Das urbane Fahrradmagazin

Reflektieren. Leuchten. Strahlen. Das große “Fahrradlicht 1×1”

Das Fahrrad ist das perfekte, urbane Ganzjahresfahrzeug. Damit es auch in der dunklen Jahreszeit seine gesundheitsfördernde Funktion behält und das Radfahren Spaß macht ist eines unverzichtbar: Sichtbarkeit und Sehen! Das 1x1 des Fahrradlichts verrät alles was man wissen muss!

karen Greiderer_squarel
Die leidenschaftliche Pedalistin hat schon einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt und verbindet tagtäglich Faltrad mit ÖPNV in Berlin. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt bis unkompliziert-pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich (Graz) zurück. Ob total beladen, super lightweight, 16 Zoll oder 29er, gefahren wird alles was gute Laune macht.
Mit dem passenden Licht gut sichtbar durch den Winter radeln! © Kay Tkatzik / PD-F

Das Fahrrad ist ein Ganzjahresfahrzeug. Es ist auf dem besten Weg zum ernst genommenen Verkehrsmittel – selbst im Winter!

Blindgängerin und Blender
Ungeübte Fahrer und Fahrerinnen enttarnen sich am ehesten in der dunklen Jahreszeit: Blender und Blenderin haben das Licht am Rad falsch eingestellt und behindern andere. Der Blindgänger und sein weibliches Pendant haben die Fahrradbeleuchtung komplett vergessen. Besonders Fahrrad-Neulingen, die zum Saisonstart motiviert vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen sind, fehlt es oft an Basiswissen rund ums Licht. Schließlich wird Beleuchtung beim PKW einfach mitgeliefert. Beim Fahrrad braucht es da etwas Eigenverantwortung. Davon sind auch passionierte Radfahrende nicht ausgenommen!

Was man wissen muss
Egal ob passionierte Radfahrerin oder Neuling: Worauf muss man rund ums Thema Sichtbarkeit am Fahrrad achten? Wie finde ich das Fahrradlicht, das zu mir passt? Was ist eine K-Welle? Was ist die Hell-Dunkel-Grenze? Und wie kann ich prüfen, ob ich andere blende? Das 1×1 der Fahrradbeleuchtung hilft weiter.

Licht ist Pflicht
In Deutschland normiert der Paragraph 67a der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) das Thema Fahrradbeleuchtung unter dem Titel “Lichttechnische Einrichtungen an Fahrradanhängern”. In Österreich und der Schweiz ist der Gesetzgeber nicht ganz so eingreifend. Aber egal ob Gesetz oder nicht: Finster wird es rund um die Zeitumstellung überall früher. Dann gelten drei ungeschriebene Gesetze auf der Straße:

  1. Sehen und gesehen werden!
  2. Licht ja. Blenden nein!
  3. Wir sind Verkehr! Die Signale anderer Verkehrsteilnehmenden mit Neugier aufnehmen und sich fragen, was einem der Gegenverkehr mit der Lichthupe mitteilen möchte.  Licht checken (bevor man schimpft)!

Das kleine Fahrradlicht 1×1
Das kleine 1×1 der Fahrradbeleuchtung ist nach Inhalt gruppiert. Es lässt niemanden im Dunkeln stehen. Am Ende gibt es ein paar ausgewählte Produktinspirationen. Los geht’s!

 

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So muss das Rad nach StVZO in Deutschland lichttechnisch ausgestattet sein. Hast du sie alle an deinem Rad? © Bike Citizens © Bike Citizens

LICHT
(1) 1 x Akku-Stecklicht
(3) oder Nabendynamo
(4) 1 x Rücklicht rot

REIFEN
(6) 2 x Katzenauge (diagonal ausgerichtet)
(7) Reflektorband durchgängig
(8) Speichenstick an jeder Speiche
(9) 2 x Reflektor gelb an jedem Pedal

(6) (7) (8) sind nach belieben kombinierbar werden

REFLEKTOR
(2) 1 x Frontreflektor weiß

(5) 1 x Rückstrahler rot

(2)(5) dürfen in das Fahrradlicht integriert sein

FAUSTREGELN

Strahlkraft: Das Radlicht muss (mindestens) 10 Meter weit leuchten. Die Hell-Dunkel-Grenze muss klar definiert sein.

