Das urbane Fahrradmagazin

Fahrradstadt Nantes im Praxistest

Nantes, die 600.000 Einwohnerstadt in der Region Pays de la Loire in Westfrankreich, beeindruckte 2013 mit ihrem klaren politischen Willen, fahrradfreundlicher zu werden. Tatsächlich hat die Stadt umfangreich in die urbane Fahrradinfrastruktur investiert und konnte den Modal Share – also die Verteilung auf die verschiedenen Verkehrsmittel (Auto, ÖVP, Rad oder zu Fuß) - von nur 2 Prozent Fahrrad im Jahr 2008 auf 5 Prozent bis 2012 erhöhen.

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Als Orientierungs-Chaotikerin mit Leidenschaft zum Radfahren entwickelte sich die Bike Citizens App für Elisabeth schnell zum treuen Wegbegleiter in Berlin. Seit nunmehr zwei Jahren ist sie Teil des Bike Citizens Team in Graz und bastelt selbst als Head of Communications an den neuen Ideen und Projekten mit.

Radfahren an der Loire in Nantes

Dieser Erfolg gekoppelt mit dem Ausbau des Radnetzes trug entscheidend dazu bei, als Gastgeber für die Velocity 2015 ausgewählt worden zu sein. Auch wenn Nantes im kürzlich veröffentlichten Copenhagenize Index 2015 einen Rang nach unten auf Platz 7 rutschte, so verstand es die Stadt dennoch, sich fahrradfreundlich zu modernisieren.

Im Zentrum findet man an jeder Ecke orange Bicloo-Bike-Sharing Stationen, die zum Erkunden und Shoppen auf zwei Rändern einladen. Die Bedienung ist einfach, die Kosten überschaubar, der mit Plastik verbaute Lenker allerdings sperrig und alles andere als hübsch.

Flickr - jean-louis Zimmermann_Bicloo-Bike-Sharing Station

Hat man mal ein Rad, wird man schnell feststellen, dass sich Nantes wunderbar auf zwei Rädern erkunden lässt. Innerhalb von 15 Minuten deckt man so gut wie die ganze Stadt ab.

Was macht Nantes zur Fahrradstadt?

Das Zentrum und die Innenstadt erweisen sich als sehr fahrradfreundlich. Nantes gehört auch zu den wenigen Paradebeispielen für erfolgreiche Bus Rapid Transit Systeme, bei dem Busse ähnlich wie Schienenfahrzeuge ohne große Zeitverluste und Stau durch die Stadt geleitet werden. Dank der schnellen Busverbindung vom Süden (Vertou) ins Zentrum Nantes hat sich die Zahl der Autofahrer nahezu halbiert.

Nicht nur der Bus hat eine Highspeed-Straße durch die Stadt bekommen – teilweise wurden auch die Radwege auf erhöhte Spuren in der Mitte der Straße gelegt. Dies mag im ersten Augenblick zwar etwas ungewöhnlich sein, gibt aber ein unglaublich tolles Radfahrfeeling, sobald man sich mal daran gewöhnt hat, bequem auf der Mittelspur zu radeln. Auch entlang der Loire kann man entspannt auf Radwegen fahren. Was in Nantes auffällt, sind die zahlreichen Kreisverkehre, die zumindest teilweise mit einer Fahrradspur ausgestattet sind, bei der Radfahrer teilweise auch Vorrang haben. Soweit alles vorbildlich, auch wenn in Nantes das Bild von mit Radfahrern bevölkerten Straßen fehlt – anders als ich das aus Berlin, Wien oder Graz kenne. Je weiter man sich vom Zentrum entfernt, desto klarer wird, das die französische Stadt nach wie vor mehr von Peugeot, Citroën und Renault geprägt ist. Auch sieht man außerhalb kaum Fahrradständer, kaum Fahrräder, die an Hausmauern oder Zäunen lehnen. Im Gegenteil, Teile der Stadt scheinen noch gar nicht fürs Fahrrad erschlossen worden zu sein. Selbst als Radfahrer musste ich aus Platzmangel im Autostau verharren, bis ich wieder auf den Fahrradweg ausweichen konnte.

Radfahren an der Loire

Fazit

Nantes ist definitiv eine Stadt mit großem Fahrradpotenzial. Die bestehenden Radwege sind überwiegend gut befahrbar und größtenteils auch gut vernetzt, wenn gleich sie je nach verfügbarem Platz mal links, mal rechts und mal mitten auf der Straße verlaufen. Gerade die Größe (rd 66km² Fläche) macht Nantes zu einer perfekten Fahrradstadt, in der sich so gut wie alle Wege am besten mit dem Rad erreichen lassen. Schade nur, dass dieses Bewusstsein noch nicht gänzlich bei der Bevölkerung angekommen ist. Nantes ist eine sehr junge und dynamische Stadt mit dem Willen zur Veränderung – daher wird hier auch künftig noch einiges passieren.

Foto © Jean-Louis Zimmermann flickr & © Bike Citizens

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