Das urbane Fahrradmagazin

Die Top 10 Radfahrverbote

Radfahren ist gut für die Umwelt und gut für den Körper. Man sollte annehmen, dass das gemütliche Radfahren überall und zu jeder Zeit erlaubt ist. Nicht ganz, denn rund um den Globus gibt es ein paar kuriose – und schwer nachvollziehbare – Einschränkungen.

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.
Image © rand22 via Stock photo

#10 Direktes Linksabbiegen nicht für Radfahrer

Schnell mal nach links abgedreht – das geht in Dänemark nicht. Das direkte Linksabbiegen an Kreuzungen ist mit dem Fahrrad nämlich verboten. Wer trotzdem nicht immer rechts abzweigen möchte, der fährt geradeaus über die Querstraße, hält rechts an und fährt erst nach links, wenn es der Verkehr erlaubt. Auch bei Ampeln. Um Verkehrsteilnehmer auf seinen baldigen Stopp aufmerksam zu machen, hebt man einen Arm.

#9 Von ein- und zweistelligen Fernstraßen

Autobahnen und autobahnähnliche Fernstraßen sind radfahrerfrei. Das kann man aufgrund der hohen Geschwindigkeitsunterschiede nachvollziehen. In Ungarn gilt allerdings des Öfteren ein Radfahrverbot für Nationalstraßen, welche einen ähnlichen Rang wie österreichische Bundesstraßen besitzen. Wo Verbotstafeln gesetzt werden, scheint willkürlich zu sein. Für Radreisende ein Riesenproblem, da Ausweichmöglichkeiten oft nicht vorhanden sind. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club gibt die Empfehlung, ein- und zweistellige Fernstraßen (wie M1 und M10) generell zu meiden.

#8 Frauen auf dem Fahrrad nicht erwünscht

Als velophile Frau hatte man es bis 2013 in Saudi-Arabien nicht leicht. Dem weiblichen Geschlecht war Radfahren schlichtweg verboten. Das ist nun anders: Frauen dürfen nun radeln. Aber ausschließlich in Erholungsgebieten, nur in Begleitung eines männlichen Verwandten und unter Wahrung der Kleidungsvorschriften. Diese sind nicht gerade Funktionswäsche: Kopftuch und Abaya – ein mantelartiges Gewand, das bis zu den Füßen reicht. In Nordkorea wurde das Frauen-Radfahrverbot 2012 aufgehoben.

#7 Zur Schule, aber nicht mit dem Rad

Eigentlich sollte man froh sein, wenn Kinder ihren Schulweg mit dem Rad absolvieren. Das sahen im Jahr 2009 etliche Schulen in Großbritannien und den USA anders. Sie verboten es ihren Schülern sogar, mit dem Rad zu erscheinen. Besonders bekannte Fälle sind Adam Marino in Saratoga Springs, USA und Sam O’Shea in Portsmouth, GBR. Adams Mutter ließ sich davon allerdings nicht abhalten und begleitete ihren Sohn auf dem Rad zur Schule. Und Sam wurde mit 14 Jahren der jüngste Starter beim Abu Dhabi Triathlon.

#6 Rechts vor links nicht für Radler

Die Vorfahrt ist ein gängiges Regelinstrument für den Verkehr in vielen Ländern. Rechts vor links, bekommen wir in der Schule eingetrichtert. So auch in Portugal. Allerdings nicht für Radfahrer. Der motorisierte Verkehr hat immer Vorrang, egal ob von rechts oder links. Für Radfahrer bleibt nur Fortbewegung nach dem „Stop-and-Go“-Prinzip.

#5 Freihändig fahren verboten

§ 68 Absatz 3 der österreichischen Straßenverkehrsordnung: „Es ist verboten, auf einem Fahrrad freihändig zu fahren oder die Füße während der Fahrt von den Treteinrichtungen zu entfernen“. 14 Euro sieht der Strafenkatalog der Polizei vor, wenn die Hände nicht am Lenker sind. Freistil um den Preis eines Mittagessens. Recht bekannt dürfte das Gesetz unter Österreichs Radlern nicht sein. Warum auch: den meisten sagt der Hausverstand, in welchen Situationen sie den Lenker gefahrfrei loslassen können und wann nicht.

#4 Fahrradfreie Insel

„Auf der Insel Helgoland sind der Verkehr mit Kraftfahrzeugen und das Radfahren verboten“, besagt § 50 der Deutschen Straßenverkehrs-Ordnung. Tatsächlich sind Fahrräder für Erwachsene auf der 1,7 Quadratkilometer großen Insel tabu. Kinder bis 6 Jahre dürfen ganzjährig aufs Rad, um das Radfahren zu erlernen. Kinder bis 14 hingegen nur von 01.10. bis 01.04., um außerhalb der Touristenströme in die Schule zu kommen. Ausnahmeregelungen gibt’s nur für Rettung, Polizei, Feuerwehr und Zoll. Begründet wird das Verbot mit zu engen Straßen und der Flut an Verbotsschildern, die man sonst aufstellen müsste. Beliebte Alternative auf der Nordseeinsel: Tretroller.

Kein Radfahren im Park_Radfahrverbot

Image © Otto Kristensen (CC BY-SA 2.0) / Flickr

#3 Radfahrerunfreundlichste Stadt

Die Mini-Stadt Black Hawk in Colorado/USA setzte 2010 einen radikalen Schritt: ein Radfahrverbot auf fast allen Straßen im Stadtgebiet. Den Anlass dafür lieferte das gesteigerte Einsatzlimit im örtlichen Kasino (von 5 auf 100 Dollar), was für einen starken Anstieg an Reisebussen sorgte. Der Bürgermeister und die Regierung der rund 100 Bewohner großen Stadt sahen darauf hin keinen Platz für Fahrradfahrer mehr, wie die Los Angeles Times berichtete. Da die Straßen Routen bekannter Radtouren durch die Rocky Mountains sind, wurde das Verbot von Radvereinen angefochten und 2013 vom Colorado Supreme Court aufgehoben.

#2 Radfahrverbot im Stadtzentrum

Was tun, wenn der Verkehr nicht mehr zu bändigen ist? Genau: Radfahren verbieten. Das hielt die Stadtregierung im indischen Kalkutta für eine schlaue Lösung. 36 Straßen wurden 2008 mit dem Radfahrverbot belegt, im Sommer 2014 wurde auf insgesamt 174 (quasi die gesamte Innenstadt) erhöht. Rikscha- und Radfahrer dürfen nur mehr außerhalb der Geschäftszeiten radeln. Das Klima dankt es Kalkutta mit einer der höchsten Feinstaubbelastungen weltweit, die das berühmte Victoria Memorial langsam gelb färbt.

#1 Kein Fahrrad im Swimming Pool

Baldwin Park, eine 75.000-Einwohner-Stadt in Kalifornien/USA, verbietet es, in Swimming Pools Fahrrad zu fahren. Rich Smith scheiterte bei seinem Versuch dieses Gesetz zu brechen und schälte stattdessen drei Orangen in seinem Hotelzimmer – ebenso illegal laut kalifornischem Gesetz.

Image © Otto Kristensen / Flickr & Stock photo © rand22

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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