Das urbane Fahrradmagazin

From Zero to Hero: Städte, die auf den Rad-Wandel setzen

Kopenhagen und Amsterdam sind die Fahrrad-Hauptstädte dieser Welt und geradezu Synonyme für das Fahrradfahren. Rund ein Drittel aller Wege werden dort mit dem Rad zurückgelegt. Die Anstrengungen der beiden Städte sind imposant und werden im The Copenhagenize Index – Bicycle Friendly Cities gewürdigt: Platz 1 und 2 sowohl 2011 als auch 2013.

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

Smog, Stau, Lärm: Es gibt viele Städte, die in ihrem eigenen Sumpf feststecken. Und es gibt einige, die sich mit mutigen Maßnahmen selbst daraus befreit haben.

Kopenhagen und Amsterdam sind die Fahrrad-Hauptstädte dieser Welt und geradezu Synonyme für das Fahrradfahren. Rund ein Drittel aller Wege werden dort mit dem Rad zurückgelegt. Doch selbst Kopenhagen und Amsterdam waren nicht immer die Musterschüler der Verkehrsplanung, die sie heute sind. In den Niederlanden fiel die Radfahrquote ausgehend von 85 % kurz nach dem 2. Weltkrieg auf 20 % am Beginn der 1970er-Jahre. Die fortschreitende Motorisierung hatte auch Kopenhagen fest im Griff. So fest, dass es in beiden Städten aufrüttelnde Erlebnisse brauchte, um ein Umdenken einzuleiten. Nach tödlichen Zusammenstößen von Auto- und Radfahrern formierte sich unter radfahrenden Bürgern Widerstand, der in das mündete, wofür wir Kopenhagen und Amsterdam heute bewundern: fahrradfreundlichen Verkehr.

Copenhagen Index

Die Anstrengungen der beiden Städte sind imposant und werden im The Copenhagenize Index – Bicycle Friendly Cities gewürdigt: Platz 1 und 2 sowohl 2011 als auch 2013. Hinter den beiden Vorzeigeprojekten gibt es aber Städte mit geringerem Radanteil, doch radikalen Lösungen.

WomanAmsterdam_Copenhagen Index

Sevilla

Spanien galt bisher nicht gerade als Fahrrad-Mekka. Andalusiens Hauptstadt Sevilla hat das Ruder allerdings herumgerissen und wird auf Platz 4 als Paradebeispiel im Copenhagen Index gefeiert. Seit 2006 konnte der Rad-Anteil von lediglich 0,5 % auf 7 % (2013) vervielfacht werden. Der Grund: die 2003 neugewählte Stadtregierung packte die Gelegenheit am Schopf und zwangsbeglückte Sevilla innerhalb eines Jahres mit einem Radwegnetz von 80 Kilometern Länge. Statt 10 gibt es heute 50 Rad-Shops und 70.000 Fahrräder (statt 6.000) werden heute im Süden Spaniens täglich bewegt. 2011 wurde die Entwicklung mit der Austragung der Velo-city Europe gekrönt.

Paris, Bordeaux, Nantes

Mit drei Städten unter den Top 14 im Index ist Frankreich stark vertreten. Neben Leader Bordeaux geben sich Nantes und Paris alle Mühe. Nantes, Gastgeber der Velo-City Europe Conference 2015, will sich in besonders gutem Licht präsentieren: enormer politischer Wille resultiert Wochen vor dem Großevent in 485 Radweg-Kilometern, 10.622 Abonnenten des Radverleih-Systems „Bicloo“ und einer Rad-Quote von 5,3 % (2008: 2 %). Ambitioniert ist auch die Hauptstadt Paris: Cycling Capital of the World 2020 zu werden, lautet deren Ziel. 150 Millionen Euro nimmt die Regierung von Bürgermeisterin Anne Hidalgo in die Hand und will unter anderem das Radwegenetz von 700 auf 1.400 Kilometer verdoppeln. Pläne für die Champs Elysées inbegriffen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll die Rad-Quote von 5 auf 15 % verdreifacht werden. Das Verleih-System „Vélib“ ist mit 283.000 Abonnenten bereits heute ein Renner und wird um eine E-Bike-Flotte erweitert.

Bogotá

2.600 Meter über dem Meer, 8 Millionen Einwohner und knapp 1,5 Millionen Privatautos. Nein, Bogotá findet sich nicht unter den führenden Städten im Copenhagen Index. Dennoch schaffte die kolumbianische Hauptstadt zur Jahrtausendwende unter Bürgermeister Enrique Peñalosa eine Verkehrswende wie kaum eine andere Stadt. Parkplätze wurden aufgelassen, um Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, das Radwegnetz auf 376 Kilometer ausgebaut und Öffis und Fahrräder mit dem Transmilenio Bussystem verbunden. Obwohl die Rad-Quote noch bei bescheidenen 2 % liegt, ist die Begeisterung für das Fahrrad deutlich spürbar: Jeden Sonntag werden 121 Kilometer Straße im Zentrum für die Ciclovía gesperrt – eine riesige Critical Mass.

Foto © José Manuel Ríos Valiente; Transformer18

Entdecke die Welt von Bike Citizens > www.bikecitizens.net

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Dicke Walzen, schmale Reifen, bergauf, bergab - ist für alles zu begeistern, nur flach darf es nicht sein. Unbekehrbarer Fahrrad-Afficionado für den das Bike mehr ist als nur Mittel zum Zweck. Schreibt nieder, was andere nicht in Worte fassen können. Einer der Köpfe vom LINES Magazine.

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