Das urbane Fahrradmagazin

Mit dem Rad zur Schule – Fürs gute Leben lernen, nicht (nur) für gute Noten

Schüler und Schülerinnen lernen auf dem Schulweg viel fürs Leben. Aber nur dann, wenn sie diesen Alltagsweg selbständig zurücklegen können, zum Beispiel auf dem Rad oder zu Fuß und nicht auf der Rückbank von Papas Auto... Die Aktion Bikeline aus Österreich motiviert Schulen, Eltern und Kinder den Schulweg mit Spaß und Vertrauen in Angriff zu nehmen - natürlich auf dem Rad!

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Geboren und aufgewachsen in der Steiermark, wohnhaft in Graz und als Konferenzdolmetsch-Studentin zwischen Sprachen, Texten und Worten zuhause. In Studium und Beruf bin ich sprachliche Bastlerin aus Leidenschaft. In meiner Freizeit bin ich liebend gerne auf Reisen und baue meinen sprachlichen Werkzeugkasten aus.
Photo © BIKEline / Neue Mittelschule Münzkirchen

Mit Bewegung in den Tag starten, und so bereits mit einem Lächeln in der ersten Unterrichtsstunde erscheinen, fit, gut gelaunt und wach? Das klappt auf und mit dem Fahrrad.  Grund genug, möglichst viele Schüler dazu zu ermutigen, ihren täglichen Schulweg mit dem Rad zurückzulegen.

Zusätzlich hat diese aktive Fortbewegungsweise Vorbild-Charakter für gleichaltrige Freunde aber auch auf Eltern und Großeltern. Schulkinder  können auf diese Weise bei Erwachsenen die Lust aufs Radfahren (wieder er)wecken. Die ganze Familie profitiert davon!

Die BIKEline Idee: Der Start in den Straßenverkehr für junge Radfahrer und Radfahrerinnen
Im Jahr 2010 wurde im Rahmen einer Initiative ein spannendes Projekt ins Leben gerufen: Schulkinder sollten dabei die Möglichkeit haben, sich in Gruppen mit dem Rad zur Schule zu begeben und dabei, die während des Schulwegs zurückgelegte Strecke, mittels Helmsticker und Terminal elektronisch erfassen. Als kleiner Ansporn winkten den teilnehmenden Kindern spannende Sofortgewinne. Das Projekt mit dem Namen BIKEline, wurde im Herbst 2010 für den österreichischen Klimaschutzpreis nominiert und ist eine wichtige Initiative zur Förderung des schulischen Radverkehrs.

BIKEline_NMS Weitersfeld_Schulweg

BIKEline mit voller Kraft voraus in die Zukunft
BikeLine ist eine Erfolgsstory: Der BIKEline e.V. wurde gegründet, damit viele junge Schüler und Schulerinnen fit in den Tag starten können und dabei Gesund bleiben und das Klima schützen. Mittlerweile sind dutzend Schulen aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Burgenland, Steiermark, Salzburg, Kärnten und Tirol Teil des BIKEline-Streckennetzes.

Am Weg zu den beteiligten Schulen befinden sich abschnittsweise Haltetafeln, an denen sich die Schüler in Gruppen zusammenfinden. Gemeinsam radeln sie dann auf festgelegten Strecken zur Schule. Für ein tolles Gefühl des Zusammengehörens, und gleichzeitig für eine gesteigerte Sicherheit im Straßenverkehr. Und neben den Überraschungen und Gewinnchancen gibt es noch etwas, um den Schülern zusätzliche Motivation zu liefern: Der Schulweg wird in den Monaten Mai und Juni zu einer symbolischen Reise um die Welt. Jeder tatsächlich „abgeradelte“ Kilometer entspricht dabei einem virtuellen Reisekilometer. Um den Eindruck einer echten Weltreise zu verstärken, gibt es an Stationen unterwegs Informationen und Anekdoten über virtuell besuchte Orte. In einem Satz: Mit diesem Projekt bietet BIKEline den Schülern eine großartige Möglichkeit, gemeinsam sicher mit dem Rad zur Schule zu gelangen und dabei auch noch jede Menge Spaß zu haben.

BIKEline_NMS Scheiblingkirchen_Schulweg

Hineinwachsen in den Alltag des eigenständigen Radfahrens

Tipps zur Vorbereitung von kleinen Radprofis

Die Teilnahme von jungen Menschen im Straßenverkehr erfordert auch, dass die Kinder wichtige Verkehrsregeln kennen und beherrschen. Die Forschungsgesellschaft Mobilität hat in Kooperation mit dem BMVIT eine neu aufgelegte Broschüre veröffentlicht, die Eltern Informationen zu diesem wichtigen Thema geben soll.

