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Ist die Vier-Tage-Woche ein Modell für die Zukunft?

Die Mitarbeiter von Bike Citizens arbeiten von Montag bis Donnerstag, der Freitag gehört bereits zum Wochenende. Ein Arbeitszeitmodell für die Zukunft?

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Work-Leisure-Balance dank Vier-Tage-Woche

Arbeiten, wo man will und wann man will: Die typischen Vertreter der Generation Y (auch bekannt als Generation Millennium, deren Mitglieder um die Jahrtausendwende zu den Teenagern zählten) sind willig, intensiv und engagiert zu arbeiten. Andererseits erwarten sie sich aber auch mehr Flexibilität und die Möglichkeit, sich genauso auf ihr Privatleben zu konzentrieren wie auf ihren Job.

Das internationale Unternehmen Bike Citizens legt großen Wert auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter und reagiert als einer der ersten Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum auf diese Entwicklung. Neben Tätigkeiten mit großem individuellen Gestaltungsspielraum und Entscheidungsfreiheit steht auch die Zeiteinteilung der Angestellten im Vordergrund. Im Juli 2014 wurde die Vier-Tage-Woche eingeführt, um den Mitarbeitern mehr Zeit für Freizeitaktivitäten zu geben. Im Gespräch mit Geschäftsführer Daniel Kofler wird deutlich, warum auch das Unternehmen insgesamt von der gestiegenen Freizeit seiner Mitarbeiter profitiert.

Wer hatte die erste Idee zur Vier-Tage-Woche? Wo und wann ist diese entstanden?

Daniel Kofler: Natürlich würde ich jetzt gerne behaupten, dass es meine Idee war (lacht). Aber nein. Ein Mitarbeiter ist vor drei Jahren mit einem Artikel über ein amerikanisches Start-Up zu mir gekommen, in dem der CEO interviewt wurde. Dieses Start-Up hat auf die Vier-Tage-Woche umgestellt. Das hat mich zum ersten Mal zum Nachdenken angeregt.

Wie kam es von der Idee zur Entscheidung, die Vier-Tage-Woche einzuführen?

Viel zu oft nimmt man Dinge als gegeben hin. Ich habe einfach das Verhältnis von Arbeitstagen zu Freizeittagen ausgerechnet. Normalerweise kommen auf einen Tag Freizeit zweieinhalb Tage Arbeit – fünf Tage Arbeit, zwei Tage Freizeit. Wenn man aber zu vier Tagen Arbeit und drei Tagen Freizeit übergeht, so ergibt das ein Verhältnis von 1 zu 1,3; was einer Änderung von fast 50 Prozent entspricht! Das macht einen riesengroßen Unterschied.

Welche Interessen stehen hinter diesen Überlegungen?

Ich möchte zwischen der unternehmerischen und meiner persönlichen Sicht unterscheiden. Hinter der persönlichen Sicht steht natürlich das verbesserte Freizeit-Arbeitsverhältnis. Arbeit definiert sich ja zumeist durch die dafür aufgewendete Zeit. Je länger man arbeitet, desto besser ist das Ergebnis, lautet die Annahme. Heutzutage übernehmen aber Computer und sonstige Maschinen einen wesentlichen Teil der Arbeitsleistung. Der menschliche Beitrag besteht in der strategischen Konzeption, also in einer Denkleistung, deren Qualität maßgeblich durch Kreativität bestimmt wird. Dafür muss man aber den Blickwinkel auf die Dinge ändern, und das funktioniert nicht immer bei der Arbeit. Indem man den Job nicht als etwas Abgekapseltes von seinem Leben sieht, sondern Ideen auch in der Freizeit zulässt, leistet man gewissermaßen unbewusste Arbeit.

Und die unternehmerische Sicht?

Der unternehmerische Zugang war, dass man rein mathematisch eine Produktivitätssteigerung von 20 Prozent benötigen würde, um einen von fünf Tagen einsparen zu können. Wenn man auf diesen einen Tag verzichten kann und es gleichzeitig die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert, entsteht eine Win-Win-Situation. In unserem Unternehmen haben wir die Arbeitszeit einvernehmlich von 38,5 Stunden auf 36 Stunden reduziert. Durch diese Reduktion hat sich natürlich auch eine Kostenersparnis ergeben. Im weiteren Verlauf soll Effizienz und Effektivität gelebt werden. Gleichzeitig räumen wir neben der Arbeit genügend Zeit für Privates ein, was wiederum die Qualität der unbewussten Arbeit steigert. Dadurch fördert man auch die Motivation und die Produktivität der Mitarbeiter während der anwesenden Arbeitszeit. Mir ist das Wohlbefinden der Mitarbeiter extrem wichtig, denn dementsprechend wird auch die Qualität der Arbeit ausfallen.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie das bisher geschafft haben?

Auf jeden Fall. Allerdings spielten bei uns eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle. Wir schließen gerade den Übergangsprozess vom Start-up zu einem jungen etablierten Unternehmen ab. Daher sind anfangs auch einige unerwartete Effekte entstanden, vor allem weil viele von uns es gewohnt waren, nicht nur fünf, sondern sogar sechs Tage zu arbeiten. Tatsächlich stellte sich heraus, dass auch zuviel Freizeit eine Herausforderung darstellen kann. In Summe zeigen aber die Arbeitsleistungen der letzten Monate, dass am Ende eben nicht alleine die Arbeitszeit über die Resultate entscheidet. Darüber haben wir nun Gewissheit erlangt und fühlen uns in unseren Annahmen über die Vier-Tage-Woche bestätigt. Am meisten Verwirrung entsteht allerdings immer noch bei Vorstellungsgesprächen: „Und was macht ihr am fünften Tag?“

Das Gespräch führte Anda-Lucia Jagersbacher MSc (WU), CEMS MM, Studentin im Doktoratsstudium der Wirtschafts-und Sozialwissenschaften am Institut für Personalpolitik der Karl-Franzens-Universität Graz.

Foto © Bike Citizens

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