Das urbane Fahrradmagazin

Der Sperma-Kurier: In Kopenhagen radeln die Samenzellen zum Ei

Eine Tour durch Kopenhagen ist ein bisschen wie das „Who is Who“ der Bike Kuriere. Denn Fahrradkultur ist hier ein untrennbarer Bestandteil der Stadtkultur. Rund 55% der Kopenhagener benutzen das Rad jeden Tag, und es gibt kaum etwas, das nicht mit dem Fahrrad erledigt werden könnte.

Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.
Image © Larry vs. Harry

So gehört der radelnde Eismann hier genauso zum Stadtbild wie beispielsweise ein rollender Cocktail-Lieferservice oder eine mobile Fahrradwerkstatt. Die Vielfalt innovativer Lastenräder ist enorm. Sie sind für logistische Zwecke innerhalb der Stadt und für den Privatgebrauch im Einsatz. Es gibt sogar schon ein solar- und windbetriebenes Modell.

Lastenrad Kopenhagen

Image © Larry vs. Harry

Das rollende Spermium erregt viel Aufmerksamkeit

Wen wundert es da also noch, wenn ein Kurier in Form eines Spermiums (übrigens fast immer mit einer Frau am Sattel) vorbeifährt? Doch weit gefehlt! Obwohl die Kopenhagener an originelle Hingucker bei den Cargo Bikes gewöhnt sind, zieht das stattliche 2,9 Meter lange Sperm Bike, das eine dänische Samenbank eigens bei Larry vs. Harry entwerfen und bauen ließ, die Blicke auf seinem Weg zu den Kinderwunschkliniken und -zentren an wie ein Magnet.

Einige Monate nachdem es erstmals Fahrt aufgenommen hatte, konnte Hans Bullitt Fogh, Sales-Manager und Mitbegründer von Larry vs Harry, genau das selbst erleben: „Ich war in einem Bus unterwegs, der an dem Rad vorbeigefahren ist. Der Bus ist beinahe nach rechts gekippt, weil jeder einen guten Blick auf das ungewöhnliche Fahrrad haben wollte“ erzählt er und sagt offen, „anfangs war ich überzeugt, dass das Rad nicht mehr als technischer Schnickschnack ist. Heute ist klar, dass es eine wunderbare Idee war, weit besser als erwartet“. Und für den Auftraggeber ganz nebenbei natürlich eine geniale Art der Eigenwerbung.

Sperma-Kurier in Kopenhagen

Image © Larry vs. Harry

Die Kühlung muss stimmen im Inneren des Sperma-Kuriers

Die größte Herausforderung an der Konstruktion des sogenannten Sperm Bikes war der Behälter, der stets die richtige Temperatur für seine sensiblen „Güter“ haben muss und dessen Heckteil noch über das Rad hinausragt. Genau die richtige Aufgabe für 10 TONS, die mit viel Know-how und Erfahrung aus dem Spezialformbau den Behälter entwickelt hat.

Bisher hat sich der Sperma-Kurier (das mittlerweile in Seattle ein Geschwisterchen bekommen hat ) für seine Aufgabe bestens bewährt. Die Metallbehälter mit den Samenspenden werden in einem speziell dafür entwickelten Kühlfach im Kopf des Riesenspermiums gelagert. „Dass es potentielle Babies transportiert, macht mich stolz und glücklich“, sagt Hans Bullitt Fogh über eines seiner inzwischen vielen Cargo Bike-Babies, die übrigens auch “Bullitts“ genannt werden. Und auch dem dänischen Wortschatz hat der Sperma-Kurier Zuwachs beschert: „Noch im selben Jahr wurde das Wort „Sperm Bike“ offiziell in die dänische Sprache aufgenommen“, so Hans Bullitt Fogh nicht ganz ohne Stolz.

Foto © Larry vs. Harry

Entdecke die Welt von Bike Citizens > www.bikecitizens.net

Barbara_Sowa
Im „Ruhrpott“ aufgewachsen, lebe und arbeite ich seit vielen Jahren als Journalistin, Übersetzerin und vereidigte Dolmetscherin für Englisch im Rhein-Main-Gebiet. Ich nutze das Rad sowohl als Transportmittel im städtischen Alltag als auch für schöne ausgiebige Touren am Wochenende. Das bedeutet für mich Unabhängigkeit, Bewegung und den Genuss, Landschaften zu „erfahren“.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern