Das urbane Fahrradmagazin

Bikepolo: „Ich wurde süchtig nach diesem Sport“

Ob Richard J. Mecredy das ahnen konnte? Im Jahr 1891 versuchte der Radsportler, so verraten es uns die Geschichtsbücher, fahrradfahrend mit einem Schläger Bälle im Tor zu versenken. Heute ist Bikepolo eine international aufstrebende, urbane Sportart, die weltweit von vielen Tausend Begeisterten gespielt wird.

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.

Viel braucht man nicht. Es genügen ein einfaches Rad, ein Schläger, den man sich leicht selbst basteln kann, und ein kleiner Ball. Und die wichtigste Zutat: Begeisterte Spieler. Diese zu finden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Vor zehn Jahren ist Bikepolo in Europa angekommen und beliebter denn je. Regelmäßig werden in verschiedensten Städten Europas und weltweit Turniere ausgetragen, an denen Menschen vom ganzen Globus teilnehmen.

Was ist Bikepolo?
Bikepolo ist ein Mannschaftssport. Ein Team besteht aus drei radfahrenden Spielern, die versuchen, einen Ball mit einem Schläger in das gegnerische Tor zu befördern. Dabei darf man den Boden nicht mit den Füßen berühren – passiert dies, darf man nicht in das Spiel eingreifen, bis man an der Bande mit dem Schläger abgeschlagen hat. Das Spiel endet entweder nach zehn Minuten oder wenn ein Team fünf Tore erzielt hat.

Janku: „Ein paar Minuten haben mein Leben verändert“

„Einhändig Radfahren war mir völlig neu“, erzählt Jirka Janku, ein tschechischer Bikepolo-Spieler aus Prag, der sich noch genau an seine ersten (Fahr-)Versuche zurückerinnert. „Gleichzeitig einen Schläger zu halten, das war für mich erst totaler Schwachsinn. Aber nach kurzer Eingewöhnungsphase habe ich mir wesentlich leichter getan, das Spiel hat von Minute zu Minute mehr Spaß gemacht.“ Heute ist Janku mehrfacher Turniersieger, bei den Weltmeisterschaften in Neuseeland im Februar 2016 holte er sogar den fünften Platz. „Ein paar Minuten am Anfang meiner Bikepolo-Zeit haben mein Leben gewaltig verändert. Ich wurde süchtig nach diesem Sport.“

Es ist aber nicht nur der Sport an sich, der Spieler weltweit fasziniert. Es entwickelte sich eine Szene, in der Freundschaften entstehen. „Man kennt sich“, erzählen Johannes Leitich und Marco Wenegger aus Graz. Beide gehören dem Verein „Bikepolo Graz“ an, der selbst schon bei internationalen Turnieren anschreiben konnte und 2015 sogar Staatsmeister wurde. „Bei Turnieren reißen sich die Vereine nahezu um die Startplätze, weil man einander kennt und es um mehr als bloß um den Sport geht“, sagt Leitich. Bei Veranstaltungen bieten sich die Teilnehmer gegenseitig Schlafgelegenheiten an, gehen nach den Spielen miteinander aus und stehen auch sonst ständig in engem Kontakt.

Viele Freunde, eine Leidenschaft

Bikepolo ist alles andere als ein männerdominierter Sport. Bei internationalen Wettkämpfen treten oft Mixed-Teams an, zudem gibt es sogar eigene Frauenturniere. Gitti la Mar aus Berlin lebt den Sport wie kein anderer – und auch sie freut sich über den schönen „Nebeneffekt“, denn die Faszination Bikepolo mit sich bringt: „Ich habe viele tolle Menschen kennengerlernt, die durch die Leidenschaft für den Sport miteinander verbunden sind. Auch wenn sie eigentlich sehr unterschiedlich sind“, erzählt sie.

Für sie ist Bikepolo der anspruchsvollste Sport, den sie je gemacht hat. „Es ist körperlich sehr herausfordernd. Es ist eine Mischung aus Akrobatik, Geschwindigkeit, Kraft, Teamplay und Koordination. Es vereint sehr viele Dinge“, sagt Gitti. Und sie muss es wissen: Die Berlinerin wurde mehrfach bei „Hell’s Belles“, dem international größten Frauenturnier zur besten Spielerin („Most valuable player“) gewählt.

Unsere Eindrücke von Bikepolo

 

Muscle Open Graz 2015 – International Bikepolo Tournament from Sebastian Reiser on Vimeo.

Fotos © Bike Citizens

David Baumgartner
Absolvierte seine Journalismus-Ausbildung in Graz und schreibt jetzt als freier Journalist hauptsächlich für die Kleine Zeitung und das Bike Citizens Magazin. Ist, weil er nicht in der Stadt lebt, zwar kein urbaner „Biker“, verbringt aber dennoch mehrere Stunden in der Woche am Radsattel.

Kommentar schreiben

Interessiert dich das Magazin?
Jetzt schmökern