10 Lux Regel: Das Radlicht muss (mindestens) eine
Lichtstärkenverteilung von 10 Lux haben.

Hell-Dunkel-Grenze: Aufgehoben im Jahr 2017. Es gilt nun die Nicht-Blenden-Regel.

Nicht-Blenden-Regel: Radfahrende dürfen per Gesetz nicht blenden. Die exakte Definition des “Nicht-Blendens” (die bisherige Hell-Dunkel-Grenze) ist aber seit 2017 aus dem Gesetzestext gestrichen – jetzt gilt Eigenverantwortung!

PRÜFZEICHEN

K-Welle und Z-Prüfzeichen: In Deutschland werden Radlichter vom Kraftfahr-Bundesamt (KBA) geprüft. Zugelassene Leuchtmittel sind StVZO-konform. Frontlichter weisen ein “K” mit vorangesetzter Wellenlinie (K-Welle) und Zulassungsnummer auf. Zugelassene rote Rückstrahler sind mit einem  “Z“ gekennzeichnet.

OHNE PRÜFZEICHEN

Off-Road: Abseits der Straße dürfen Leuchtmittel ohne Prüfzeichen verwendet werden.

Off-Bike: An Körper, Tasche, Helm oder Rucksack des Radfahrers angebrachte zusätzliche Leuchtmittel brauchen keine Prüfzeichen. Diese Lichter dürfen auch blinken, pulsieren, flackern…

LICHT + BLINKER

Batterie-/LED-Stecklicht: Nicht wieder aufladbare Stecklichter sind erst seit 2017 für Front- und Rückscheinwerfer erlaubt. Man muss diese bei guter Sicht nicht einmal dabei haben!

Licht-Mitführ-Pflicht: 2017 in Deutschland abgeschafft. Seitdem gilt die Licht-bei-Bedarf-Pflicht.

Licht-bei-Bedarf-Pflicht: Sie besagt, dass ein zertifiziertes Fahrradlicht bei Bedarf (zB. schlechter Sicht) ans Rad montiert werden muss. Das Licht muss funktionieren. Einschalten nicht vergessen!

Dynamo-Pflicht: Die Dynamopflicht gibt es seit 2013 nicht mehr. Entweder man wählt einen Dynamo mit 3 Watt/6Volt, oder steckt sich ein Batterie- bzw. LED-Akkulicht mit Prüfzeichen ans Rad.

Blinklicht-Verbot: Blinkende, pulsierende oder flackernde Lichter am Rad sind verboten in Deutschland. An Körper, Helm oder Rucksack montiert, dürfen die Blinklichter ohne Einschränkung verwendet werden (siehe Zusatzleuchtmittel).

Zusatzleuchtmittel: Das sind alle reflektierenden und selbst leuchtenden Mittel, die “zusätzlich” zum StVZO-konformen Licht verwendet werden dürfen.
Diese darf man am Rad, Rucksack, Helm, Tasche oder im Kinderanhänger montieren. Hier gibt es (noch) kein Gesetz. Wie immer: Blenden verboten!

Blinker-Verbot:  Blinker sind auf allen Rädern verboten. Ausgenommen sind Mehrspurfahrzeuge, Anhänger und Rädern, wo ein Handzeichen zum Fahrtrichtungswechsel schwer erkennbar ist, zB. ein Liegerad oder ein Trike-Cargobike mit mehr als 90 cm Breite.

11-kg-Sportgeräte-Regel: Aufgehoben! Die Regel war: Für Räder unter 11 kg (Sportgeräte) sind keine festen Beleuchtungseinrichtungen wie Dynamo, Vorder-, Rücklicht vorgeschrieben.

REFLEKTOREN

Am Reifen: All-OverReflexstreifen am Fahrradreifen oder als Speichensticks in jeder einzelnen Speiche (!) oder je Laufrad 2 x ein Speichenreflektor in gelb (Katzenaugen) sind Pflicht. Die drei Varianten dürfen untereinander kombiniert werden.

Am Rad: Frontreflektor in weiß und Rückstrahler in rot hinten sind Pflicht.

LICHT EINSTELLEN

Vor der Fahrt: Das Rad frontal vor eine Wand stellen und Fahrradlicht einschalten. Die “Hell-Dunkel-Grenze” soll knapp unter der Scheinwerfermitte liegen.

