Das urbane Fahrradmagazin

Das Lastenrad verändert das Gesicht der Stadt

Das Lastenrad kehrt in unsere Städte zurück. Es transportiert Güter, Werkzeuge, Einkäufe, Kinder oder dient als Verkaufsstand bzw. als Stadtmobiliar. Das Stadtleben profitiert davon, dass Kfz-Fahrten in den Innenstädten durch Lastenradfahrten ersetzt werden und damit mehr Platz für Aufenthalt geschaffen wird.

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Das Potential für den Gütertransport per Fahrrad ist hoch. 51% aller motorisierten Fahrten in Städten die mit dem Transport von Waren zu tun haben, könnten per Rad, Radanhänger oder Lastenrad erledigt werden. Die Baselinestudie des EU-Projektes CycleLogistics hat dabei alle Transportfahrten die innerhalb von 7km und unter 200kg liegen für das Potential in Betracht gezogen.

Private Logistik kann oft aufs Rad verlagert werden

Ein Gutteil des Verlagerungspotentials – nämlich 2/3 – liegt in der privaten Logistik. Oft ist der Transport von Gegenständen ein Argument für die Notwendigkeit der Autonutzung das kann den Freizeitverkehr betreffen, aber auch den Einkauf. Häufig sind die gekauften Mengen aber so gering, dass sie mühelos mit dem Rad transportiert werden könnten.

Privater Transport von Einkäufen(c)Mikael Colville-Andersen

Privater Transport von Einkäufen Foto: Mikael Colville-Andersen

In Graz wurde Personen vor Baumärkten und Supermärkten mehr als 6000-mal ins Einkaufswagerl geschaut. Das Ergebnis: 80% aller Einkäufe fänden in einem größeren Fahrradkorb Platz, weitere 14% in einem Radanhänger und nur für 6% aller Einkäufe wäre ein Auto nötig gewesen.

Gewerblicher Lieferverkehr

DHL Paket Lieferung mit Lastenrad

Im gewerblichen Lieferverkehr könnten 25% aller Fahrten mit dem Lastenrad erfolgen. Kurierexpressdienste wie DHL, GLS, UPS etc. haben bereits Testbetriebe in verschiedenen Städten laufen. DHL mit großem Erfolg und 33 Lastenrädern, in niederländischen Städten. Aber auch in der Essenszustellung spielen Lastenräder eine immer größere Rolle, sei es bei der Pizzazustellung einer deutschen Kette oder bei einer Wiener Anbieterin für biologisches Mittagessen, die mittlerweile mit 13 Lastenrädern und 3 Fahrradanhängern zustellt.

Private Dienstleistungen mit dem Lastenrad

Fotograf Swen Sievert

Werkzeuge und Reparaturmaterial sind oft für die Erbringung privater Dienstleistungen nötig. Lastenräder können hier eine große Rolle spielen, sie sind zu Verkehrsspitzenzeiten schneller als das Kfz und vor allem leichter und näher bei Kunden zu parken. Auch Fotografen sowie Harry Schiffer (Graz) und Swen Siewert (Berlin) transportieren ihr Foto-Equipment per Rad und können somit Termine leichter einhalten. Die Wiener Fensterreinigungsfirma Kellermayr setzt auf für diesen Zweck optimierte Radanhänger. Beliebt sind in vielen Städten auch mobile Radreparaturdienste die per Lastenrad anreisen.

Das Rad als Verkaufsstand

Cycle Craft Lastenräder_Eis am Bike

Das Bild des italienischen Eisverkäufers der sein Rad als Verkaufsstand benutzt ist allgegenwärtig. Lastenräder vor allem in ihrer 3-rädrigen Ausführung können für vielfältige wirtschaftliche Anwendungen wie mobile Küchen, Ausschenken aber auch als Informationsstände zum Einsatz kommen. Die Stadt Ferrara betreibt z.B. radbasierte Tourismusinformationsbüros.

Kommunale Services per Rad

Blumenbewässerung_Montral_Transportrad

Blumenbewässerung in Montral mit dem Transportrad.

