Das urbane Fahrradmagazin

Die grüne Welle und andere smarte Ideen für Radfahrende

Eine Reihe von Innovationen an geregelten Kreuzungen versprechen Zeitersparnis und mehr Sicherheit für Radfahrer. An Ampelanlagen hat sich in den letzten Jahren viel Positives für den Radverkehr getan: Von grünen Wellen bis Regensensoren.

David Zotter_square
Schreiben über, schrauben am, reisen mit und leben vom Fahrrad. Das tue ich vorzugsweise in meiner Geburtsstadt Graz. Und wenn es sich ausnahmsweise einmal nicht ums Fahrrad dreht, findet man mich auf der Uni oder unterwegs mit meinem kleinen Sohn, nun ja, am Lastenrad.
Foto: David Zotter

Simple, kostenschonende Lösungen an geregelten Kreuzungen

Die große Herausforderung an geregelten Kreuzungen in Städten ist es, sie sicherer zu machen, zugleich aber den Verkehrsfluss zu erhalten und dabei möglichst alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen zu berücksichtigen. Daher sind Lösungen gefragt, die für Fußgänger, den Radverkehr sowie den motorisierten Verkehr von Vorteil sind.

Den Radverkehr betreffend erreicht man das beispielsweise durch mehr Raum für diesen unmittelbar vor Ampelanlagen. Die eigens für Fahrräder markierte Aufstellfläche vor den motorisierten Verkehrsteilnehmern machen diese sichtbarer und zugleich sicherer. Damit werden einige klassische Konflikte im geregelten Kreuzungsbereich gelöst, da der Platz klar aufgeteilt ist.

Auch eigene, kleinere Ampeln fördern den Radverkehr langfristig. Sie sind praktischerweise auf Augenhöhe der Radfahrenden montiert. Zudem kann die Ampelschaltung genau auf das Tempo der Radler abgestimmt werden, das sich von dem des Kfz-Verkehrs und der Fußgänger unterscheidet. Vorteile sind:

  • längere Grünphasen, als jene der Passanten
  • sowie das dreifärbige Signallicht,
  • die mehr Sicherheit bietende zeitlich vorversetzte Grünschaltung vor dem motorisierten Verkehr und
  • dadurch auch kürzere Wartezeiten.

Längere Grünphasen durch Regensensoren

Die Niederlande zeigen besonders durch technische Innovationen wie Regensensoren im Ampelbereich auf. Die Städte Rotterdam und Groningen wollen den Radverkehr auch an regnerischen Tagen fördern. Wenn es regnet oder schneit bekommen Radfahrer längere Grünphasen. Möglich macht das ein Infrarotsensor, der sogar die Intensität des Niederschlags messen kann und so die Ampelschaltung beeinflusst.

Grüne Welle für Radfahrer

Die Dichte an Ampeln hat in Städten in den letzten Jahren stark zugenommen. Dadurch wird auch das schnelle Vorankommen mit dem Fahrrad zumindest subjektiv gebremst. Eine Lösung wäre eine grüne Welle für Radfahrer, die vor allem bei längeren Radwegen, so genannten Fahrrad-Superhighways oder viel befahrenen Routen durch urbane Zentren sinnvoll sind. Das dadurch garantierte schnellere und angenehmere Vorwärtskommen kann nur dann funktionieren, wenn es eine intelligent vernetze Ampelschaltung gibt.

Vor allem für Radwege, die von Vororten in das städtische Zentrum führen, bringt das große Zeitersparnisse. Hier zeigen Dänemark beziehungsweise die Niederlande mit zwei Lösungen auf: Wer die 22 km lange Strecke zwischen Kopenhagen und Albertslund (2012 eröffnet) in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde zurücklegt, erlebt eine wahre Grünphase auf der gesamten Strecke. Eine weitere Lösung sind interaktive LED-Leisten neben den Radwegen vor Ampeln, die in Utrecht getestet werden. Ein grünes Licht bewegt sich auf der LED-Leiste neben dem Radfahrer genau in jener Geschwindigkeit, mit der man die Ampel in ihrer Grünphase erreicht.

Smarte Ideen der Zukunft

Kopenhagen will acht Millionen Euro für ein noch flüssigeres Vorankommen mit dem Fahrrad investieren. Die Idee ist ganz einfach: Wollen viele Radfahrer eine Kreuzung überqueren, soll die Grünphase ein paar Sekunden länger dauern. Erkennen will man das über die Wifi- oder Bluetooth-Signale der Mobiltelefone der Radler. Dadurch entstehen „kluge Ampeln“, die auf die Radfahrerdichte schnell und einfach reagieren können.

Grüne Welle selbst steuern

Aber nicht nur in den führenden Fahrrad-Hauptstädten erlebt man innovatives Schaffen. In Wien wurde im vergangenen Jahr ein Feature für die Fahrrad-App von Bike Citizens im Rahmen eines Forschungsprojekts erprobt. Die Funktion nennt sich „Bike Wave Buddy“ und zeigt mittels eines farbigen Balkens visuell, ob man die nächste Ampel mit der aktuellen Fahrtgeschwindigkeit in einer Grün- oder Rotphase erreicht. Das Besondere dabei ist, dass „Bike Wave“ lernfähig ist. Durch seine Nutzer merkt sich das Feature die einzelnen Ampelphasen. Daten, die nicht einmal die Behörden besitzen, werden dadurch zu einem allgemeinen Vorteil für Radfahrer verwertet.

Entwicklungen dieser Art machen das Radfahren nicht nur sicherer, sondern auch sehr viel attraktiver. Es gibt aber noch viele weitere Ideen im geregelten Kreuzungsbereich, die auf eine Verwirklichung warten. Man darf also gespannt in die Zukunft blicken und bei Grün fest in die Pedale treten!

 

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Schreiben über, schrauben am, reisen mit und leben vom Fahrrad. Das tue ich vorzugsweise in meiner Geburtsstadt Graz. Und wenn es sich ausnahmsweise einmal nicht ums Fahrrad dreht, findet man mich auf der Uni oder unterwegs mit meinem kleinen Sohn, nun ja, am Lastenrad.

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