Das urbane Fahrradmagazin

FRE!LAUF Fahrrad Festival – Spielplatz für Ideen. Nährboden für Veränderung. Freilauf für Begeisterung.

Immer nur am letzten Freitag des Monats durch Berlin zu radeln war ihnen nicht genug. Die FahrradBande holt den Spirit der Critical Mass in den Alltag und macht jetzt ihr eigenes Festival: Das DIY Bike Camp „FRE!LAUF“.

karen Greiderer_squarel
Die leidenschaftliche Pedalistin hat schon einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt und verbindet tagtäglich Faltrad mit ÖPNV in Berlin. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt bis unkompliziert-pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich (Graz) zurück. Ob total beladen, super lightweight, 16 Zoll oder 29er, gefahren wird alles was gute Laune macht.
Alle Fotos © Kristoffer Schwetje

Bike Citizens: Ich sitze hier mit Florian Keiper, Co-Initiator des Projektes FRE!LAUF und Kernmitglied der FahrradBande, die Vielen als „mitRADgelegenheiten“ bekannt ist. Florian, wer seid ihr? Was macht ihr?
Florian Keiper: Im Jahr 2014 hat die BUNDjugend Berlin einen Fahrrad-Arbeitskreis gegründet. Der Aufruf mitzumachen war öffentlich. So kam ein bunter Haufen fahrradverrückter Leute zusammen. Unsere ersten Aktionen waren die mitRADgelegenheiten. Die Idee dazu ging aus der Critical Mass hervor. Immer nur am letzten Freitag des Monats zusammen mit anderen durch die Stadt zu radeln war uns nicht genug. Wir wollten den Spirit der Critical Mass in den Alltag holen! Bei den mitRADgelegenheiten sind wir zusammen mit anderen zur Uni, zur Arbeit, zu Konzerten und Veranstaltungen geradelt – es kamen immer mehr Aktionen dazu. So haben wir uns in FahrradBande umbenannt.

 

 

Auf dem FRE!LAUF
können wir alle so sein, wie wir wirklich sind.

Es ist ein großer Spielplatz
für unsere Ideen!

BC: Mit FRE!LAUF – dem dreitägigen DIY Bike Festival Ende August 2018 ward ihr in aller Munde. Erzähl’ mal davon!
Abweichend von normalen Festivals steht bei FRE!LAUF das Fahrrad im Vordergrund. Tagsüber gibt’s Workshops und Vernetzung, aber eben auch Musik. Ein Teil der Workshops hatte einen gesellschaftlichen bzw. politischen Schwerpunkt. Bei den anderen Workshops lag der Schwerpunkt auf selber machen – wir nähten Fahrradkappen, machten Siebdrucke und Kreativarbeit. Herzstück des FRE!LAUFs  war die BikeKitchen. (Anm. Bike Citizens: das ist die Fahrradwerkstatt – siehe Fotos in Galerie) Und zur Musik: Esels Alptraum jodelten sich in die Herzen der Besucher und Besucherinnen. Pony Tyler und Disco Collective luden zum Tanz ein.

Fahrradbande Mitradgelegenheit Wriezen Freilauf DIY Camp Festival Bike Workshop Keiper Schwetje

Esels Alptraum sind am Jodeln © Kristoffer Schwetje

BC: Wie sieht so einen Festival-Tag im sommerlichen Wriezen / Brandenburg aus?
FK: Ihr müsst euch vorstellen an dem Samstagnachmittag auf dem Hof des FRE!LAUF-Geländes zu stehen. Leute schneiden Gemüse, putzen Salat. Andere machen den Abwasch. In der BikeKitchen wird geschweißt, eine 8-Gang-Nabe zerlegt und wieder zusammengebaut. Andere bauen gerade an einem Freak-Bike. Neben an helfen sich Menschen gegenseitig dabei Fahrradmützen aus recycelten Materialen zunähen. Irgendwo stehen ein paar Leute zusammen und diskutieren über unterschiedliche Themen. Im Workshopzelt sitzen alle zusammen auf dem Boden und diskutieren was getan werden kann, wenn der Fahrradweg zugeparkt ist oder wenn der Auto-Macho pöbelt. Danach geht’s darum wie gute Pressearbeit funktioniert und wie ich eine Polizeistatistik auswerte. Im Hinterhof werden USB-Handyladegeräte geschweißt. Andere bauen einen Feinstaubsensor! Irgendwo wird Tischtennis gespielt und ein T-Shirt mit dem Siebdruckverfahren veredelt. Und das Beste: Alle sehen glücklich, zufrieden und entspannt aus. Auf dem FRE!LAUF können wir alle so sein, wie wir wirklich sind. Es ist ein großer Spielplatz für unsere Ideen!

 

 

So wie die Leute mit der Umwelt umgegangen sind, so sind sie miteinander umgegangen.

Es lag eine besondere friedliche und kreative Stimmung in der Luft.