Unterwegs: Orientierungspunkte suchen!Reflektierende Straßenschilder sind ein Zeichen, dass das Licht am Rad zu hoch eingestellt ist. Alles über Kopfhöhe blendet.

Ab und zu: Ab und zu das Rücklicht inkl. Reflektoren checken und reinigen. Gerade bei schlechtem Wetter besteht akute Schmodder-Gefahr!

WELCHES LICHT AN WELCHES RAD?

Ganzjahresfahrrad: (Naben-)Dynamo mit ggf. Auto-On-Funktion und Standlicht, LED-Akku-Stecklicht

MTB: Kompakte, leichte LED-Akku-Stecklichter fürs Fahrrad, lichtstarke Helmlampe für die Feierabendrunde im Wald

Rennrad: Kompakte, leichte LED-Akku-Stecklichter für die Trikottasche

Cargobike: (Naben-)Dynamo, LED-Akku-Stecklicht, Blinker sind erlaubt an drei- oder vierrädrigen “breiten” Cargobikes

Liegerad/Trike: Blinker erlaubt, wenn es ein “breites“ Liegerad (drei Räder) ist und der Fahrtrichtungswechsel mit der Hand nur schwer anzuzeigen ist. Extrem hilfreich bei allen Arten von Spezialrädern für bewegungseingeschränkte Menschen!

RUND UMS KIND

Kinderfahrrad bis 20 Zoll: LED-Akku-Stecklicht und mehr! Kinderfahrräder kleiner als 20 Zoll gelten in Deutschland nach StVZO nicht als Fahrrad sondern als Spielrad. Diese Räder sind hinsichtlich Licht unbedingt nachzurüsten – auch wenn man “nur“ am Gehweg zur Kita rollt oder im Park eine Runde dreht!

Kinderfahrrad ab 22 Zoll: Leichter 1,5 Watt Naben-Dynamo mit Auto-On-Funktion und Standlichtfunktion hinten, LED-Akku-Stecklichter sind weniger zu empfehlen, weil sie schlicht gern vergessen werden oder im Bedarfsfall nicht ausreichend aufgeladen sind.

Licht am (Kinder-)Fahrradanhänger: Beim Fahrradanhänger der breiter ist als 60 cm ist ein rotes Rücklicht an der linken Seite anzubringen. Empfehlenswert ist ein Rücklicht, dass man von allen Seiten (außer nach vorne) gut strahlt. Ist der Anhänger breiter als 1 m, dann muss vorn ein weißes Leuchtmittel an der linken Seite des Anhängers montiert werden.

Reflektoren am (Kinder-)Fahrradanhänger: Beim Fahrradanhänger sind ab einer Breite von 60 bis 100 cm 2 weiße Frontreflektoren  und  2 rote Rückstrahler anzubringen – jeweils mit 20 cm Abstand zur Außenkante.

Kabinenbeleuchtung bei Anhänger und Cargobike: Eltern und Kinder, die sich mehr Sichtbarkeit in der Kabine des Anhängers und Cargobikes wünschen, ist mit einer LED-Lichterketten für den Outdoorbereich mit USB-Schnittstelle zum Wiederaufladen geholfen. Flux verwandeln sich Anhänger und Fahrerhaus in ein Space Shuttle. Es gilt wie immer: Man darf nicht blenden!

SPEZIELLES

Tagfahrlicht, Fernlicht, Bremslicht, Abblendlicht: Alles was es beim motorisierten Vehikel aka. Auto gibt, gibt es jetzt auch beim Fahrrad. Da der Energieverbrauch der Lichtanlagen aber recht hoch ist, findet man diese bis dato nur an E-Bikes bzw. Pedelecs und S-Pedelecs.

Standlicht: Das Standlicht ist bei modernen Dynamos mittlerweile Standard und sehr hilfreich, wenn man zB. an der Ampel steht und sichtbar bleiben möchte.

STECKLICHTKAUF

1/ Lässt sich das Stecklicht mit Handschuhen gut am Fahrrad anbringen?

2/ Lässt sich das Stecklicht mit Handschuhen gut an und ausschalten?

3/ Ist die Halterung / Verankerung des Stecklichts von hoher Qualität – gibt es mehrere Einstellungen? Das Licht darf bei einer Fahrt über Bordsteinkanten nicht vom Rad fallen oder sich drehen!

