Das urbane Fahrradmagazin

Berlin, eine Metropole für Fahrradmode?

London, Paris und Barcelona, die Modemetropolen Europas, sind Anziehungspunkte für viele junge, aufstrebende Fashion-Designer. Richtet man den Blick nach Berlin, stellt sich die Frage, wie die deutsche Hauptstadt im Vergleich zu den Modemetropolen dieser Welt abschneidet.

Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

„Berlin ist arm, aber sexy” – gilt diese Aussage auch für junge Designer? Und wie groß ist das Potential für Velo-Couture? Antoniya Ivanova, eine heute in Deutschland lebende bulgarische Fashion-Designerin erzählt uns im Interview mehr darüber.

Fahrradmode als Nischenmarkt in Berlin

Eines ist klar: Berlin gehört zu den Top 10 Modemetropolen dieser Welt. Das bestätigte am 8. September das alljährlich herausgegebene Ranking von Global Language Monitor (GLM). Zahlreiche Modemessen, wie die Berlin Fashion Week, bieten jungen Designern eine bedeutende Plattform für ihre Kollektionen. “Im Fahrradbereich trägt vor allem die Berliner Fahrradschau nicht unwesentlich dazu bei”, so Antoniya Ivanova, eine der wenigen selbstständigen Berliner Designerinnen im Fahrradbereich. “Ein bedeutender Bereich der Messe ist Velo-Couture gewidmet, auch wenn er momentan noch in einer sehr beschränkten Ausführung existiert.” Grund dafür ist jedoch, dass es sich laut Antoniya bei Fahrradmode um einen Nischenmarkt handelt, den nur wenige Designer bedienen. Sie kenne keine anderen Designer, die in dieser speziellen Nische aktiv sind.

Antoniya Ivanova_Fahrradmode

Von Bulgarien, über San Francisco nach Paris und schlussendlich in Berlin gelandet

Antoniya Ivanova arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Fashion-Designerin. Nach einem Studium in Business Economics hat sie sich entschieden ihr Hobby zur Berufung zu machen und ging nach San Francisco, um Fashion Design zu studieren. Für kurze Zeit versuchte sie ihr Glück in Paris, doch wie die Designerin selbst erzählte: “Paris ist eine Stadt mit großem Potential. Doch ich habe mich dort nicht wohlgefühlt. Berlin wird vermutlich nie eine Fashion City sein, dafür hat die Stadt einen ganz besonderen Charme”. Laut Antoniya unterscheiden sich Paris und Berlin hauptsächlich darin, dass es in Paris sehr viele Möglichkeiten gibt als technischer Designer bei großen Firmen groß raus zu kommen. Berlin hingegen bietet tolle Möglichkeiten sich als unabhängiger Designer zu verwirklichen. Sie selbst hat damit angefangen ihre Kollektionen auf kleinen Fashion- und Designmärkten zu präsentieren. Erst nach einiger Zeit hat sie beschlossen ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

Antoniya Ivanova_Fahrradmode

Velo-Couture Made in Berlin

Heute hat die 30-jährige Designerin ihr eigenes Wohnstudio, in dem sie ihre selbst entworfene Velo-Couture handfertigt. Ihre Kollektionen reichen von Regenjacken bis hin zu Taschen mit fein eingearbeiteten Details aus nachhaltigen Materialien. Funktionalität ist für sie eines der wichtigsten Kriterien: “Ich versuche ein Gleichgewicht zwischen Funktionalität und ästhetischen Schnitten zu finden. Nehmen wir beispielsweise einen Trench Coat, hier sollten Reflektoren und der atmungsaktive, wasserabweisende Stoff so verarbeitet sein, dass ich die Jacke täglich tragen kann. Wenn es also regnet, dann sollte ich mir keinen Kopf zerbrechen müssen.” Die Entscheidung Velo-Couture zu designen fiel der begeisterten Radfahrerin nicht weiter schwer. “Ich war auf der Suche nach Fahrradmode, die Funktionalität und Design vereinen, konnte damals jedoch nicht das richtige finden. Also begann ich erste Prototypen zu designen.” Heute ist sie eine von wenigen selbstständigen Berliner Designern im Fahrradbereich.

Foto © Andreas Stückl

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Kerstin Oschabnig_square
2015 und 2016 leitete Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

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