BC: Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wie so oft, kommen einem die besten Ideen beim Fahrradfahren. Ende Oktober letztes Jahres sind wir mit einer mitRADgelegenheit von Berlin nach Bonn zur Weltklimakonferenz gefahren. Eine Person meinte, ich kenne da eine Person die hat ein richtig schönes Gelände – da könnten wir mal was machen – ein Fahrradfestival mit Workshops, Party, BikeKitchen zum Beispiel. Die Ideen sprudelten! Ein paar Tage nachdem wir aus Bonn zurück waren fand ein Vernetzungstreffen der Berliner Fahrrad-Initiativen statt. Der erste Härtetest für unsere Idee. Sie stieß auf offene Ohren. Auf einmal hatten wir viele Menschen die uns bei der Umsetzung unterstützen wollten. Diesen Schwung hatten wir aufgegriffen und direkt zwei Wochen später im Dezember zum ersten Orga-Treffen eingeladen. Schwups! Ein paar Monate später standen wir alle zusammen mit einem breiten Lächeln im Gesicht in Wriezen und genossen das erste FRE!LAUF DIY Bike-Camp. Dabei hatten wir gar keine Ahnung von Festivalplanung!

 

 

Wie so oft,
kommen einem die besten Ideen
beim Fahrradfahren.

BC: DIY bedeutet beim FRE!LAUF Festival mehr als Programm und Workshops – es zieht sich durch alle Tätigkeitigkeitsbreiche des Festivals, richtig?
FK: Wir wollten mit unseren Besuchern und Besucherinnen gemeinsameinen unvergesslichen Ort schaffen. Von Anfang an war der DIY-Charakter vom FRE!LAUF wichtig. So kam es, dass es immer Freiwillige gab die beim Gemüseschneiden oder beim Spülen geholfen haben. Wir haben eine kurze Ansage gemacht, dass wir vier Leute zum Spülen benötigen. Dann waren sofort sechs Leute da. Anfangs hatten wir befürchtet, dass kein Mensch eine Toilettenschicht übernehmen möchte. Aber: Selbst das war kein Problem! Nach dem Festival schnappe ich mir dann den Eimer um über den Zeltplatz zu gehen und mal sauber zu machen. Ich ging also über die Wiese um den liegengebliebenen Müll einzusammeln. Aber da war nichts. Es lag einfach kein Müll rum. Die Leute haben ihren Müll mit nachhause genommen oder bei uns auf dem Gelände in den Mülleimer geschmissen. So wie die Leute mit der Umwelt umgegangen sind, so sind sie miteinander umgegangen. Es lag eine besondere friedliche und kreative Stimmung in der Luft.

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Nonstop Schwitzen © Kristoffer Schwetje

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Das FRE!LAUF Submotto © Kristoffer Schwetje

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Festivalstimmung © Kristoffer Schwetje

BC: Wie war es nach dem Festival – was konntet ihr mitnehmen?
FK: Wir sind gerade dabei einen regelmäßigen Fahrrad-Kultur Tag einzurichten. Einmal im Monat wollen wir uns dazu in der Neuen Republik Regertreffen. Regines Radsalon wird ein fester Bestandteil davon sein. Davor und danach bieten wir Siebdruck, Rycycling-Workshops, Fahrradspiele und ganz viel Raum für Vernetzung. Der erste Republik Radsalon wird am 15. Oktober stattfinden. Anschließend findet es jeden dritten Montag im Monat statt.

BC: Und wie geht’s mit dem Festival weiter?
Während des FRE!LAUF-Wochenende war eine besondere Energie zu spüren. Alle waren ein bisschen euphorisiert. Diese Flamme ist nicht erloschen. Für das FRE!LAUF Orga-Team war sofort klar: 2019 wird es wieder ein FRE!LAUF DIY Bike-Camp geben. Im Dezember verraten wir wann und wo!

Florian Keiper FahrradBande Mitradgelegenheiten BUND Berlin Über Florian Keiper
Weil er keine Lust auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag hatte, fuhr Florian Keiper 2013 mit seinem Fahrrad von Berlin nach Athen und wieder zurück. Seitdem kann er nicht mehr ohne sein Fahrrad sein. Nur konsequent, dass er als Gründungsmitglied der FahrradBande das FRE!LAUF DIY Bike-Camp ins Leben gerufen hat. Er hat übrigens gerade wieder seinen Arbeitsvertrag gekündigt um 2019 mit dem Fahrrad durch die Welt zureisen. NotWithOutMyBike eben – so heißt sein Blog.

karen Greiderer_squarel
Die leidenschaftliche Pedalistin hat schon einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt und verbindet tagtäglich Faltrad mit ÖPNV in Berlin. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt bis unkompliziert-pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich (Graz) zurück. Ob total beladen, super lightweight, 16 Zoll oder 29er, gefahren wird alles was gute Laune macht.

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