Das urbane Fahrradmagazin

Komfortable Fahrrad-Infrastruktur

Egal, ob hochtechnologisch wie die NASA oder simpel wie ein Nussknacker: Fahrrad-Infrastruktur, die das Radfahren erleichtert, ist immer willkommen.

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.
Image © James Schwartz (CC BY-ND 2.0) on flickr

1. Verschnaufpause, ohne Abzusteigen

Ein Metallgeländer mit Fußauflage ist zwar keine hochtechnologische Innovation, allerdings ein höchst willkommenes Angebot für Radfahrer. In Kopenhagen findet man diese Stützen an mehreren Kreuzungen, versehen mit einer netten Botschaft: „Hi, cyclist! Rest your foot here… and thank you for cycling in the city.“ So klein der Aufwand, so groß die Geste. Denn jeder kennt das: sobald ein Halt absehbar ist, wird die nächste Abstützgelegenheit anvisiert. Das ist gut an den abgegriffenen Seiten von Ampel- und Laternenmasten zu sehen. Copenhagenize nennt es „Bicycle Culture Buddhas.“ Vorteil für alle: intelligentes Design führt zu intelligentem Verhalten. Je bequemer das Stehen an der Kreuzung ist, desto disziplinierter und geduldiger wird gewartet.

2. Grüne Welle

In vielen Städten ist die Grüne Welle auf Hauptverkehrsadern für den motorisierten Verkehr längst Standard. In Kopenhagen, Amsterdam und San Francisco richtet sich die Ampelplanung teilweise auch nach Radfahrern. Seit 2009 ist die Valencia Street in San Francisco die erste mit einer grünen Welle für Radfahrer in beide Richtungen. Wer in Amsterdam mit 15 bis 18 km/h radelt, wird von keinem Rotsignal gestoppt. Und in Kopenhagen schwimmt man auf der Nørrebrogade, Østerbrogade und Amagerbrograde mit 20 km/h, ohne zu Stoppen. Da Radcomputer auf Stadträdern selten sind, helfen LEDs beim Halten der Geschwindigkeit. In Zukunft will die dänische Hauptstadt noch einen Schritt weiter gehen und bei Gruppen von mehr als 5 Radfahrern die Ampeln automatisch auf Grün schalten. An intelligenten Ampelschaltungen forscht derzeit auch Bike Citizens im Projekt „Bike Wave“.

3. Sonnenkraft unter den Rädern

3 Millionen Euro kostete der 70 Meter lange Radweg zwischen Krommenie und Wormerveer. Seine Baukosten kann er allerdings durch seine außergewöhnlichen Eigenschaften bald wieder wett machen. Statt Asphalt besteht die Fahrbahn aus Solarpaneelen, die in der Endversion drei Einfamilienhäuser mit Strom versorgen könnten. 2016 soll sie auf 100 Meter verlängert werden. Dort hören Hollands Pläne aber noch lange nicht auf: 20 % aller Straßen des Landes mit Solarpanelen versehen, genügen, umdie gesamte Infrastruktur – von Ampeln über Elektroautos bis hin zu –Elektrorädern – mit Energie versorgen. Auch in den USA wird an Solar Roadways getüftelt. Ganz so einfach ist die Sache mit den Solarpanelen als Fahrbahn allerdings nicht. Durch die flache Ausrichtung ist die Effizienz 30% geringer als auf Hausdächern. Zudem muss die Beschichtung griffig genug für Reifen sein und glatt genug, um Schmutz von den Panelen zu leiten.

4. Bergkönig ohne Anstrengung

Dass Radfahrer in Trondheim den Brubakken – einen 130 Meter langen und zwischen 10 und 18 Prozent steilen Hügel – per Lift erklimmen können, verdanken sie Jarle Wanvik. Der Designer und Rad-Enthusiast präsentierte seine Idee, Hügeln den Schrecken zu nehmen, der Stadt und durfte bereits 1993 den Trampe installieren. Die Bedienung ist einfach: ein Fuß steht am Lift, einer am Pedal des Rades. Das im Randstein integrierte Seil zieht die Fußraste langsam (mit ca. 4-5 km/h) den Hügel hoch und den Radfahrer mit seinem Rad hinauf. 220.000 Mal wurde der Trampe benutzt und 2013 durch eine weiterentwickelte Version – CycloCable – ersetzt. Alle 12 Sekunden kann so ein Radfahrer im Ruhepuls den Brubakken erklimmen.

5. Automatische Parkgarage

Bahnhöfe sind echte Hot Spots für Fahrräder. Zu Stoßzeiten sammeln sich Heerscharen, es wird mühsam entweder einen Stellplatz oder das eigene Rad zu finden. Technologie-Vorreiter Japan hat eine praktische Lösung ausgetüftelt. Am Kasai-Bahnhof errichtete Tokio ein automatisches Parkhaus mit 6.480 Fahrrad-Abstellplätzen. Als registrierter Nutzer schiebt man sein Rad (mit Chip ausgestattet) in eine Vorrichtung und ein Greifarm verstaut es automatisch im unterirdischen Schacht. Per Chipkarte holt man sein Rad wieder ab, das in etwa 20 Sekunden wieder vor seinem Besitzer parat steht. Klingt nach Zukunftsmusik? Automatische Fahrrad-Parkhäuser existieren in Japan seit 2006. Für rund 20 Euro pro Monat bekommt man einen witterungsfesten und sicheren Abstellplatz.

Image © James Schwartz (CC BY-ND 2.0) on flickr

 

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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