligen Interview-Serie gewähren die Stadt Hamburg, der ADFC und die Bike Citizens selbst informative und persönliche Einblicke in die gemeinsame Bike Benefit Kampagne und die große Fahrrad-Vision für Hamburg.

Elli
Als Orientierungs-Chaotikerin mit Leidenschaft zum Radfahren entwickelte sich die Bike Citizens App für Elisabeth schnell zum treuen Wegbegleiter in Berlin. Seit nunmehr zwei Jahren ist sie Teil des Bike Citizens Team in Graz und bastelt selbst als Head of Communications an den neuen Ideen und Projekten mit.
Foto © ADFC Hamburg

Teil #2: Bike Citizens im Gespräch mit Johanna Drescher vom ADFC Hamburg

Neue Abstellanlagen, Radschnellwege und  Ausbau des Fahrradverleihsystems StadtRAD: es tut sich etwas in Hamburg. Mittendrin setzt sich der ADFC Hamburg und dessen Geschäftsstellenleitung, Johanna Drescher, für eine fahrradfreundliche und damit lebenswertere Hansestadt ein.

Frau Drescher, ist Hamburg im Wandel? Spüren Sie Aufwind?
Johanna Drescher (JD): Ja, Hamburg ist definitiv im Wandel. Überall tauchen neue Radfahrstreifen oder Fahrradstraßen auf und immer mehr Kreuzungen werden umgebaut. Auch an der Heftigkeit der Gegenreaktionen kann man ablesen, wie sehr sich die Stadt gerade ändert. Gleichzeitig kriegen wir aber auch die große Ungeduld der Radfahrenden zu spüren, die sich immer noch jeden Tag über schlechte Ampelschaltungen, schmale, holprige Radwege und den Vorrang des KFZ-Verkehrs an vielen Stellen ärgern müssen. Aus unserer Sicht muss das Ganze also noch mehr Fahrt aufnehmen. Gerade mit Hinblick auf den Klimawandel müssen ÖPNV, Fahrrad und zu Fuß gehen noch mehr Priorität bekommen.

 

Welchen Beitrag hat das Bike Benefit Programm der Bike Citizens geleistet?
JD: Bike Benefit hat die Lust geweckt Rad zu fahren! Ich finde, das geht in der alltäglichen Debatte um die Verkehrspolitik oft verloren: Radfahren macht einfach Spaß. Außerdem finde ich es wichtig Routing-Apps für’s Rad bekannt zu machen, denn viel zu viele Menschen radeln einfach den Weg, denn man mit dem Auto auch nehmen würde – immer an der Hauptstraße lang. So verpassen sie grüne Schleichwege oder autoarme Fahrradstraßen.

 

 

“Die Bike Benefit Kampagne hat die Lust geweckt Rad zu fahren! Ich finde, das geht in der alltäglichen Debatte um die Verkehrspolitik oft verloren.”

Wer fährt in Hamburg Rad? Wie verteilen sich die Mitgliederzahlen bei Ihnen? Spüren Sie den Aufwind auch dort?
JD: Wir spüren in diesem Jahr tatsächlich einen Aufwind bei den Mitgliederzahlen. Viele Menschen denken, beim ADFC würden sich die radikalen Schnellradler engagieren. In echt sind wir jedoch eine ziemlich gemischte Truppe aller Altersgruppen. Viele kommen zu uns, weil sie unsere Radtouren lieben. Andere sind nur Mitglied, weil sie eine politische Vertretung wünschen.

 

Was lobt die radfahrende Bevölkerung in Hamburg am meisten?
JD: Ganz klar: das StadtRAD! Wir führen gerade wieder unseren großen ADFC Fahrradklima-Test durch. Auf Fahrradklima-test.de kann jeder Schulnoten in seiner Heimatstadt für Radwegen, Sicherheit, Verkehrspolitik vergeben. StadtRAD hat in der Vergangenheit stets eine 1 oder 2 bekommen – alle anderen Bereiche wurden deutlich schlechter benotet. Die Gesamtnote beim letzten Klimatest 2016 war eine 4,19!

Die Hamburger und Hamburgerinnen lieben ihr StadtRAD

Der Bike Citizens Online-Routenplaner zeigt alle StadtRAD Station und berechnet die Route zur nächsten freien Station © Bike Citizens

Wo gibt es Unzufriedenheit und Kritik?
JD: Die Infrastruktur insgesamt wird beim Fahrradklima-Test gar nicht so schlecht bewertet. Aber die Breite der Radwege und -streifen, die Oberflächen, die Reinigung, Ampelschaltungen und Baustellenumleitungen bekommen eine glatte 5. Auch die Frage, wie sicher oder komfortabel man in Hamburg Rad fahren kann, bekommt ein „mangelhaft“.

“Im Herbst und Winter sind die Radwege so schön leer.
Da fährt es sich besonders gut!”

Die Sommerradfahrer und -fahrerinnen stellen die Räder so langsam in den Keller. Was tut Hamburg und der ADFC, um die Menschen auch über die kälteren Monate zum Radfahren zu motivieren?
JD: Ja, im Herbst und Winter sind die Radwege so schön leer. Da fährt es sich besonders gut! (schmunzelt) Wir versuchen bei Vorträgen, mit Flyern und auf Infoständen zu vermitteln, dass man mit guter Ausrüstung problemlos weiter radeln kann. Viele haben noch nie von Winterreifen für’s Rad gehört!

 

Welche drei Maßnahmen würden Sie als erstes umsetzen, wenn Sie das nötige Budget und alleinige Entscheidungsmöglichkeit hätten?
JD: Schwierige Entscheidung… Tempo 30 innerorts, Vorfahrt für den Radverkehr auf den Velorouten und 3 m breite Radstreifen.

Vielen Dank für das Interview! Noch mehr Infos rund um Hamburgs große Fahrradvision gibt es in unserer Interview-Serie.

Interview-Serie:

Wenn sich das Rad an der Elbe dreht

Teil #1: Kirsten Pfaue, Radverkehrskoordinatorin Hamburg: Wenn sich das Rad an der Elbe dreht
Teil #2: Johanna Drescher, ADFC Hamburg: Ein Indikator für den Wandel sind die Gegenreaktionen

Teil #3: Andreas Stückl, CEO Bike Citizens Germany (folgt)

Elli
Als Orientierungs-Chaotikerin mit Leidenschaft zum Radfahren entwickelte sich die Bike Citizens App für Elisabeth schnell zum treuen Wegbegleiter in Berlin. Seit nunmehr zwei Jahren ist sie Teil des Bike Citizens Team in Graz und bastelt selbst als Head of Communications an den neuen Ideen und Projekten mit.

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