Das urbane Fahrradmagazin

Berlins Fahrradtauglichkeit im Test

Vor einigen Jahren beschloss ich, mein Leben damit zu finanzieren, wie vom Teufel getrieben Pakete in der Großstadt von A nach B zu transportieren - sprich: Radkurier zu sein. Typische Reaktionen darauf: „Das ist doch verrückt, bei dem ganzen Verkehr!“ - „Radfahren in der Stadt? Ich nehm lieber die U-Bahn, da fühle ich mich sicherer.“

Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.
Foto © Andreas Stückl

Durch Gespräche mit Freunden und Bekannten hat sich schnell für mich herauskristallisiert, dass einer der Gründe, weshalb viele Menschen in der Stadt nicht radfahren, ein Gefühl mangelnder Sicherheit ist. Was also tun? Völlig auf das Fahrrad verzichten, oder sich so viele Radfahrskills aneignen, dass man jede erdenkliche Gefahrensituation präzise vorhersehen kann? Oder aber: sich Sicherheit durch Orientierung verschaffen.

Berlin zum Beispiel hat über 1.500 km Radwege – wer hat die alle im Kopf? Ich bin zuerst auch über den Alexanderplatz und Unter den Linden entlang geradelt, dort, wo es eng und hektisch auf den Straßen zugeht. Doch mit der Zeit entdeckte ich andere Wege, die wesentlich entspannter und teils sogar schneller zurückzulegen sind.

Genau das ist meine Motivation, mich seit nunmehr vier Jahren fürs Radfahren in der Stadt zu engagieren: Radfahren ist sicher, macht Spaß und verleiht Freiheit!

Mein lieber Kollege Freddie machte in den ersten drei Wochen, in denen er nach Berlin gezogen ist, den Test, und radelte durch Berlin. Zusammen radelten wir knapp acht Kilometer von Mitte nach Moabit.

Resümee nach knapp 30 minütiger Fahrt:

  • Von den knapp acht Kilometer Strecke waren ca. fünf Kilometer baulich getrennte Radwege (am Kanal entlang, durch den Park, etc.) und der Rest entlang und abseits vom Hauptverkehr belasteter Seitenstraßen.
  • Wir waren immer entspannt unterwegs und fühlten uns sicher, bis auf Freddies panischer Angst vor auf sein Haupt herabfallenden Kastanien beim Durchkreuzen des verwinkelten Tiergartens. Die Frisur war teuer! Doch finaler Satz: Berlin, 20 Grad, die Frisur hält!
  • Regelmäßig unternehmen wir von Bike Citizens Radtrips in zahlreich verschiedenen Großstädten! Ja, weil es uns Spaß bereitet, weil wir Städte, die Eigene oder fremde, wesentlich intensiver erfahren können. Spaß setzt ein sicheres Gefühl voraus und wiederum hat Sicherheit den Ursprung in der guten Orientierung bzw. dem Wissen, wo meine Art der Mobilität möglich ist.

Foto © Andreas Stückl

Ich möchte mit diesem Artikel ein Stück Sicherheit vermitteln und Wege aufzeigen, wie diese Sicherheit erlangt werden kann, so dass Radfahren in der Stadt ein Stück mehr Selbstverständlichkeit erlangt.

Deswegen nochmal der Dank an Alle Unterstützer! Je größer die Community hinter Bike Citizens, desto verstärkter können wir uns für gesetzte Ziele im Radverkehr einsetzen!

Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

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