Das urbane Fahrradmagazin

Der Weg zur eigenen Fahrradwerkstatt und handgefertigten Fahrradrahmen

Mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten Bikeshops im Land: LEMUR Bikes & Bones. Lastenräder, Sportgeräte und Liebhaberstücke gibt’s in der Grazer Griesgasse, Gebrauchsgegenstände dagegen nicht.

christoph_(c)_alex_rauch_square
Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.
Image © Bike Citizens

„Reine Gebrauchsgegenstände machen wir nicht“, stellt Mike gleich klar. Dem Inhaber von LEMUR Bikes & Bones liegt viel zu viel am Zweirad, als dass er es nur als Fortbewegungsmittel sehen möchte. Das Fahrrad genießt bei ihm einen Status wie die Kuh in Indien. Mike ist so etwas wie der Allrounder der Grazer Radszene. Während sich manche nur in Botenkreisen herumtreiben oder ausschließlich MTB-Runden fahren, macht er alles auf zwei Rädern: von Bikepolo über Alleycats bis zum Mountainbike Downhill. Donnerstags schraubt er ehrenamtlich in der Fahrradküche, die Critical Mass besucht er regelmäßig wie andere die Kirche und am MTB-Projekt Enzi-Trail schaufelt er eifrig mit. Vor einem Jahr huldigte er seine Leidenschaft mit einem eigenen Bikeshop.

Schlosserei, Müllhalde, Bikeshop

Wer den Shop im Hinterhof der Griesgasse 24 findet, der hat auch schon die größte Hürde gemeistert. Außen weist nur ein Eisenschild in luftiger Höhe darauf hin, dass sich im Inneren eine Fahrradwerkstatt wie aus einer anderen Zeit verbirgt. Nackte Ziegelwände, Holzdecken und ein kleiner Werkstattofen. Früher war hier eine Schlosserei, dazwischen Lagerplatz für Sperrmüll und nach viel Aufräumarbeit zog am 3. Mai 2014 LEMUR ein. Das rustikale Ambiente wurde beibehalten, der Raum jedoch liebevoll mit Rad-Utensilien aufgepeppt. Am Boden, an den Wänden, selbst an der Decke – überall sind Räder oder Rahmen. Die Auswahl ist limitiert, doch Schmuckstücke wohin man blickt: ein Francesco Moser Rennrad in glänzendem Chrom, ein schickes Bullit-Lastenrad oder ein Zeitfahr-Unikat aus dem Jahre 1988 mit Carbon-Scheibenrädern. Bei so vielen Rad-Juwelen wird jedem Bike-Aficionado warm um’s Herz. Selbst wenn der kleine Holzofen im Winter nur einstellige Innenraumtemperaturen zulässt.

Bike Shop Lemur_Fahrradwerkstatt

Image © Bike Citizens

Rahmenbau

Warm wird’s vor allem im hinteren Teil der Fahrradwerkstatt. Seit wenigen Wochen haben Mike und sein Chefmechaniker Chris alle sieben Sachen beisammen, um einen eigenen Rahmen zu schweißen. Und darauf sind sie richtig stolz. Noch 2015 soll der erste LEMUR-Frame fertig sein. Ehrgeizige Pläne für ganze Fully-Alurahmen schwirren schon in den Köpfen der beiden.

Zentrum der Grazer Radszene

Wer ins LEMUR kommt, weiß wie sich ein Teil der Grazer Radszene anfühlt. Das kann man trotz der versteckten Lage ruhigen Gewissens sagen. Keine aufgesetzte Atmosphäre, kein geleckter Showroom – hier steht einfach das Fahrrad im Mittelpunkt. Radfahren wird im LEMUR gelebt. Vom nahen Hauptquartier der PinkPedals kommen die Boten für eine Ladung Kettenöl ins Geschäft. Im kleinen Garten gibt’s einen verwucherten Mini-Pumptrack. Diesen Shop will man so schnell nicht verlassen. Dafür sorgt auch Mike mit seinen verbalen Ausflügen in die Welt der Technik. Heißer Tipp: an sonnigen Tagen vorher anrufen. Es kann schon mal vorkommen, dass der Chef höchstpersönlich Material testet.

Foto © Bike Citizens

Entdecke die Welt von Bike Citizens > www.bikecitizens.net

christoph_(c)_alex_rauch_square
Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern