Das urbane Fahrradmagazin

Goldsprint und Roller Racing – populär und kein Hype der Neuzeit

Goldsprints sind adrenalingeladen, schnell und rekordverdächtig. Ihren Ursprung haben diese indoor Radsport-Events in der Fahrradkurier-Kultur. Doch nicht nur die Fahrradindustrie nutzt Goldsprints als Marketinginstrument.

TanjaHaiden_square
Sportskanone und Adrenalinjunkie und wie sie selbst sagt, bestens ausgestattet mit einem positiven Glückskind-Syndrom. Neben zahlreichen sportlichen Aktivitäten locken sie vor allem kreative Arbeiten. Im Job tobt sie sich deshalb mit Leidenschaft im Bereich Marketing und Kommunikation aus.

Was ist ein Goldsprint?

Goldsprints sind soziale statische Radsport-Events. Bereits in den 1930igern wurden Goldsprints oder „Roller Racing“ sehr populär. Beide bezeichnen Fahrradrennen auf einem Walzensystem. Das erste patentierte System wurde 1983 von Arthur Lionel Knighten entwickelt. Die Ausstattung bei Goldsprints variiert, aber die Basis sind immer echte Fahrräder auf Rollen. Die Gegner treten heute wie damals in der Regel indoor auf stationären Fahrrädern für eine festgelegte Strecke an. Kopf an Kopf wird in trendigen Clubs und verschiedenen Orten bei sehr hohen Geschwindigkeiten und in Anwesenheit aufgeregter Fans und gespannter Zuschauer um die Wette geradelt.

Wiegetritt und Fahrverhalten entsprechen bei Goldsprints der Realität. Das Besondere daran ist, dass die Räder frei beweglich sind und dem Rennfahrer dadurch ein sehr authentisches Fahrgefühl geben. Die Geschicklichkeit der Fahrer ist stets gefordert und auch der Fahrspaß kommt nicht zu kurz.

goldsprint

Woher kommt der Name Goldsprint?

Während Rollenrennen unter dem Begriff „Roller Races“, ihren Ursprung am Anfang des Radsports haben, etablierten sich Goldsprints vor allem mit dem Aufkommen der Fahrradkurier-Kultur. Es begann in Zürich im Rahmen der Fahrradkurier-Weltmeisterschaft 1999. Adrien Weber, passionierte Radfahrerin und Besitzern von TurbinenBräu in Zürich gab dem Event den Namen „Gold-Sprint“, in Anlehnung an ihre gleichnamige Biermarke.

Traditionelle Rollenrennen vs. Goldsprints

Bei traditionellen Rollenrennen muss der Fahrer balancieren. Bei Goldsprints werden „forkstands“ verwendet, dh. der Fahrer muss keinen Ausgleich machen sondern konzentriert sich darauf, so schnell als möglich in die Pedale zu treten. Somit kann jeder Goldsprints probieren. Fortgeschrittene Goldsprint-Gruppen suchen mehr Herausforderung indem sie traditionelle Rollen ohne forkstands hinzufügen.

Drei Goldsprint-Systeme

Grundsätzlich unterscheidet man elektronische und mechanische Goldsprint Systeme. Goldsprints verfügen über 2D- und 3D-Visualisierungen. Elektronisch wird mit einem Tachosensor (in der Regel ein Reed-Schalter, Hall-Effekt-Sensor oder eine Lichtschranke) gesteuert und Visualisierungen digital auf einen Bildschirm projiziert. Mechanisch erfolgt der Antrieb durch benutzerdefinierte Riemen und Riemenscheiben und eine physische Uhr oder Anzeige zeigt den Fortschritt der Fahrer an. Als dritte Variante des Goldsprints gibt es noch den Vinylsprint, eine Mischung aus dem mechanischen und elektronischen System.