4/ Geht das Licht sehr leicht an? Es kann tagsüber leicht zur “Taschenlampe“ mutieren.

LAGERN + LADEN

Aufbewahrung des Stecklichts: Stecklichter werden im Rucksack gern mal zur „Taschenlampe“ – sie gehen sehr leicht an. Lichtmittel in einer nicht-quetschbaren kleinen Schachtel oder einem Beutel aus festem Stoff verstauen. So findet man es auch leichter.

Frost + Akkukapazitäten: Ab den ersten Minusgraden quält die Kälte den Akku des Lichtes und senkt seine Kapazitäten. Faustregel für Stecklichter und Akkus: Nur bei Bedarf anstecken und stets abnehmen und bei Zimmertemperatur lagern bzw. laden.

Frost + Nabendynamo: Auch ein Nabendynamo kann einfrieren oder vereisen. Am besten das Rad immer überdacht abstellen!

PRODUKTE

Kopf: Praktisch, weil man so nicht nur das Rad sondern auch den Fahrenden besser sehen kann ist ergänzende Helmbeleuchtung. Für die Stadtfahrt gibt es Helme mit integriertem LED-Rücklicht mit 180° Sichtbarkeit, Reflektoren und Frontvisier – gesehen bei ABUS. Oder LED-Helm-Flashlights mit fast 180 Stunden Leuchtdauer von Busch + Müller. Ein Helmscheinwerfer mit 2000 Lumen und Extra Battery Pack hat auf der Straße nichts zu suchen, ist aber für die Waldfahrt im Dunkeln eine echte Erleuchtung.

Oberkörper: Warnweste war gestern. Moderne Rad-Funktionsbekleidung  arbeitet mit eingewebten und damit unsichtbaren Reflexgarn oder klar in Szene gesetzten Reflexelementen – dezent und fesch.

Arme: Sicherheitsleuchten für Arme (oder den Kinderanhänger) sind eine gute Ergänzung – gesehen bei Sigma. Alternativ: Reflektor-Buttons mit Klettverschluss von Fahrer Berlin die sich an Jackenärmeln befestigen lassen ohne Löcher im Gewebe zu hinterlassen.

Hände: Eine hilfreiche Innovation: Der Blinker-Handschuh für den Winter mit batteriebetriebener Fahrtrichtungsanzeige.

Beine: Praktisch sind individuelle Reflektorbänder für das Hosenbein (aus Recycling Material gesehen bei Fahrer Berlin) . Das Band kann dank des Klettverschlusses schnell und einfach überall angebracht werden und ziert Taschen, Rucksäcke, Fahrradrahmen und vieles mehr (auch den Nachwuchs!)

Überall: 360° Sichtbarkeit: Reflektierende Sticker verwandeln Helme, Rucksäcke, Trinkflaschen und Fahrradrahmen zu reflektierenden Unikaten. Gesehen bei Happarel Bicycles.

Laser-Innovation: Das Beryl Laserlicht Core macht das Prüfen des optimal eingestellten Lichtkegels unterwegs ganz einfach: Das Radlicht projiziert per Laser ein grünes Fahrradsymbol etwa 6 m vor dem Vorderrad auf den Untergrund. Das zeigt zum einen, dass das Licht korrekt eingestellt ist. Zum anderen ist die Laser-Projektion hilfreich bei uneinsichtigen Ausfahrten und Ecken sowie beim toten Winkel. Das  innovative Radlicht ist in Deutschland vom Kraftfahrt-Bundesamt (noch) nicht zugelassen.

Beryl Laserlight Licht Fahrrad KBA StVZO Fahrradlicht

Sichtbar und reflektierend auf dem Rad durch den Winter: Enjoy your rides! © Beryl Lights

karen Greiderer_squarel
Die leidenschaftliche Pedalistin hat schon einige (Welt-)Reisekilometer im Radsattel gesammelt und verbindet tagtäglich Faltrad mit ÖPNV in Berlin. Ihr Zugang zum Fahrrad(fahren) ist vielschichtig-detailverliebt bis unkompliziert-pragmatisch und reicht in ihre frühen Jugendtage in Österreich (Graz) zurück. Ob total beladen, super lightweight, 16 Zoll oder 29er, gefahren wird alles was gute Laune macht.

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