Das urbane Fahrradmagazin

Bike Citizens Guide to Milano – Mailand auf dem Rad entdecken

Wer es lebendig und urban mag, fährt in Mailand mit Vergnügen Rad. Die zweitgrößte Stadt Italiens besucht man am besten von März bis Juni oder von September bis November - da radelt es sich einfach am schönsten. Mehr Insiderwissen rund ums Radfahren in Mailand verrät Bike Citizens Reporterin und Italienexpertin Doro Staub im kompakten Bike Citizens Guide to Milano!

Doro Staub is a copywriter living in Switzerland and Italy. She has been cycling in Italy for years. Anyone interested in doing the same thing can find plenty of colourful stories and tips on her blog Miss Move.
Das Tor zur Stadt im Norden - der Parco Portello - entdeckt man am besten auf dem Rad. Foto © Rodrigo Kugnharski

Aperitif – (Radfahren in) Mailand allgemein
Vorbei an verlassenen Fabrikgeländen und erst kürzlich erbauten Quartieren bis vor den Dom und weiter an den großen Kanal, der das Fahrrad bis vor die Stadttore führt: wer es lebendig und urban mag, fährt in Mailand mit Vergnügen Rad.

Mit 1.4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist Mailand die zweitgrößte Stadt Italiens. Nicht nur Mode-, sondern auch Universitätsstadt, und deswegen durchaus mit Fahrrädern belebt und mehr und mehr von Radwegen durchsetzt. Mailand liegt in der Po-Ebene. Entsprechend gibt es in der Stadt kaum Steigungen zu bewältigen. Im Norden sind bei gutem Wetter die Alpen zu sehen – im Süden rauscht der Po vorbei in Richtung Adria.

Die Mailänder Wintertage sind zwar kalt, aber oft sonnig. Im Hochsommer wird es heiß: die Milanesi verreisen ans Meer. So ist die Stadt Mitte August halb leer, und viele Geschäfte bleiben geschlossen. Ideal radelt es sich in Mailand von März bis Juni und September bis November.

Mailand ist bequem mit dem Zug erreichbar. Das eigene Fahrrad lässt sich auch günstig per Fernbus mitnehmen. Natürlich steht der Anreise per Fahrrad nichts im Weg: Wer über die Via Claudia Augusta nach Italien radelt, nimmt in Verona den Zug nach Mailand oder pedaliert die letzten 170 Kilometer über Nebenstrassen westwärts. Direkte Radwege nach Mailand gehen von Lecco am Comersee (Adda-Radweg) oder von Sesto Calende (Ticino-Radweg) am Lago Maggiore ab.

Mailand liegt in der Po-Ebene. Entsprechend gibt es in der Stadt kaum Steigungen – ideal zum Radfahren! © Alex Vasey

Milano Mailand Radfahren

Wer es lebendig und urban mag, fährt in Mailand mit Vergnügen Rad. Foto © Comune di Milano

 

Die Mailänder Wintertage sind kalt aber sonnig. Im Hochsommer wird es heiß! Foto © Comune di Milano

Community Locations + Aktivitäten
In Italien ist die FIAB (Italienischer Verband für Umwelt und Fahrrad) der aktivste Fahrrad-Verband. Die Mailänder Sektion der FIAB bietet regelmäßig Fahrrad-Ausflüge in der Stadt oder in der Region an. Sie führt auch Kurse, Kindertage oder Protestfahrten per Fahrrad durch. Bei Fragen rund ums Fahrrad in Mailand ist die FIAB die beste Anlaufstelle.

Critcal Mass: Jeden Donnerstag Abend versammeln sich Fahrrad-Freunde zur Critical Mass auf der Piazza Mercantini vor dem Dom. Abfahrt ist um 22 Uhr, zurück ist die Gruppe gegen 00.30 Uhr. Anschließend wird gegessen. Hier ist es einfach, Gleichgesinnte zu finden.

Upcycle Milano Bike Café: Für eine Pause bieten sich in Mailand auch Fahrradcafés an: Im Upcycle Milano Bike Café an der via Ampère 59 sind alle willkommen, die am eigenen Laptop arbeiten, ein Buch lesen oder Gleichgesinnte treffen wollen. Im Lokal finden zahlreiche Veranstaltungen statt: Radreisende berichten von ihren Erlebnissen, Begeisterte schauen zusammen Radrennen, oder nehmen an einem Radreparatur-Kurs teil. Jeden Mittwoch Abend richtet ein Mechaniker bei Bedarf kostenlos das mitgebrachte Fahrrad. Natürlich isst und trinkt man auch bestens im Upcycle.

Hug Milano: Das Hug Milano ist eine Mischung aus Co-Working Space, Bistrot, Hostel, Fahrrad-Werkstatt und Quartier-Treffpunkt. Auch hier steht jeden Mittwoch Abend ab 19 Uhr die Werkstatt offen, um das eigene Fahrrad zu reparieren. Das Team von Hug hilft dabei gerne und freut sich über einen Plausch. Das Hug bietet in Zusammenarbeit mit Wonder Ride auch Fahrrad-Touren in der Region an. Alle Informationen dazu finden sich auf der Wonder Ride Seite.

Cascina Cuccagna: Die Cascina Cuccagna ist ein ruhiges, grünes Fleckchen inmitten der Stadt. In den Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert sind ein Hostel, verschiedene kleine Läden, ein Lokal für Kochkurse und andere Veranstaltungen untergebracht. Im Mittelpunkt steht die Trattoria, wo das Bier die Kehle kühlt und sich das Auge am Garten freut, der liebevoll von Freiwilligen gepflegt wird. Etwas am Rande steht die Fahrrad-Werkstatt, wo Werkzeuge zum Selberreparieren, aber auch ein Mechaniker für Hilfe zur Verfügung stehen.

Mailand Fahrrad Werkstatt

Ciclo Officina Upcycle. Foto ©  Upcycle

 

Cascina Cuccagna Ciclofficina Milano

Cascina Cuccagna Ciclofficina. Foto © Doro Staub

Fahrradreparatur + Fahrradwerkstätten
Wie bereits oben erwähnt, können Fahrräder in den Cafés Upcycle, Hug und Cascina Cuccagna entweder selber repariert werden, oder ein Mechaniker hilft oder übernimmt. Gute Mechanikerarbeit zu einem fairen Preis bietet der Laden Due Ruote Porpora an der Via N. A. Porpora 151 im Quartier Lambrate. Faltrad-Begeisterte dürfen den Laden Brompton Junction Milano an der Via Melzo 36 nahe der Einkaufsstraße Corso Buenos Aires nicht verpassen.

Fahrradverleih
Seit 2008 gibt es den öffentlichen Fahrradverleih BikeMi, der sehr gut funktioniert. Verschiedene Abotypen sind erhältlich: jährlich (36 €), wöchentlich (9 €) oder ein Tagespass (4.50 €). Hinzu kommen 0.50 € pro Stunde. Zusätzlich stehen Elektroräder zur Verfügung – bei Bedarf auch mit Kindersitz.

  • Wer lieber beim Händler ein Qualitätsrad leiht, schaut beim Traditionsladen Rossignoli am Corso Garibaldi 71 vorbei. Gut ausgestattete Stadträder und selbstverständlich auch rassige Rennräder stehen hier bereit.
  • Lastenräder für alle erdenklichen Zwecke vermietet und verkauft der familienfreundliche Laden Frida Bike in der Via Pier della Francesca 34.
  • Vier Fahrradläden haben sich auf der Seite von Smile and Bike zusammengeschlossen. Ob City Bike, Lasten-, Falt- oder Kinder-Fahrrad, hier findet sich bestimmt das richtige Modell.