Legenden und Rekorde

Seit der Entstehung der Goldsprints 1930 werden immer neue Rekorde und Spitzengeschwindigkeiten erreicht. Legendär ist der 12-Stunden Roller-Race Rekord von 1968. Der Harlow Cycling Club hatte das Glück einen Ingenieur unter seinen Mitgliedern zu haben. Ken Mauer machte 1961 das schnellste Roller-Racing-System. Während herkömmliche Rollentrommeln aus Stahlblech hergestellt wurden, machte Ken seine aus Holzlatten. Gedreht wurden sie in einer Drehmaschine um perfekt rund zu sein. Heute, fünfzig Jahre später, sind diese Rollen nach wie vor Benchmark für jeden, der schnelle Roller für Wettbewerbe bauen will.

Am 20. Juli 1968 trat das sechsköpfiges Vereinsteam des Harlow Cycling Club rund um Ken Wall, Eric Beachamp, Bob Clifton, Cliff Nicholson, Bob Aucherlonie und Rod Scott für den 12-Stunden-Weltrekord im Harlow Town Centre an. Das Team erreichte erfolgreich einen Guinness Rekord von 554 Meilen und 1.595 Metern. Dies entspricht 46 ¼ Meilen pro Stunde oder knapp 7 ¾ Meilen pro Fahrer alle 10 Minuten.

Goldsprint-Rekorde und Champions gibt es einige. Unglaubliche Spitzenleistungen erreichten z.B. Weltrekordfahrer James Bowthorpe oder Manfred Nüscheler. Letztere erzielte 1995 eine maximale Spitzenleistung von 2.378 Watt für 3 Sekunden. Zum Nachlesen: Mehr Infos zu den Rekorden.

Veranstaltungsformat und Goldsprint-Events

Goldsprint-Events sind nicht nur in der Fahrradindustrie ein beliebtes Marketinginstrument. Marken wie Specialized aber auch Adidas, Levi´s oder 42 BELOW vodka (Bacardi) nutzen Goldsprints für Ihre Werbezwecke. Über das Format bei Goldsprint-Events entscheidet der Veranstalter. Der häufigste Ablauf ist eine Qualifikationsrunde und dann eine Reihe von KO-Runden, bis ein Klassensieger festgelegt wird.

Goldsprint auf der Berliner Fahrradschau. Foto: Rene Zieger

Es entwickelten sich unterschiedliche Goldsprints wie z.B.: Kreitler Roller Stations, West Coast Goldsprints Roller Racing, OpenSprints, Goldsprints FX, Koers op Rollen und Rollapaluza. Letztere stellen wir in diesem Beitrag näher vor.

Wie funktioniert ein Rollapaluza Rennen?

Zwei Teilnehmer fahren ein Rennen über 500 Meter auf von Rollapaluza speziell dafür entwickelten fest installierten Rennrädern. Ihre Zeiten werden während des Rennens auf einer riesigen Anzeigetafel sekundengenau digital angezeigt. Die Fahrer werden angefeuert von einer begeisterten Menge von Zuschauern und unterstützt von fetziger Musik. Wie ein Rollapaluza Rennen live aussieht erfährst Du in diesen Beiträgen: Video1, Video2, Video3.

Fazit

Goldsprints sind populäre Radsport- und Marketing-Events mit historischem Charakter. Fans hoher Geschwindigkeiten und Adrenalinjunkies sollten sich dieses besondere Radrennen-Format nicht entgehen lassen – ob als Zuseher oder Rennfahrer. Wer jetzt Lust darauf bekommen hat, dem wünschen wir einen rekordverdächtigen „golden sprint“ – enjoy your race rides!

TanjaHaiden_square
Sportskanone und Adrenalinjunkie und wie sie selbst sagt, bestens ausgestattet mit einem positiven Glückskind-Syndrom. Neben zahlreichen sportlichen Aktivitäten locken sie vor allem kreative Arbeiten. Im Job tobt sie sich deshalb mit Leidenschaft im Bereich Marketing und Kommunikation aus.

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