Gemeindeaufgaben wie innerstädtische Straßenreinigung, Mistkübelentleerung, Parkpflege sind Beispiele für den möglichen Einsatz von Lastenrädern. In Graz sind nach anfänglicher Skepsis bereits drei Transporträder zur Straßenreinigung im Einsatz in Kopenhagen (DK) mehr als 40 und in Nimes (FR) 15.

Dass für den Einsatzzweck der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, zeigt das Beispiel von Montreal. Hier werden Lastenräder zur innenstädtischen Blumenbewässerung verwendet.

So können Städte die Transportfahrradnutzung unterstützen

Neben der Verwendung von Transportfahrrädern im gemeindeeigenen Fuhrpark können Städte viele Aktivitäten ergreifen um den Einsatz von Lastenrädern zu unterstützen.

Der Ausbau der Fahrradinfrastruktur ist eine wichtige Fördermaßnahme. So wünschen sich 2/3 aller Käufer in Supermärkten in Graz und Wien eine bessere Erreichbarkeit von Supermärkten per Fahrrad (cyclelogistics.eu). Zusätzlich ist bei vermehrtem Lastenradeinsatz auch zu bedenken, dass Radwege entsprechende Breiten und Kurvenradien aufweisen sollten.

Einige Städte wie Graz und Wr. Neustadt bieten ihren Bewohner an „Öffentliche Lastenräder“ für private Transporte gratis auszuprobieren. Buchungsplattformen im Internet machen das Reservieren einfach. Das Service wird meist ehrenamtlich organisiert und die Gemeinde steuert die Räder bei.

Die Stadt Cambridge (UK) hat alle Beschaffungsvorgaben und Ausschreibungen derart adaptiert, dass Lieferungen per CargoBike (überall wo es vom Gewicht und Volumen her Sinn macht) als Vergabekriterium aufgenommen wurden. Gemeinden können über diesen Weg Eisbrecherfunktion für die Fahrradlogistik haben.

Zugangsbeschränkungen für fossilen Lieferverkehr (räumliche und zeitliche Restriktionen sowie Gewichtsbeschränkungen) schaffen bessere Bedingungen für den Lieferverkehr per Rad. Wichtig ist eine effiziente Überwachung der Vorgaben. Häufig werden bereits bestehende StVO Regeln missachtet. Lieferwagen parken auf Gehsteigen, in Einfahrten oder in 2ter Spur. Würden diese Gesetzesübertretungen geahndet, wäre dies ein starker Schub für die Radlogistik.

Finanzielle Förderungen für den Kauf von Lastenrädern können helfen schneller eine kritische Menge an Lastenrädern zu erreichen. Graz hat mit der Förderung, die bei kommerziell genützten Lastenrädern bis zu €1.000 Euro des Anschaffungspreises beträgt, die Zahl der Lastenräder verfünffacht (von 20 auf 100). Die städtischen Förderungen können mit der vorhandenen Bundesförderung verknüpft werden.

Um zu erfassen was mit Lastenrädern verändert werden kann, hilft ein Blick in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Hier sind mehr als 25.000 Lastenräder unterwegs – hauptsächlich im Bereich der privaten Logistik für den Kindertransport und für Güter des täglichen Bedarfs. In Kopenhagen gilt das Lastenrad inzwischen als der „SUV für intelligente Mobilität“ wie es der Mobilitätsexperte Mikael Colville- Andersen ausdrückt. Ein SUV der bald auch für mehr Lebensqualität in Österreichs Städten sorgen könnte.

Zu den Autoren:

Susanne Wrighton und Karl Reiter arbeiten für die Forschungsgesellschaft Mobilität (FGM). Die FGM koordiniert(e) die EU Projekte CycleLogistics und CycleLogistics Ahead.

Weiterführende Information:

EU- Projekt CycleLogistics: www.cyclelogistics.eu

Firmen mit Lasteradeinsatz: www.fahrradfensterputzer.at und www.ritabringts.at

Öffentliches Lastenrad Graz: www.das-lastenrad.at

Lastenradförderung klima aktiv: www.klimaaktiv.at/mobilitaet/radfahren/elastenrad.html

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