Dabei soll den Eltern vermittelt werden, wie sie den kleinen Radprofis auf dem Weg in die Verkehrsrealität beistehen können. Übungen wie das Achterfahren, das Zurückblicken, das Abstand Halten, das zielgenaue Bremsen und das Links-Abbiegen werden erklärt. Zudem werden auch passende Trainingsgebiete im echten Verkehrsbetrieb thematisiert und einige wichtige Verhaltensregeln vorgestellt. Dazu gehören unter anderem das Aufbauen von Blickkontakt, das Vermeiden von Toten Winkeln und das Achten auf Autotüren. Die wichtigsten Verkehrsregeln werden ebenfalls thematisiert, und Herausforderungen (wie Begegnungsbereiche) sowie das erfolgreiche Meistern solcher Begegnungsbereiche sind in der Broschüre ebenfalls inkludiert.

Herausforderungen für Kinder und Eltern

Auf ihrem Weg zu autonomen Radfahrern sind Schulkinder also keineswegs auf sich alleine gestellt. „Das selbstständige Bewegen im Straßenverkehr ist eine wesentliche Lernanforderung, ja sogar eine Lebensanforderung“, so Josef Zollneritsch, Abteilungsleiter im steirischen Landesreferat für Schulpsychologie-Bildungsberatung. Dies ist meist ein schrittweiser Prozess, in den Kinder und Eltern gemeinsam hineinwachsen. Damit die angehenden Radfahrer ideal darauf vorbereitet werden, können Eltern und Bezugspersonen im Vorfeld einige hilfreiche Punkte umsetzen, wie Zollneritsch erklärt:

Punkt 1: Das Fahrrad als Teil der Lebensumgebung

„Zunächst sollte man mit den Kindern unbedingt in Verkehrsgärten üben. So können sie das Rad als Verkehrsmittel sowie die damit verbundenen Anforderungen zunächst theoretisch kennen lernen. “ Am besten gelingt das, wenn Kinder in die tägliche Fahrradmobilität ab dem ersten Monat eingebunden werden und das Radeln somit zum natürlichen Teil der Lebensumgebung wird.

Punkt 2: Gemeinsam zur Selbstständigkeit

„Nun ist es wichtig, mit den Kindern gemeinsam den Schulweg abzufahren, und zwar einige Male.“ Auf diese Weise werden die Schüler mit ihrem täglichen Weg vertraut. Zu dieser Step-by-Step-Entwicklung der Schüler zu eigenständigen Verkehrsteilnehmern gehört noch ein weiterer wichtiger Punkt, der oft übersehen wird:

Punkt 3: Kommunikation auf Augenhöhe

„Was oft unterschätzt wird, man sollte mit den Kindern vernünftig reden und ihnen auch ihre Verantwortung für ihre eigene Sicherheit erklären.“

Eine weitere wichtige Zutat, die den Schülern auf mit den Weg gegeben werden sollte ist Vertrauen, dass sie diese Herausforderung alleine bewältigen können. Wenn es den Schülern dann gelingt, diese Verantwortung zu übernehmen, sind sie meist zu Recht stolz auf sich.

Radfahren ist also gewissermaßen eine Lebensschule. Und von den ersten Anfängen bis zum selbstständigen Radfahrer ist es ein langer Weg. Vom Trockentraining über begleitete Gruppenaktivitäten bis hin zum eigenständigen Radeln. Es ist wichtig, dass wir unseren Schülern auf dieser Reise tatkräftig zur Seite stehen. Damit die Radfahrer von morgen gesund, sicherheitsbewusst und vor allem glücklich in die Pedale treten!

Das Interview wurde mit Herrn Josef Zollneritsch geführt.

Foto © BIKEline

Entdecke die Welt von Bike Citizens > www.bikecitizens.net

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Geboren und aufgewachsen in der Steiermark, wohnhaft in Graz und als Konferenzdolmetsch-Studentin zwischen Sprachen, Texten und Worten zuhause. In Studium und Beruf bin ich sprachliche Bastlerin aus Leidenschaft. In meiner Freizeit bin ich liebend gerne auf Reisen und baue meinen sprachlichen Werkzeugkasten aus.

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