Die neuen Quartiere bieten in Mailand eine erfreuliche Fahrrad-Infrastruktur. Foto © Doro Staub

Idroscalo Mailand Radfahren

Der Idroscalo See ist ein perfektes Ausflugsziel mit dem Rad. Foto © Doro Staub

Mailand Radfahren Milano

Radfahrer auf der Piazza Duomo in Mailand. Foto  © Comune di Milano

Radwegenetz und Routen
Vier von hundert Mailänderinnen und Mailändern fahren mit dem Rad zur Arbeit. Das ist nicht sonderlich viel und erklärt sich dadurch, dass das Radwegnetz von doch immerhin 182 Kilometern (noch) nicht gut vernetzt und schlecht markiert ist. Dank der Expo 2015 hat sich für die Radfahrenden viel zum Positiven verändert. Vor allem die neuen Quartiere bieten eine erfreuliche Fahrrad-Infrastruktur, und den Kanälen (Navigli) entlang lässt sich kilometerweit sorglos pedalieren.

Das Radwegnetz von Mailand ist zum einen auf dieser Karte erkennbar. Auf dieser Karte sind übrigens auch die “vedovelle” eingezeichnet, die öffentlichen Brunnen. Ihren Namen verdanken sie dem ständig fließenden Wasser, das an die Tränen einer Witwe (ital. vedova) erinnern.

Radfahren auf der Straße
Sollte einmal kein Radweg zur Verfügung stehen, ist die Fahrt auf den normalen Straßen ganz gut machbar. Die Milanesi sind tolerant und fahren gut Auto. Im scheinbar chaotischen Verkehr achten sie auf andere Verkehrsteilnehmende, haben ihre Fahrzeuge millimetergenau im Griff und warten geduldig, wenn einmal ein Fahrrad quer auf der Kreuzung steht. Auch die rücksichtsvolle Radfahrt auf dem Gehsteig tolerieren die Fußgängerinnen und Fußgänger ohne zu murren. Wer rasch längere Strecken in der Stadt zurücklegen will, nimmt sein Fahrrad außerhalb der Stoßzeiten kostenlos in der Metro mit.

Raus aus der Stadt auf wunderbaren Radrouten
Sehr beliebt sind zwei längere Radrouten, die vom Zentrum Mailands über die Stadtgrenze hinaus führen:

  • Naviglio Martesana: immer dem Kanal entlang nach Osten bis Trezzo sull’Adda (38 Kilometer) und wer mag, weiter auf dem Adda-Radweg bis nach Lecco am Comersee.
  • Grande Naviglio: führt von der Porta Ticinese über 22 Kilometer nach Westen und endet im Ort Abbiategrasso. Wer noch nicht genug hat, kann von hier den Ticino-Radweg südwärts nach Pavia oder nordwärts nach Sesto Calende am Lago Maggiore nehmen.

Eine Besonderheit kurz vor den Südwesttoren Mailands ist der sogenannte Idroscalo. Ein 2.6 Kilometer langer künstlicher See, der noch zu Mussolinis Zeiten ausgehoben wurde und heute als Naherholungszone dient. Hier lässt sich in Ruhe pedalieren, im See schwimmen, Kajak oder Tretboot fahren.

Alles in allem
Mailand ist bekannt als Mode-, Shopping- und Wirtschaftsstadt. Dass hübsche Quartiere, romantische Parks und Kanäle wie auch eine Reihe kultureller Attraktionen ebenfalls zur Stadt gehören wissen wenige. Diese Perlen lassen sich ganz ideal per Fahrrad entdecken. Und wem einmal nicht nach Pedalen und Fahrtwind ist, setzt sich mit einem Gelato auf die Piazza del Duomo und winkt der Madonnina hoch auf dem Dom zu, die seit bald 250 Jahren als goldenes Wahrzeichen über Mailand wacht.

Doro Staub is a copywriter living in Switzerland and Italy. She has been cycling in Italy for years. Anyone interested in doing the same thing can find plenty of colourful stories and tips on her blog Miss Move.

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