Das urbane Fahrradmagazin

Gesetz, Mythos, Missverständnis: Radfahrende im Straßenverkehr – was man wissen muss!

Immer wieder gibt es Konflikte im alltäglichen Straßenverkehr. Besonders weil sich viele Irrtümer über die Rechte von Radfahrenden im Verkehr hartnäckig halten. Radfahrende, aufgepasst! Der pressedienst‐fahrrad wirft einen Blick auf die populärsten Irrtümer und trennt Rechtsmythos vom Gesetz. Wie gut kennst du dich aus? (Anm. d. Red.: Es handelt sich um Deutsches Verkehrsrecht!)

bremsen-drinnen-fahrrad-158286
Der pressedienst‐fahrrad (PD-F) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem guten Fahrrad(fahren) mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Bike Citizens finden das super und stützen sich in diesem Artikel auf Infos und Daten aus dem Hause PD-F.
Auch nebeneinander Fahren ist erlaubt - aber nicht immer! Weißt du, wann es okay ist? © Bike Citizens / Swen Siewert

Populärer Rechtsmythos oder Gesetz? 
Mach jetzt den Selbsttest und prüfe dein Fahrradwissen! 

Radfahrende dürfen Autos rechts NICHT überholen

MYTHOS! Das Rechtsüberholen an Ampeln oder im Stau sorgt schnell für Verstimmungen auf der Straße – vor allem dann, wenn sich Radfahrende durch die entstehenden Lücken schlängeln und schneller vorankommen.

Und: Das ist vollkommen legal. „In §5 der Straßenverkehrsordnung steht: Radfahrer dürfen wartende Fahrzeuge mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen“, erklärt Claudia Schulze‐Domnick, Partner‐Anwältin der Rechtsberatung Bikeright.

 

Radfahrende gehören NICHT auf die Fahrbahn

MYTHOS! Fahrräder sind Fahrzeuge und gehören deshalb grundsätzlich auf die Fahrbahn. „Ausnahmen sind lediglich Radwege, die mit einem blauen Verkehrszeichen gekennzeichnet sind. Die Beschilderung schreibt eine verpflichtende Nutzung vor und ist im Straßenverkehr eher die Ausnahme als die Regel“, so Schulze‐Domnick weiter.

Konkret handelt es sich dabei um die Verkehrszeichen 237 (Radweg), 240 (gemeinsamer Fuß‐ und Radweg) sowie 241 (getrennter Fuß‐ und Radweg).

Gut zu wissen: Übrigens muss auch ein ausgeschilderter Radweg nicht benutzt werden, wenn er nicht befahrbar, unzumutbar oder nicht straßenbegleitend ist. Hier gibt’s mehr Wissen zum Thema “Verkehrszeichen für Radfahrende“.

Radfahrende dürfen NICHT auf dem Gehweg fahren

GESETZ! Das ist korrekt, es gibt jedoch Ausnahmen. Kinder bis acht Jahre müssen und bis zehn Jahre dürfen auf dem Gehweg fahren.

Ein Erwachsener darf ein Kind dabei auf dem Gehweg radelnd begleiten. Die Regelung ist seit Anfang 2017 gültig und gewährleistet einen stetigen Blickkontakt zwischen Begleitperson und Kind. Dabei ist besondere Rücksicht auf Fußgänger und Fußgängerinnen  geboten.

Gut zu wissen: In Österreich ist es Eltern nach wie vor nicht gestattet ihren Nachwuchs auf dem Gehweg zu begleiten. Bike Citizens plädieren für eine Anpassung des Gesetzes! Lies mehr zum Thema “Auf dem Gehweg Rad fahren“.

Rechts überholen fahrrad straße ampel auto

Rechts am Stau mit dem Rad Vorbeischlängeln ist okay.  © pd-f / Kay Tkatzik

Fahrradweg Radweg Pflicht Straße

Wusstest du, dass Radwege nicht immer benutzt werden müssen?  © pd-f / Kay Tkatzik

Fahrrad Kind Gehweg

Nur zusammen mit Kindern bis acht Jahren dürfen Erwachsene auf dem Gehweg radeln. © pd-f / Kai Tkatzik

In der Fußgängerzone müssen Radfahrende schieben

MYTHOS!  Das Verkehrszeichen 242.1 für Fußgängerzone enthält zwar ein Radfahrverbot und wer sich nicht daran hält, riskiert ein Verwarnungsgeld von 15 Euro.

Aber:„Man darf sein Fahrrad als Tretroller nutzen. Die Gefährte gelten laut Gesetz nicht als Fahrzeuge, sondern als Fortbewegungsmittel, die zum Fußverkehr zählen. Sie dürfen deshalb auch auf Gehwegen genutzt werden“, erklärt Anwältin Schulze‐Domnick von Bikeright.

Dafür dürfen Radfahrende  weder im Sattel sitzen noch die Pedale zum Antrieb nutzen. Erlaubt ist lediglich eine Fortbewegung, bei der man mit einem Fuß auf einem Pedal steht und sich mit dem anderen Fuß vom Boden abstößt. Die Hände gehören allerdings an den Lenker.

Gut zu wissen für rollernde Radfahrende: Vorsichtig unterwegs sein und keine zu Fuß gehenden belästigen. Ansonsten droht ein Verwarnungsgeld.

Für Radfahrende gilt Rechtsfahrgebot

GESETZ! Allerdings bedeutet Rechtsfahrgebot nicht, dass Radfahrende sich komplett rechts an den oft unebenen Fahrbahnrand drängen lassen müssen und sich dabei selbst in Gefahr bringen, zB. durch Dooring, also Unfälle durch unachtsam geöffnete Autotüren.

Der Gesetzgeber schreibt lediglich „möglichst weit rechts“. In diversen Gerichtsurteilen wird zu einem Mindestabstand zum Fahrbahnrand von ca. 80 Zentimetern geraten.

Gut zu wissen: Bei dichtem Verkehr kann der Abstand je nach Situation auch nur 40 Zentimeter betragen, bei hohen Bordsteinen, tiefen Gullydeckeln oder anderen Störern auf der Fahrbahn kann je nach Situation auch mehr als ein Meter Sicherheitsabstand nötig sein.

Radfahrende dürfen Zebrastreifen benutzen

MYTHOS! Fahrradfahrende dürfen einen Zebrastreifen nicht mit dem gleichen Vorrecht wie zu Fuß Gehende überqueren, denn dies kann zu brenzligen Situationen führen.

Müssen Auto, Moped oder LKW wegen eines fahrenden Radfahrers auf dem Fußgängerüberweg abbremsen oder halten, riskiert die Person auf dem Rad ein Bußgeld.

Richtig ist für die Person auf dem Rad abzusteigen und das Rad über den Zebrastreifen zu schieben oder zu rollern.  Auf der Fahrbahn wiederum sind alle verpflichtet, den Fußgängern und Fußgängerinnen das Überqueren zu ermöglichen.

Kreativer Tipp für Fahrradaktivistinnen und Städteplaner: Die Stadt Göttingen hat mit dem „Göttinger Zebra“ eine lokale Ausnahme des Gesetzes erarbeitet: In zwei Zebrastreifen ist eine spezielle Radfahrerfurt ausgewiesen, damit Radfahrende nicht extra absteigen müssen. Diese Idee, die der Stadt bereits eine Auszeichnung zur Fahrradfreundlichkeit eingebracht hat, ist jedoch nicht in der bundesweiten Straßenverkehrsordnung verankert.

zebrastreifen fahrrad schieben

Über einen Zebrastreifen muss das Rad geschoben, gerollert (oder getragen) werden. © pd-f / Brompton.de

Auch am Gehweg muss das Rad gerollert oder geschoben werden – zumindest wenn man älter ist als zehn Jahre!  © Bluebel London

Zebrastreifen Fahrrad Göttingen

Das “Göttinger Zebra” ist ein Zebrastreifen für Radfahrende. © pd-f / Florian Schuh

Tiere dürfen auf dem Rad NICHT mitgenommen werden

GESETZ! Das ist zwar korrekt, aber es gibt eine Ausnahme für Hunde. Laut §28 StVO dürfen vom Fahrrad aus Hunde geführt werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad‐Club (ADFC e. V.) rät, die Leine dabei nur lose in der Hand zu halten und sie nicht um Handgelenk oder Lenker zu binden. Dies könne ansonsten zu Stürzen führen. Außerdem sollten Hunde nur auf Radwegen und nicht auf der Fahrbahn mitgeführt werden.

Wer seinen treuen Begleiter aber immer dabei haben möchte, der kann ihn in einem speziellen Anhänger oder Hundekörbchen mitnehmen oder ins Lastenrad packen.

Man darf alkoholisiert Fahrradfahren

MYTHOS + GESETZ! Das stimmt nur teilweise. Die Grenze zur Fahruntüchtigkeit für Radfahrer liegt bei 1,6 Promille. Wer höher alkoholisiert erwischt wird, muss mit Punkten in Flensburg und einer Geldstrafe rechnen.

Außerdem kann die Behörde eine Medizinisch‐Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen. „Wer da durchfällt, verliert auch als Radfahrer seine Fahrerlaubnis, ebenso wie ein Auto‐ oder Motorradfahrer. Wer zudem bereits ab 0,3 Promille einen Unfall baut oder auffällig fährt, kann ebenfalls dafür belangt werden und erhält bei einem Unfall eine Teilschuld“, erklärt Bikeright‐Gründer Paul Prieß.

