Das urbane Fahrradmagazin

Gestohlene Fahrräder und Unfälle: Das Fahrrad in der Presse

Entdeckte man noch vor nicht allzu langer Zeit in einer Tageszeitung einen Beitrag über das Radfahren – der sich nicht als Werbung eines Sportartikelhändlers entpuppte – so ging‘s meistens um gestohlene Fahrräder und Unfälle mit Radfahrerbeteiligung.

Außerhalb des Sportteils war dies lange Zeit die einzige Art der Fahrradberichterstattung. Das Höchste der Gefühle waren Tipps zum Fitmachen des Rades für den Winter. Doch selbst diese Berichte standen unter dem Aspekt des Sportes und betrafen hauptsächlich das rostfreie Einwintern des Fahrrads. Das Rad wurde ausschließlich als Sportgerät gesehen und nicht als ernstzunehmendes Verkehrsmittel, das zur Lebensqualität in unseren Städten beiträgt.

Bezeichnend ist auch, dass Nachrichten zu Rädern oft immer noch unter der Rubrik „Auto“ oder „Automobil“ rangieren. Fahrradmobilität wird dadurch zu einem Nebenschauplatz degradiert.

Größere Perspektive

Mittlerweile hat sich die Art der Fahrradberichterstattung etwas erweitert. Es gibt sie inzwischen auch außerhalb der Fachpresse: Die Meldungen zu alternativem Transport und Fahrradkultur. Bewusst schreibe ich hier „erweitert“ und nicht gewandelt: Denn die Dichte an einschlägigen Berichten über gestohlene Fahrräder und Unfälle ist dennoch konstant.

Regionalmedien haben Potential

Dabei könnten gerade lokale Medien eine besondere Rolle einnehmen. Denn hier gibt es ja ein regionales Detailwissen, dass man nützen könnte, um Bewusstsein zu schaffen. Risikoreiche Verkehrszonen oder Tipps und Tricks zu Radwegen und sicherem und schnellem Vorankommen in der eigenen Stadt haben durchaus eine Leserschaft. Dabei verfolgt gerade die kommunale Politik die Berichterstattung in kleinen Blättern genau. So können selbst kleine Zeitungen einen Unterschied machen.

gestohlene Fahrräder

Allmählicher Wandel

Unterdessen macht sich ein Wandel in den Nachrichten über das Fahrrad bemerkbar. Das Aufkommen einer neuen Fahrradkultur in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass auch große Medienhäuser den Trend zur Fahrradmobilität nicht mehr ignorieren.

Das Rad wird zunehmend als nachhaltige Verkehrsoption in der Stadt ernst genommen. Vermehrt erscheinen nun auch Berichte über positive Entwicklungen in Raum- und Stadtplanung. Und hier nicht bloß über die Fahrradmekkas Kopenhagen und Amsterdam. Mittlerweile haben sich viele Städte dem Fahrrad als Lösung ihrer Verkehrsprobleme angenommen. Das jüngste Beispiel ist hier London, das mit dem geplanten Bau von Fahrradhighways und Untergrundstrecken viel mediale Aufmerksamkeit erntet.

Das Fahrrad hat immer Saison

Selbst die saisonalen Tipps und Tricks zum Fitmachen des Rads für die jeweilige Jahreszeit haben sich auf die Ganzjahresnutzung des Rads erweitert. Und dass sich große Zeitungen dem Fahrradlifestyle angenommen haben, beweisen Tipps zur Gewichtsreduzierung beim Radfahren.

Verglichen mit Nachrichten über das Auto ist die Fahrradberichterstattung, selbst dort wo sie heute ihren Platz abseits von Unfall und Diebstahl hat, leider noch immer Nischenberichterstattung. Die Potenziale und die Märkte aber sind da. Wir werden in den kommenden Jahren auch in unseren Tageszeitungen immer mehr über das Rad lesen.

Foto © Bike Citizens & © Chris Dustin / Flickr

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