Das urbane Fahrradmagazin

Das Rennrad als Alltags-Verkehrsmittel

Wohnungstür zu, die Treppen runter, raus aus der Tür, da steht es gut angekettet, in silberblauer Pracht: mein Rennrad. In dieser Zusammensetzung nun ein halbes Jahr alt, obwohl der Rahmen von Wanderer schon zahlreiche Lenze am Buckel hat. Und jeden Tag aufs Neue einer der Gründe, warum ich mich auf den Weg zur Arbeit freue. Aber bei Weitem nicht der Einzige.

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Doris ist Übersetzerin und Dolmetscherin, die mit Begeisterung über ihre Lieblingsthemen schreibt, zu denen zweifellos das Radfahren, sowohl im urbanen Raum als auch abseits der asphaltierten Wege, zählt. Sie lebt und arbeitet als Selbstständige in Graz und beschäftigt sich mit Sprachen, Texten und der Kommunikation zwischen Kulturen.
Foto © Doris Zörweg

Das Rennrad in der Stadt zu nutzen, hat meine Sicht auf das Rad als tägliches Verkehrsmittel ziemlich auf den Kopf gestellt. In Situationen, in denen ich mich früher für das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel  entschieden hätte, zum Beispiel bei längeren Distanzen, schwinge ich mich jetzt ohne zu zögern aufs Rad. Immerhin verliere ich beim Rennradfahren keine Zeit gegenüber anderen Verkehrsmitteln, ganz im Gegenteil.

Niemand kommt gern zu spät

Die Bezeichnung Rennrad kommt nicht von ungefähr. Das soll nicht bedeuten, dass man sich unterwegs gnadenlose Ellbogen-an-Ellbogen-Rennen mit anderen Radfahrern liefern soll. Aber verlorene Zeit holt man mit einem Rennrad garantiert im Nu auf. Immerhin haben Rennräder einen geringen Rollwiderstand und eine sehr gute Aerodynamik, die bei neueren Modellen und der richtigen Sitzposition noch gesteigert wird. Zusätzlichen Speed, vor allem beim Beschleunigen an Ampeln oder bei Überholmanövern, kann man durch die Verwendung von Klickpedalen herausholen, die für eine bessere Energieübertragung sorgen. Kleiner Tipp: Das Fahren bzw. Absteigen mit Klickpedalen erst mal üben, um Unfälle in der Stadt zu vermeiden.

Den Weg zur Arbeit von 8 km lege ich nun mit meinem Rennrad in genau der gleichen Zeit wie mit dem Auto zurück. Und das nicht nur, weil ich auf Radstreifen und Radwegen höhere Geschwindigkeiten fahren kann!

Mit dem Rennrad gekonnt durch die Stadt

Wenn es in der Stadt mal wieder heißt „Stau voraus!“ kratzt uns Radfahrer das ja im Allgemeinen recht wenig; wir umfahren sie ganz einfach auf Radwegen. Gerade wenn man aber in der Stadt mal kreativ werden muss, um seinen Weg durch die Stadt zu finden, ist das Rennrad der optimale Partner: Durch sein geringes Gewicht kann man es bei unvorhergesehenen Hindernissen auch mal tragen. In Städten, in denen es erlaubt ist, das Rad in öffentlichen Verkehrsmitteln wie der U-Bahn oder in Bussen mitzunehmen, trägt man außerdem viel lieber ein Leichtgewicht, als ein sperriges Rad, das doppelt so viel wiegt.

Der Trainingseffekt: Zeigt her eure Waden

Nicht zu verachten ist außerdem der Trainingseffekt, den das Rennradfahren im Gegensatz zum gemütlichen radeln auf einem Citybike, mit sich bringt. Abhängig davon ob es sich um ein Multispeed-Rennrad, also eins mit Gangschaltung, handelt ist auch das Treten in den niederen Gängen mit einem höheren Kraftaufwand verbunden als bei einem herkömmlichen Fahrrad. Bei Fixies oder Singlespeed-Rädern erhöht sich der Trainingseffekt im Vergleich zu Multispeed-Rädern nochmals.

Have a seat!

Noch viel wichtiger als bei normalen Rädern ist die richtige Sitzposition am Rennrad, vor allem wenn es täglich und auch auf längeren Distanzen genutzt wird, sonst kann einem ganz schnell die Freude am Fahren abhandenkommen. Deshalb sollte man sich schon im Vorhinein Gedanken darüber machen, welche Lenkstange und damit verbundene Position einem zusagt. Grundsätzlich gilt aber für alle Rennräder, dass sie ein sehr agiles Lenkverhalten haben, was das schnelle Reagieren im Straßenverkehr erleichtert.

Schienen und andere Herausforderungen

Straßenbahn, Tram, Bim … egal wie man es nennt, wenn du in einer Stadt mit Schienenfahrzeugen im öffentlichen Verkehr lebst, dann sollte dein neues Lebensmotto sein: Der rechte Winkel ist mein Freund. Einerseits sind Schienen rutschiger als Asphalt, deshalb sollte man schnelle Lenkmanöver, vor allem bei nassen Straßenverhältnissen, direkt auf den Schienen vermeiden. Zum Anderen sind Rennradreifen schmaler als die Schienen, wofür in Zürich bereits radfahrfreundliche Schienen getestet werden. Bis es allerdings in vielen europäischen Städten soweit ist, ist es besser, die Fahrt etwas zu verlangsamen und die Schienen im rechten Winkel zu kreuzen. Apropos Reifen, für Sicherheit sorgt außerdem der richtige Reifendruck. Das können bei einem Rennradreifen schon mal bis zu 8 bar sein. Wichtig: Reifendruck regelmäßig checken.

Wer später bremst ist länger schnell!?

Besonders bei höheren Geschwindigkeiten ist es wichtig, auf mehr Abstand zu achten. Dies gilt sowohl für Radwege als auch für die Straße. Ruhige Seitenstraßen können besonders mit dem Rennrad eine gute Alternative zu gut frequentierten Radwegen sein.

Unsere Argumente haben dich überzeugt und du möchtest dich in Zukunft mit einem Rennrad durch die Stadt schlängeln, aber dein Geldbeutel hat schon bessere Zeiten gesehen? Auch hier haben wir gute Neuigkeiten! Ältere Modelle zum Basteln und Restaurieren gibt’s bereits ab 100 Euro, entweder auf Flohmärkten oder auch online bei Fahrradbörsen. Auch Modelle in sehr gutem Zustand sind noch unter 300 Euro zu haben.

Und damit dir im wahrsten Sinne des Wortes niemand die Freude an deinem Rennrad nehmen kann, solltest du in ein gutes Fahrradschloss investieren, und auch wenn es banal klingt: immer an festen Gegenständen anketten, so ein hübsches Leichtgewicht soll einen ja dort wieder erwarten, wo man es abgestellt hat.

 

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Doris ist Übersetzerin und Dolmetscherin, die mit Begeisterung über ihre Lieblingsthemen schreibt, zu denen zweifellos das Radfahren, sowohl im urbanen Raum als auch abseits der asphaltierten Wege, zählt. Sie lebt und arbeitet als Selbstständige in Graz und beschäftigt sich mit Sprachen, Texten und der Kommunikation zwischen Kulturen.

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Kommentare
  • Tobias Heilig

    RR=Schönwetterrad. Für Alltag lange Schutzbleche mit Spritzlappen zweckmäßig.

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