Radfahrende dürfen NICHT nebeneinander fahren

MYTHOS! Unter bestimmten Umständen dürfen Radfahrende  nebeneinander fahren. Laut StVO (§ 2, Abs. 4) dann, „wenn der Verkehr nicht behindert wird“.  Das ist der Fall, wenn dem Motorisierten Verkehr auf der Fahrbahn  genügend Platz zum Überholen mit mindestens 1,5 Metern Abstand bleibt.

In verkehrsberuhigten Zonen oder auf Fahrradstraßen ist das Nebeneinanderfahren generell gestattet.

Und auch Verbände von Radfahrern dürfen in Zweierreihen fahren – das gilt immer, wenn mindestens sechzehn Radfahrer als Gruppe unterwegs sind, wie zB. bei der Critical Mass, der weltweit größten Fahrraddemo.

Hund Fahrrad transport anhänger

Tiere dürfen mit speziellen Transportlösungen auf und mit dem Rad transportiert werden. © pd-f / Croozer

Alkohol Fahrrad promille

1,6 Promille ist die Grenze für Radfahrende bzgl. Alkoholkonsum und Fahrtüchtigkeit – egal auf welchem Rad, © Bike Citizens / Frederik Ferschke

Fahrradfahren nebeneinander gesetz

Nebeneinander Rad fahren ist schön und auch erlaubt – aber nicht immer. Kenne die Regeln!  © Bike Citizens / Swen Siewert

Radfahrende dürfen während der Fahrt das Smartphone NICHT nutzen

MYTHOS! Bedienen darf man das Smartphone während der Fahrt nicht, aber man kann es zur Navigation, zum Musikhören oder zum Telefonieren via Freisprechanlage nutzen. Das ist allerdings fast nur mit Kopfhörern möglich und wenn das Mobiltelefon gut am Fahrradlenker montiert ist.

Die Lautstärke darf dabei nur so laut sein, dass Warnsignale wie zB. Fahrradklingeln oder Rufen, gehört werden.

Jemanden auf dem Gepäckträger mitnehmen ist okay

MYTHOS! Nur Kinder bis zum siebten Lebensjahr dürfen in einem passenden Sitz auf dem Gepäckträger oder im Cargobike  mitgenommen werden. Alles darüber hinaus ist nicht erlaubt.

So wird zumindest das Gesetz ausgelegt – das steht jedoch aktuell zur Diskussion.

Der Zweirad‐Industrie‐Verband (kurz: ZIV) setzt sich gerade dafür ein, dass §21 Abs. 3 StVZO dahingehend überarbeitet wird, dass sich das Beförderungsverbot einzig auf einsitzige Fahrräder bezieht. Ist das Fahrrad hingegen für die Mitnahme von weiteren Personen konzipiert und eine Sitzmöglichkeit vorhanden, sollen auch weitere Personen transportiert werden dürfen – auch über sieben Jahren!

Das ungeschriebene Gesetz, das  immer gilt

Vor jedem Gesetz steht das respektvolle und achtsame Miteinander – im Straßenverkehr (pssst:  eigentlich immer!) Wir sind alle unglaublich gern mobil! Wir sind alle Teil des Verkehrs.

Fahrt umsichtig und berechenbar. Seid nett zu euch und anderen, auch wenn ihr gerade zu 100% “im Recht” und wütend seid. Versucht auch mal die Perspektive des oder der anderen einzunehmen.

Tipp: Spaß haben! Radfahren ist wunderbar. Teilt die Freude!

Das Smartphone darf beim Radfahren benutzt, aber nicht bedient werden! Mit dem Finn montiert man dieses sicher am Lenker. © Bike Citizens / Marion Luttenberger

Gepäcksträger Fahrrad Personen

Aktuell darf man keine Person über siehen Jahren auf dem Rad befördern – eine Anpassung des Gesetzes wird diskutiert und macht absolut Sinn! © pd-f / Kay Tkatzik

Cargobike Familie

Goldenes Gesetz: Habt Spaß, fahrt respektvoll, zeigt Verständnis und  seid nett zu allen Verkehrsteilnehmenden und euch selbst. © pd-f / Riese & Müller

Quelle: pd-f / pressedienst-fahrrad

bremsen-drinnen-fahrrad-158286
Der pressedienst‐fahrrad (PD-F) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem guten Fahrrad(fahren) mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Bike Citizens finden das super und stützen sich in diesem Artikel auf Infos und Daten aus dem Hause PD-F.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern