Das urbane Fahrradmagazin

Was haben ein Gefängnis, die weltweite Fahrrad-Community und Hollywood gemeinsam? 800.000 Finns

Vom Tellerwäscher zum Millionär. Oder besser: Von der Smartphone-Halterung zum Blockbuster Gadget! Der Finn "Made in Austria" begeistert weltweit nicht nur Radfahrende.

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.
Foto: Ann Savage und Tom Neal im Film Detour (1945), Fotomontage mit Finn © Bike Citizens

Halb zehn in Österreich: Mit einem schnellen Handgriff montiert Simone F. (Anm.: Name v. d. Red. geändert) ein Smartphone mit einem etwa 17 cm langen elastischen Silikonband an einem Fahrradlenker. Die Radfahrt beginnt. Die App navigiert. Das Silikonband hält.
Finn – der Verlässliche!

Auf der anderen Seite der Welt: Derselbe schnelle Handgriff mit demselben Silikonband am Set des Blockbusters „Transformers“. Der Profi Boom Operator Kevin Cherchiai hat keine Zeit zu verlieren – Hollywood wartet nicht. Die Verantwortung ist groß. Der Finn mittendrin. Er fixiert kompromisslos, stark und verlässlich das High-End Mikrophon an der Boom Stange des Operators und die Szene ist im Kasten.
Finn – der Hollywoodstar!

….und irgendwo dazwischen ist Alltag.

Wie alles begann… 
Die Erfolgsstory von Finn beginnt 2013 in Graz, Österreich. Entwickelt wurde er als universelle Smartphone-Halterung für das Fahrrad nachdem das Unternehmerduo Daniel Kofler und Andreas Stückl feststellten, dass es keine einfache Möglichkeit gibt, ein Smartphone solide am Fahrrad zu montieren. Dass sie gerade mitten in der Entwicklung der Fahrrad-Navi-App „BikeCityGuide“ (heute Bike Citizens App) steckten, sahen sie es als persönlich-unternehmerische Notwendigkeit eine Smartphone-Universalhalterung fürs Fahrrad zu entwickeln. (Lies mehr dazu hier)

Graz Finn Bike Citizens Stückl Kofler

Erfinder von Finn und Geschäftsführer von Bike Citizens:  Daniel Kofler und Andreas Stückl © Bike Citizens

Finn Smartphone Lenker Halterung

2013 war der Finn eine unternehmerische Notwendigkeit  und bloß “Nebenprodukt” © Bike Citizens / Marion Luttenberger

Finn Smarthone Lenker Telefon Halterung

Bis 2019 verkaufte sich der Finn bereits 800.000 Mal weltweit © Bike Citizens / Marion Luttenberger

Die Bike Citizens Philosophie:
Jede Menge Spaß und Freiheit beim Radfahren sowie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.


Smartphones und Fahrräder

Egal ob für die tägliche Navigation durch den Stadtverkehr oder am Wochenende auf der Downhillstrecke – Finn montiert alle Smartphonetypen (bis zum iPhone8) an allen Fahrradlenkertypen (Lies hier mehr dazu im Magazin). Seit nunmehr sechs Jahren begeistert eine kleines Silikonband alt und jung, nah und fern. Der Finn transportiert die Philosophie der Bike Citizens in die ganze Welt: Jede Menge Spaß und Freiheit beim Radfahren sowie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.

Verantwortung
Für den Finn werden nämlich regionale Rohstoffe verarbeitet und auf kurzen Wegen transportiert. Das Basismaterial Naturkautschuk kommt aus München. Die Produktionsstätte liegt im Burgenland. Luftlinie trennen die beiden Orte etwa 500 Kilometer. Die Konfektion, sprich das Verpacken der Finns findet in der nahegelegenen Landeshauptstadt Graz statt.

Aus dem Gefängnis nach Hollywood
Im Grazer Gefängnis – genauer gesagt in der Justizanstalt Graz-Karlau wandert jeder Finn durch die Hände eines Häftlings – er steckt das Silikonband in die passende Verpackung. „Das ist eine gute Resozialisierungsmaßnahme. Die Häftlinge gehen einer sinnvollen Tätigkeit nach. Sie verdienen damit ihr Geld!“, so Peter Scherz, Leiter Oberaufsicht Betriebsgruppe 1 und Leiter Unternehmerbetrieb 3 der drittgrößten Strafvollzugsanstalt Österreichs.

Vor den Toren der „Karlau“ warten die Pink Pedals. Per Cargobike schippert der lokal agierende Fahradbotendienst den Finn zum nächsten Verteilungsort in und um Graz. Auch das war eine bewusste Entscheidung der Bike Citizens: Zum einen kämpft die zweitgrößte Stadt Österreichs seit Jahren mit extrem hohen Feinstaubwerten. Zum anderen sind Pink Pedals bekannt für die faire Entlohnung und guten Arbeitsbedingungen ihrer Kurierinnen und Kuriere.

 

 

Im Gefängnis wandert jeder Finn durch die Hände eines Häftlings. “Das ist eine gute Resozialisierungsmaßnahme. Die Häftlinge gehen einer sinnvollen Tätigkeit nach. Sie verdienen damit ihr Geld!” PETER SCHERZ

 

 

The American Dream
Nun nach Hollywood: Der Finn macht auch abseits des Rades eine gute Figur. In Hollywood steht er „strong, lightweight and elastic“ hinter der Kamera. Als „Squid“ unterstützt er Boom Operators und Sound Mixer beim Fixieren verschiedenster Aufnahmegeräte an der Boom Stange oder anderem Equipment.

„Überall dort wo Drohnen zu riskant wären aber man ganz nah am Sound sein muss lebt der Finn den ‚American Dream‘in Hollywood“, so Ali Ahmadi, der eng mit den Profis am Set arbeitet und sich dort für Bike Citizens umgehört hat. Der Finn war als Squid zB. beim Blockbuster Transformers am Set dabei.

Hollywood sqid ktec

In Hollywood ist der Finn als “Squid” am Set aktiv! © Meric Dagli / Unsplash

Am Set unterstützt ” Squid” zB. Boom Operators überall dort… © K-Tec Pro

Finn Hollywood

…wo es zu riskant wäre, Drohnen zu nutzen. © Jon Flobrant

Zweckentfremdung? Ja bitte!
Wer jetzt noch zwischen Burgenland und Hollywood an der Elastizität und dem Einsatzspektrum von Finn zweifelt wirft einen Blick in unseren kritischen Selbsttest beim unserem Video:

 

Finde den Finn hier:
Bike Citizens Finn Website: https://getfinn.com
Hier geht’s zum Online-Shop: Link

Enjoy your rides!

karen Greiderer_squarel
Seit 2017 leitet Karen das Urban Independence Magazin. Die leidenschaftliche Pedalistin hat bereits einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt. Heute verbindet sie entweder Faltrad plus Kinderanhänger oder Kompakt-Cargobike mit der Bahn in Berlin und Brandenburg - meist mit ihrer Tochter auf Tour. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt aber stets pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich zurück.

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