Das urbane Fahrradmagazin

Gestern Bahnstrecke, heute Panoramaradweg

Bahntrassenwege sind unter Radfahrern eine Art „Everybody's Darling“. Familien, Tourenradler und auch sportliche Radfahrer schätzen diese Routen sehr, denn sie haben einige Besonderheiten zu bieten.

Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.
Image © City Heilighausen

„Viele dieser komfortablen Radwanderwege überbrücken große Distanzen fernab vom motorisierten Verkehr – und das sogar innerhalb von Ballungsgebieten. Oft wurden die alten Tunnel und Viadukte in die Radwege mit einbezogen, sodass sich auch größere Höhenunterschiede bei bahntypischen Steigungen von wenigen Prozent bequem meistern lassen” schreibt Achim Bartoschek dazu auf seiner Website. Der passionierte Radler aus Leverkusen beschäftigt sich seit etwa zwölf Jahren intensiv mit Radwegen auf ehemaligen Eisenbahntrassen in Deutschland und ganz Europa. Seines Wissens sind bisher 850 solcher Wege in 23 europäischen Ländern erfasst, in Deutschland sind es weitere 670 Bahntrassenradwege. Über 1000 Kilometer davon gibt es laut Verkehrsministerium allein in Nordrhein-Westfalen.

Der Panoramaradweg Niederbergbahn ist eine Radtour wert

Einige Bahnrouten, die als besonders attraktiv gelten, werden auch als “Panorama-Radwege” ausgezeichnet. Einer davon ist der im Sommer 2011 eröffnete Panoramaradweg Niederbergbahn. Die 40 km lange abwechslungsreiche Strecke von Heiligenhaus über Velbert und Wülfrath bis nach Haan hat nicht nur für Naturliebhaber ihre Reize. Denn entlang der Trasse lassen sich auch eindrucksvolle Zeugnisse der Ingenieurs- und Baukunst aus den vergangenen 100 Jahren erkunden, darunter zahlreiche Brücken und drei denkmalgeschützte Viadukte, von denen man eine beeindruckende Aussicht in die Landschaft hat. In Heiligenhaus geht es zudem an der deutschlandweit einzigartigen und illuminierten Waggonbrücke vorbei, bei der ein offener Güterwaggon auf die vorhandenen Brückenfundamente gesetzt wurde.

 

Trotz der hügeligen Landschaft des Neanderlandes lässt es sich auf dem Panoramaradweg wunderbar entspannt radeln. Die Route führt über eine ehemalige Bahntrasse, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurde. Damals wurde die Eisenbahnstrecke der Niederbergbahn für die Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung in der Region genutzt. Um Personen und Güter problemlos darauf transportieren zu können, durften die Steigungen nur gering sein. Heute kommt das den Radfahrern, Inlineskatern und Wanderern auf der (meist drei Meter breiten) Asphaltstrecke sehr zugute.

Sehenswertes abseits der Radstrecke

Auch Abstecher abseits der Strecke lohnen sich. Die Städte entlang der Route locken mit landschaftlichen Reizen und kulturellem Angebot. Im Heiligenhauser Ortsteil Abtsküche z.B. stehen gleich drei Museen zur Auswahl: die Heimatkundliche Sammlung im Museum Abtsküche, das Feuerwehrmuseum und das Waldmuseum. Lohnenswert ist auch ein Besuch des idyllischen Herminghausparks (entstanden 1887) mit altem Baumbestand, einem großen Spielplatz und mehreren Tiergehegen mitten in Velbert. Wer sich für historische Sicherheitstechnik interessiert, sollte einen Stopp beim Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum im Velberter Forum Niederberg einplanen (die Fertigung von Schlössern und Schlüsseln hat in Velbert seit dem 16. Jahrhundert Tradition). Eine Zeitreise durch 400 Millionen Jahre Erdgeschichte kann man im Wülfrather Zeittunnel, einem 160 m langen ehemaligen Verbindungsstollen der Kalkindustrie unternehmen.

Illuminated_Waggonbridge_in_Heiligenhaus_Panoramaradweg

Image © City Heilighausen

Etwa 28 km des Panoramaradwegs verlaufen auf der Bahntrasse. Die restliche Strecke vom Südende der Bahntrasse an der Stadtgrenze Wuppertal/Velbert bindet die Route zur Korkenziehertrasse an. Dieser Abschnitt führt mit einigen Hügeln landschaftlich sehr attraktiv über Wirtschaftswege im oberen Düsseltal. Der Panoramaradweg Niederbergbahn ist eine Teilstrecke des insgesamt 300 km langen, überregionalenbergischen Panoramaradwegenetzes. Er ist mit weiteren Radwegen wie dem Ruhrtalradweg bei Essen-Kettwig, dem Europa-Radweg bei Wülfrath oder der Kaiser-Route (Paderborn – Aachen) verknüpft. Diese Vernetzung, die in Deutschland noch relativ neu ist, macht ihn besonders attraktiv. “Anfragen zu Mehrtagestouren kommen aus einem Umkreis von ca. 200 km, auch aus den Niederlanden”, sagt Martina Mauden von der Kreisverwaltung Mettmann.

Foto © Stadt Heiligenstadt

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Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.

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