Das urbane Fahrradmagazin

„Freedom of Cycling“: Das Motto der Velo-city 2017

Monatelange Vorbereitungen, vier intensive Konferenztage und schon ist eine der spannendsten Konferenzen in der Mobilitätsbranche wieder vorbei. Von 13.-16. Juni trafen sich Fahrradexperten und Städtevertreter auf der Velo-city Conference in Arnhem-Nijmegen. Unter dem Motto „Freedom of Cycling“ wurden verschiedene Konzepte und Strategien präsentiert und diskutiert. Unser Team von Bike Citizens war ebenfalls mit dabei. Ein Rückblick inklusive Interview mit Andreas Stückl, Mitgründer von Bike Citizens.

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

Bike Citizens: Wenn du an die verschiedenen Vorträge denkst, welche Information hat dich am meisten überrascht bzw. welches Statement ist dir im Kopf geblieben?

Andreas: Sehr interessant fand ich den Vortrag von Bas Bloem, Professor für Neurologie an der Radboud Universität. Dieser handelte von der Wirkung des Radfahrens auf Personen mit Parkinson Erkrankung. Er präsentierte Videos von Menschen, die sich teilweise nicht mehr alleine bewegen konnten. Sobald sie jedoch aufs Fahrrad gesetzt und angestupst wurden, konnten sie mit Leichtigkeit radfahren, die Balance halten und gekonnt absteigen. Erst danach trat die Bewegungsstarre wieder ein. Es war ein sehr unterhaltsamer und spannender Vortrag. Wie es scheint, führt regelmäßiges Radfahren ebenfalls dazu, den Erkrankungsverlauf von Parkinson einzudämmen.

Welches geplante Vorhaben hat dir am meisten imponiert?

Andreas: Dass die Niederlanden vieles in Sachen Radfahren richtig machen, zeigt der hohe Anteil am Modal Split von 26%. Kein Wunder also, dass es mehrere Vorträge gab, in denen es darum ging, wie man niederländische Konzepte in anderen Ländern umsetzen kann. Doch was mir am meisten imponiert hat, war die Tatsache, dass die Niederlanden sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Es wird immer weitergeforscht und verbessert. Ich hatte das Vergnügen einen Fahrradsimulator der Universität Grade auszuprobieren. Man setzt eine Brille auf, simuliert eine Fahrt durch Infrastrukturprojekte, die sich noch in Planung befinden, um bereits vor der Umsetzung zB. Lichtverhältnisse in Tunneln richtig bestimmen zu können. Das Konzept der Simulation und Nutzerbefragung vor der Realisierung der Projekte gefällt mir sehr gut. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen wir in unserem Bike Citizens Analytics Tool, welches ebenfalls auf der Velo-city präsentiert wurde.

Nenne eine Person, die dich inspiriert hat und warum?

Andreas: Leo Bormans, der Verfasser des Buches „World Book of Happiness“ hat es auf jeden Fall geschafft, mich zu inspirieren. Er selbst bezeichnet sich als „Global Ambassador of Happiness & Quality of Life“. In seiner Eröffnungsrede sprach er über die Verbindung zwischen Radfahren und Glücksempfinden. Dieses Thema wurde ebenfalls in verschiedenen anderen Vorträgen thematisiert.

Während der Velo-city gab es gemeinsame Stadtrundfahrten und verschiedene Gelegenheiten, Nijmegen-Arnheim mit dem Fahrrad zu erkunden. Welche Impressionen nimmst du mit nach Hause?

Andreas: Da ich bereits am Samstag in Rotterdam ankam, entschied ich mich dazu, die 120 Kilometer von Rotterdam nach Nijmegen zu radeln. Mit meinem Single-Speed aus Deutschland startete ich also Richtung Nijmegen. Fast durchgehend führte mich die Route entlang eines Radschnellwegs – der leider großteils entlang der Autobahn führte. Hin und wieder hielt ich an, um an dem schönen Waal-Ufer zu pausieren. Auch während der Konferenz hatte ich mehrere Gelegenheiten mir Eindrücke von Nijmegen und Arnhem zu verschaffen. Die gut ausgebaute Infrastruktur lädt auf jeden Fall dazu ein, sich auf’s Rad zu schwingen. In keinem Moment gab es Situationen, in denen es Reibungsmomenten hätte geben können – kein einziges Mal bin ich angehupt worden.

Was ist dein Fazit?

Andreas: Wir von Bike Citizens hatten einen gut besuchten Stand, an dem wir unser im Mai gestartetes Projekt „PING, if you care“ vorgestellt haben. Dass es sehr gut ankommen würde, hatten wir vermutet. Nicht jedoch den Grund. Viele Gesprächspartner waren nicht nur von der Idee angetan, sondern vor allem wegen der Herangehensweise und der Einfachheit. Die Art und Weise, wie Menschen ihr Feedback zur existierenden Infrastruktur übermitteln können, nämlichdurch ein physisches Produkt, welches direkt mit einer App-Anwendung und Webseite verbunden ist, konnte viele überzeugen.

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern