Das urbane Fahrradmagazin

Effizienzmeister – Wie effizient sind die einzelnen Verkehrsmittel?

Platz, Energie und Zeit – die knappsten Ressourcen der urbanen Mobilität. Welches Verkehrsmittel ist in diesen Kategorien am effizientesten? Ein Vergleich.

Effektivität ist nicht gleich Effizienz. Das wissen Verkehrsplaner heute besser denn je. Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als außerhalb. Das bedeutet viele Wege auf engem Raum. Ressourcen sind rar und müssen möglichst sorgfältig genutzt werden. Die Wahl des richtigen Verkehrsmittels beschäftigt aber nicht nur Verkehrsplaner, sondern bringt uns sogar schneller und effizienter von A nach B. Ein Effizienzvergleich in drei Kategorien.

Platzbedarf in der Stadt

Lässt man den Blick über die Straßen einer Stadt schweifen, ahnt man es bereits: in der Platzbedarfswertung hat der PKW keine guten Karten. Vergleichsweise viel Platz für vergleichsweise wenig Fahrgäste. Die schlechte Bilanz rührt vor allem von der unterdurchschnittlichen Auslastung. Mit rund 1,4 Personen im Durchschnitt besetzt, benötigt eine Person per PKW (bei 30 km/h) rund 65,2 m2Platz, mit der Straßenbahn (20% Auslastung) 5,5 m2 und mit einem zu 40% ausgelasteten Bus gar nur 4,5 m2. Der Verkehrsclub Österreich rechnet vor: eine ausgelastete Straßenbahn (145 Personen) spart in Wien rund 124 Autos ein. Platzsparender ist man noch zu Fuß: 0,95 m2 werden hier veranschlagt, wobei man damit deutlich langsamer als 30 km/h unterwegs ist. Wie stark der Platzbedarf mit der Geschwindigkeit steigt, wird am Beispiel Fahrrad sichtbar: aus 1,2m2 im Stillstand werden bei 30 km/h Fahrt plötzlich 41 m2 (Bremsweg und Sicherheitsabstand mit eingerechnet).

Wesentlich hinsichtlich Platzbedarf ist auch der Besitz eines Verkehrsmittels, wie Journalist Tom Schaffer hervorhebt. Privat-PKW und –Fahrräder verschwinden nach der Benützung nicht, sondern brauchen weiterhin Platz, obwohl sie nicht genützt werden. Teilen statt besitzen ist nicht nur Trend, sondern logisches Verhalten. Ein Carsharing-Auto spart zwischen 8 und 15 Privatautos ein. Öffis wiederum stellen ihren Transport-Platz permanent und mehreren Personen nacheinander zur Verfügung.

Energieverbrauch je Fortbewegungsart

Um vorwärts zu kommen, braucht man Energie. Unabhängig vom Transportmittel. Selbst zu Fuß ergibt sich bei einer 70 kg schweren Person ein Verbrauch von rund 0,075 kWh pro Kilometer. Gehen ist damit die zweit-effizienteste Fortbewegungsart. Nur mit dem Fahrrad ist man noch energiesparender unterwegs: 0,025 Kilowattstunden am Kilometer ist der absolute Spitzenwert. Auf der anderen Seite der Skala stehen laut Umweltbundesamt das Auto (0,56 kWh). Ähnlich ineffizient stuft die französische Energie- und Umweltagentur ADEME Flugzeug (0,52 kWh) und Motorrad (0,51 kWh) ein. Wer mit den Öffis am energiesparendsten unterwegs sein möchte, der steigt in Straßen- und U-Bahn: lediglich 0,05 und 0,08 kWh werden pro zurückgelegtem Kilometer verbraucht. Mit dem Rechner der ADEME kann man sich übrigens Energie- und CO2-Verbrauch für seine Mobilitätswahl berechnen lassen.

Reisezeit von Tür zu Tür je Verkehrsmittel

Um herauszufinden, welches Verkehrsmittel im innerstädtischen Raum das schnellste ist, machte der Verkehrsclub Deutschland in Berlin die Probe aufs Exempel. Konkret auf der Strecke Schlesisches Tor bis zur Humboldt-Universität. Der Sieger? Das Fahrrad. 14 Minuten Reisezeit von Tür zu Tür. 23 Minuten benötigt man für den gleichen Weg mit dem PKW, 3 Minuten länger mit den Öffis und zu Fuß gemächliche 49 Minuten. Beachtlich: mit Fahrrad und Fuß ist die Strecke kürzer (4 km), mit dem PKW am längsten (6,5km). Was dann nicht nur effizient, sondern sogar richtig effektiv ist.

Foto © Cycling promotion fund

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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