Das urbane Fahrradmagazin

Bike Citizens Guide to Budapest 
- Mit dem Rad in der Ungarischen Hauptstadt unterwegs

Budapest ist nicht nur die Hauptstadt Ungarns, die Stadt an der Donau ist auch eine der am schnellsten wachsenden Fahrradstädte Europas. Der Bike Citizens Guide to Budapest gibt Tipps für den fahrradaffinen Kurzurlaub und verrät die geheimen Hot Spots der Community. Kurz und kompakt das Wichtigste was man über die Budapester Radkultur wissen muss!

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Budapest - Ungarns Hauptstadt erkundet man am besten per Fahrrad © Carlos Hevia / Unsplash

Aperitif – (Radfahren in) Budapest allgemein
In Budapest wohnen rund 1,7 Millionen Menschen und die Gegebenheiten für Radfahrende sind mehr als optimal. Der Großteil lebt auf der Pester Seite. Auf dem gut ausgebauten Netz an Radwegen ist es am einfachsten von A nach B zu gelangen. Pest ist flach, weitläufig und der lebendigere Stadtteil. Buda wiederum ist ruhiger und verlangt den passionierten Radfahrenden konditionell einiges ab. Hier gibt es viele Hügel und Anhöhen. Um zwischen Buda und Pest zu beiden Seiten der Donau zu wechseln, stehen rund zehn Brücken von Óbuda im Norden bis Kelenföld im Süden zur Verfügung.

Wer eine Herausforderung auf dem Rad sucht, findet diese in den Budaer Bergen. Der János-Berg ist mit 529 Metern der höchste Gipfel und für Städter und Städterinnen ein richtiges Naturabenteuer am Rande der Stadt.  Ein weiteres Highlight und perfekt für Radurlaubende und Reisende: Einer der schönsten Abschnitte des Europa Radwegs EuroVelo 6 (EV6) führt entlang des Donauufers durch Budapest. Die eindrucksvolle Strecke verläuft entlang der beeindruckendsten Wahrzeichen: Auf der einen Seite der Burgberg – auf der anderen Seite das Parlament.

Ein paar Worte zum Wetter. Unter den Fahrradboten und Botinnen der Stadt kursiert eine Binsenweisheit: Egal wo man in Budapest radelt, es gibt immer Gegenwind und dieser kann sehr stark sein. Generell ist Budapest wettermäßig ein Traum für Radfahrende. Kontinentales Klima mit einer vertretbaren Menge an Niederschlag ist in der ungarischen Hauptstadt Alltag und selbst wenn es mal regnet, wirklich lang hält dieser nie an. Die Budaer Berge fangen die Regenwolken größtenteils ab und es bleibt in der Hauptstadt öfter trocken, als die Vorhersagen es ankündigen.

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Buda und Pest – zehn Brücken verbinden die beiden Stadtteile © Viktor Kern / Unsplash


Community Locations und Aktivitäten

In Budapest ist das Fahrrad mehr als ein Fortbewegungsmittel. Die Community rund um das wunderbare Zweirad ist stark und aktiv. Eine Schlüsselfigur der Szene ist Drazsé (sprich: Dragée) der im wirklichen Leben Zsolt Aigner heißt. Der ehemalige Fahrradkurier, der nach wie vor auf seinen Spitznamen hört, organisiert im Rahmen der CBI City Jam Community Events aller Art rund ums Rad.

Auch bei den Cycle Banditos Illegal dreht sich alles ums Rad. Egal ob Fahrradrennen über Land oder Alley Cats in der Stadt, bei denen vorrangig Fahrradkuriere ihr Können testen. Das Rennformat ist natürlich offen für alle Radtypen – ein Erlebnis der besonderen Art!

Neben all dem Spaß der rund ums Rad passiert, gibt es in Budapest auch Projekte, die sich auf ernste  Weise mit dem Thema Radfahren auseinander setzen. Eines von ihnen ist der Műhely Klub. Sozialarbeiter Árpád Végh rief den “Werkstatt Club”  2010 ins Leben. Seitdem hat sich das Profil des Projektes enorm gewandelt. Zu Beginn reparierte Árpád mit obdachlosen Klienten und Klientinnen gespendete Räder. Nach und nach begeisterten sich immer mehr Kinder aus dem benachbarten Familienheim für die Tätigkeit. Heute arbeitet der Klub vorrangig mit Kindern aus einem Kinderheim. Im Zentrum des Projektes steht nicht mehr die Aufarbeitung gespendeter Räder: Sportveranstaltungen verschiedenster Art (Programm hier) bieten den Kindern Gelegenheit, Erfolgserlebnisse zu erfahren und als Gruppe zu wachsen.
Weit über die Grenzen von Budapest hinaus setzt sich die Ungarische Radlobby unter dem Namen Hungarian Cyclists‘ Club (kurz: HCC) fürs Radfahren ein. So veranstaltet Ungarns größte “zivile” Fahrradorganisation, die eng verwoben ist mit der European Cyclists’ Federation (ECF), tolle Aktionen, darunter Bike to School und Bike to Work Kampagnen. Das Urban Independence Magazin berichtete hier.


Fahrradreparatur und Werkstätten

Wer mit eigenem Fahrrad nach Budapest kommt, braucht sich im Falle eines Schadens keine Sorgen zu machen. Es gibt für jede Art von Zweirad einen  Experten oder eine Expertin in der Stadt.

Der Balkar Bike Shop ist eine absolute Empfehlung für Fahrradliebende. Vom ehemaligen Fahrradkurier Galád eröffnet, werden hier nicht nur gebrauchte Rahmen wieder in Schuss gebracht, sondern auch Ausstellungen und Filmabende abgehalten. Prinzipiell wird auf Bestellung gearbeitet. Radfreunde jeglicher Art erhalten bei Galád ihr ganz persönlich zusammengestelltes (und lackiertes) Gefährt. Auch wer Kontakt zur Budapester Kurierszene sucht schaut am besten im Balkar  vorbei.

Für Fixed Gears, Singlespeeds und für nach eigenen Wunschvorstellungen realisierte Rennräder ist das Recikli der beste Ort. Der Shop liegt etwas außerhalb der Stadt. Monteur und Inhaber Munyi ist ein Profi in Sachen „Fast Urban Cycling“. Gearbeitet wird im Recikli nach dem Motto: Reparieren ist besser als neu. So wird hier stets ein gut erhaltenes, aber gebrauchtes Ersatzteil genutzt, statt ein neues eingebaut. Recycling und Upcycling (und dabei sparen) ist den “Reciklianern” wichtig.

Für Mountainbikes und Lastenräder ist Norbert in der Werkstatt des Kurierunternehmens Hajtás Pajtás der richtige Mann. Als  überzeugter Lastenradfahrer und Mountainbiker weiß er, was diese Räder brauchen. Dank der großen Vielfalt an Rädern im Laden gibt es nichts was er nicht reparieren kann. Auch Norbert ist überzeugter Wiederverwerter – eine Eigenschaft, die fürganz Budapest charakteristisch ist und vertrauenswürdige Werkstätten ausmacht.

Apropos Geld: Ungarn ist nicht Teil der Eurozone. Man zahlt in der lokalen Währung Forint (HUF). Es lohnt sich nicht, bereits vor der Abreise Geld zu wechseln. Die Wechselstuben in der Stadt bieten gute Wechselkurse – mit Ausnahme des Flughafens und der Bahnhöfe.

E-Bikes sind in Budapest eine Ausnahmeerscheinung. Meistens sind es Lastenräder, die mit elektronischer Hilfe unterwegs sind. Entsprechende Empfehlungen sind uns zum aktuellen Zeitpunkt (Anm. d. Red.: August 2018) keine bekannt.

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Auf den Bubi Leihrädern lässt sich Budapest ganz bequem entdecken  © Viktorija Buzaite / Unsplash


Bike Sharing: Budapest mit dem Leihrad entdecken
Wer nicht mit eigenem Fahrrad nach Budapest reist, hat mehrere Möglichkeiten an ein Fahrrad zu gelangen. Am schnellsten klappt das mit dem öffentlichen Bike Sharing Anbieter Bubi. Auf der Website anmelden und ein Rad schnappen. Die Docking-Stationen sind übers gesamte Stadtgebiet verteilt. Zugegeben, die Räder sind etwas schwerfällig, dafür unkompliziert. Der Preis ist fair: Kurztrips unter 15 Minuten sind kostenlos. Alle innerstädtischen Strecken sind in dieser Zeit entspannt zu bewältigen.

Tip: Einfach mal einen Blick auf den Bike Citizens Online-Routenplaner für Budapest werfen und mit der 5minsbybike-Funktion herausfinden, wie weit man mit dem Rad in 5, 10 oder 15 Minuten kommt. Spannend!

5Minsbybike 5 Minuten Fahrrad Routenplaner Navi Fahrrad Budapest Parlament Sightseeing Guide

Startpunkt “Parlament”: Soweit kommst du in 5 Minuten auf dem Rad! © Bike Citizens

Für längere Ausfahrten aufs Land oder zum nahegelegenen Balaton (Plattensee) empfehlen sich die Bubis nicht. Hier lohnt sich ein Besuch im Trecikli Fahrradladen. Dort werden hochklassige, vorrangig italienische Rennräder und unverwechselbare Besonderheiten gebaut. Entsprechend schnell und hochwertig ist der Leih-Fuhrpark. Räder können für 6 EUR pro Tag gemietet werden.

Apropos Balaton: Ein gut ausgebauter Radweg führt auf rund 200 km um den See herum. Die Schnellen unter den Radfahrenden machen die Tour an einem Tag. Genussmenschen fahren die Tour in mehreren Etappen und nächtigen entspannt rund um den See an einem der Campingplätzen oder in einer der zahlreichen Unterkünfte. Wild campen ist verboten!

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Die Bike Citizens Heatmap von Budapest verrät wo wieviel geradelt wird © Bike Citizens


Das Budapester Radwegenetz

Generell sind Radwege in Ungarn schlecht ausgeschildert. Meistens erkennt man die Fahrbahn an einer Bodenmarkierung oder an kleinen grünen Pfeilen auf Schildern.  Fündig wird man in Budapest nur auf der Budaer Seite – hier weisen fast alle Pfeile auf die Eurovelo-Route 6 – dem Donauradweg – hin. Egal. Denn ob mit eigenem oder gemietetem Rad, das Radwegenetz ist gut verzweigt und ein Tip zur Orientierung: Die Wege verlaufen größtenteils entlang den Fahrbahnen für Autos!

Der motorisierte Verkehr ist mittlerweile an die nicht-motorisierten Kollegen und Kolleginnen auf zwei Rädern gewöhnt. Man fährt entsprechend umsichtig.  Aber Obacht: Fahrräder sind auf  vielen Straßen in und um Budapest erlaubt – jedoch nicht auf allen! Innerstädtisch ist auf entsprechende Verkehrsschilder zu achten – besonders auf den Hauptverkehrsadern und Straßen mit Tempo70 sind Radfahrende – absolut unerwünscht bzw. ausdrücklich per Hinweisschild verboten. Auf Landstraßen (mit Tempo 70) gilt das Verbot nicht. In der Innenstadt empfiehlt es sich ebenso absolut nicht mit dem Rad zwischen Fußgängern und Fußgängerinnen zu lavieren. Das Unfallrisiko ist groß denn gerade in den Sommermonaten sind alle auf den Beinen, es gibt sehr viele Touristen und Touristinnen und obendrein befindet sich von April bis Oktober halb Budapest auf dem Rad. In der Hauptfahrradsaison sind die Radwege einfach völlig überfüllt. Das ist einerseits gut. Andererseits erschwert es das Vorankommen enorm denn die Fahrradkultur in Ungarn ist relativ jung und der Fahrstil gelegentlich etwas abenteuerlich: Gegenseitige Rücksichtnahme oder vorausschauendes Fahren hat sich noch nicht überall durchgesetzt. Beispielsweise ist das Rechtsfahrgebot noch nicht bei allen angekommen.

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Luft nach oben: Die meisten Radweg-Zeichen in Budapest führen “nur” zum EV6 Donauradweg. © Tom Tejer / Unsplash


Wichtige Tipps rund ums Radfahren
In Ungarn gibt es keine Helmpflicht, wenngleich es allerorts empfohlen wird. Wirklich essentiell ist eine gute Fahrradbeleuchtung – sowohl hohe Leuchtkraft als auch blinkende Lichter sind erlaubt. Ebenso ist ein hochwertiges Schloss für alle Radfahrenden obligatorisch. Fahrraddiebstahl ist kein Kavaliersdelikt!

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Licht am Fahrrad ist Pflicht, es darf sehr stark aber auch sehr klein sein und blinken.


Radmitnahme im öffentlichen Verkehr

Im öffentlichen Nahverkehr (BKK) ist die Mitnahme von Fahrrädern verboten. Ausnahmen und Pilotversuche gibt es für bestimmte Linien. In den Vorstadtbahnen (HÉV) und der Zahnradbahn (der Fogaskerekű) im XII. Bezirk kann das Rad uneingeschränkt transportiert werden. Selbiges gilt auf den Straßenbahnlinien 56, 56A, 59, 59A, 59B, 60, 61. Auch auf den Busrouten 65, 65A, 165 dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Obacht bei der Buslinie 212:  Radmitnahme nur an Wochenenden und Feiertagen!  Wer auf der Route des Trollibusses 77 unterwegs ist, kann hier ebenfalls mit seinem Rad einsteigen. Auch auf der Donaufähre des öffentlichen Nahverkehrs – Linien D11, D12, D14 – fährt das Rad mit. Für das Rad muss ein zweites Einzelticket à 350 Forint (etwa 1,10 EUR) gelöst werden.


Kulinarischer Fahrspaß

Und bei all den Kilometern im Fahrradsattel darf man gerade im Urlaub die kulinarischen Highlights Ungarns nicht vergessen. Das Gulasch (pörkölt) und die Gulaschsuppe (gulyás leves) sind berühmt. Auch der gebackene Brotteig Lángos mit Sauerrahm und Käse hat international Fans. Am besten stärkt man sich ganz entspannt und genussvoll am Római part, dem Römischen Ufer. Der unberührte Uferabschnitt der Donau im Norden Budapests lockt mit zahlreichen Restaurants und Lokalen – von edel bis alternativ gibt’s hier alles. Einer der Lieblingsplätze ist zweifellos das Fellini Kulturbistro und die Két Rombusz. Beide Lokale sind alternativ angehaucht und in der Hauptsaison gibt es hier oft improvisierte Fahrradwerkstätten. Und das Beste: Der Uferabschnitt ist Teil der EuroVelo 6. Vorbeifahren? Unmöglich!

Köszi
Last but not least: Obwohl die Ungarische Sprache im Ruf steht eine der schwierigsten der Welt zu sein, ein köszi – wie das Deutsche “Küssi” – nur mit ö ist immer machbar. Das heißt „Danke“. Und freut die Einheimischen sehr – egal ob mit Fahrrad oder ohne.

 

Mehr zum Thema “Ungarn und Fahrrad” im Urban Independence Magazin:

 

Über die Autorin
Elisabeth Katalin Grabow ist freischaffende Journalistin und überzeugte Fixed Gear-Fahrerin. Am Wochenende sattelt die Autorin jedoch gern auf ihr Downhill-Gefährt um.  Seit rund acht Jahren lebt, arbeitet und radelt sie in in ihrer Wahlheimat Budapest.

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