Das urbane Fahrradmagazin

Eine visuelle Aufbereitung des Radverkehrs in Graz

Graz ist österreichweit als Universitätsstadt bekannt. Mit rund 45.000 Studierenden auf etwa 300.000 Einwohner und Einwohnerinnen beeinflussen die jungen Akademiker und Akademikerinnen ihre Stadt und die Verkehrsströme. Denn das Fahrrad ist das beliebteste Verkehrsmittel unter Studierenden. Es ist günstig, bequem und schnell. Seit 2012 ist die Bike Citizens App in Graz verfügbar und begleitet mehrere hundert Radfahrende pro Woche bei ihren täglichen Wegen in der Stadt. Anhand eines neuen GPS Datenanalyse-Tools „Bike Citizens Analytics“ lassen sich die anonymisiert übermittelten Fahrten nun für städteplanerischen Zwecke auswerten.

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

Wählt man das Fahrrad für seine täglichen Wege, so ist man in Graz zumindest durch die geografischen Gegebenheiten sehr verwöhnt. Steigungen kommen in der Innenstadt kaum vor, außer man entscheidet sich, den Schlossberg mit dem Rad zu erklimmen. Erst außerhalb des 15-Minuten-Radius Richtung Mariatrost, Lustbühel oder auf den Ruckerlberg, wird zusätzliche Wadenkraft benötigt. In der Innenstadt bewegt man sich sehr schnell und angenehm von A nach B. Graz ist klein und kompakt. Die meisten Orte lassen sich innerhalb von fünf Minuten mit dem Fahrrad erreichen. Kaum eine Fahrt ist länger als 15 Minuten.

GPS Datenanalyse-Tool: Erreichbarkeit mit dem Fahrrad Uni Graz

Erreichbarkeit der Karl-Franzens-Universität mit dem Fahrrad. Die meisten Bezirke befinden sich innerhalb eines 5-Minuten-Radius. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors, Mapbox

Diese Grafik veranschaulicht die schnelle Erreichbarkeit des Stadtzentrums ausgehend von dem Gelände der Hauptuni und zeigt das generelle Einzugsgebiet für Studierende der Karl-Franzens-Universität (KF-Uni) auf. Alle Wege führen bekanntlich nach Rom (in unserer Grafik zur Hauptuniversität), doch nicht alle werden gleichermaßen bevorzugt benützt. Genau so verhält es sich mit der Infrastruktur rund um das Universitätsgelände. Es gibt viele verkehrsberuhigte Straßen in der unmittelbaren Nachbarschaft der KF-Uni. Nicht existierende Radinfrastruktur an den Hauptverkehrsachsen Heinrichstraße, Elisabethstraße oder Merangasse führen trotzdem dazu, dass sich Radfahrende andere Wege suchen müssen und die großen Straßen meiden. Die nachfolgende Grafik zeigt auf, welche Straßen „gemieden“/“bevorzugt“ werden, obwohl sie eigentlich die kürzeste bzw. nicht kürzeste Verbindung zwischen A und B wären.

Uni Graz Radverkehr

Gemiedene und bevorzugte Wege zur Karl-Franzens-Universität. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors, Mapbox

Für den Radverkehr bilden die Zinzendorfgasse, der Radweg entlang der Glacisstraße, die Leechgasse und die Hugo-Wolf-Gasse die wichtigsten Verbindungen zwischen den verschiedenen Stadtteilen. Dort ist es verkehrsberuhigt und man kommt am schnellsten voran.

Durchschnittsgeschwindigkeit Zinzendorfgasse

Wie schnell man im Durchschnitt mit dem Fahrrad auf dem Straßennetz rund um die Universität unterwegs ist, zeigt diese Grafik. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors, Mapbox

Verkehrsberuhigt ist es zwar nicht am Glacis-Radweg, schnell voran kommt man dort trotzdem. Er gilt als einer der wichtigsten Schnellverbindungen innerhalb von Graz und ist wunderbar entlang des Stadtparks gelegen, aber auch neben der 5-spurigen Glacistraße. Auf einer grünen Welle reitet man leider trotzdem nicht, denn zumindest an einer der Radfahrerübergänge schaltet die Ampel auf rot und es ergeben sich Wartezeiten für den Radverkehr. An welchen Stellen in der Stadt sich sonst noch Wartezeiten für Menschen, die mit dem Fahrrad fahren, ergeben, zeigt die nachfolgende Grafik. Schwarz markierte Punkte stellen Straßenabschnitte und Kreuzungen mit den größten Wartezeiten dar, grün stellt die kürzeste Wartezeit dar.

Wartezeiten Graz

An verschiedenen Stellen ergeben sich Wartezeiten für den Radverkehr in Graz. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors, Mapbox

Neben dem Murradweg, der die Stadt von Norden nach Süden verbindet, zählt die Wickenburggasse zu einer der am meist befahrensten Radwege. Den Gehsteig an der Wickenburggasse mussten sich lange Zeit der Rad- und Fußverkehr auf engem Raum teilen. Vor allem eine Bushaltestelle unterbrach den Verkehrsfluss in dieser Begegnungszone sehr oft. 2016 wurde der Radweg verbreitet. Diese Maßnahme war schon sehr lange notwendig, da sehr viele Routen über diesen Radweg führen.

Fahrradweg Wickenburggasse Graz

Wählt man das Straßensegment der Wickenburggasse aus, so bildet sich ein Routennetz, das sich über die ganze Stadt ausbreitet. Es ist der beliebteste Weg für kurze aber auch lange Strecken zwischen Geidorf und Eggenberg. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors, Mapbox

Trotz der fahrradfreundlichen Lage und der aufstrebenden Fahrradszene (Bike Cafés, Fahrradläden, …) musste der Radverkehr in Graz einen Rückgang verzeichnen. Wurden 2008 noch 16 Prozent aller Wege in Graz mit dem Fahrrad zurückgelegt, so sind es laut aktuellen Zahlen nur noch 14 Prozent. Was von seitens der Radlobby Steiermark kritisiert wird, ist ein fehlendes Gesamtkonzept – hier und da werden Radwege angelegt und Lücken geschlossen, doch was fehlt ist ein einheitliches Radverkehrsnetz. An vielen größeren Straßen Stadt auswärts (Münzgrabenstraße, Petersgasse, etc.) fehlt Radinfrastruktur. Dort existieren nur teilweise verkehrsberuhigte Umfahrungen oder Alternativen – wer es gemütlich will, muss Umwege in Kauf nehmen. Zur Förderung des Radverkehrs legt die Stadt Graz nun ein Mobilitätskonzept vor, welches klare Maßnahmen und Ziele definiert, um den Anteil am Modalsplit bis 2020 auf 20 Prozent heben sollen.

Graz besitzt ein rund 130 Kilometer langes Radwegnetz und eine Tempo 30-Zone in der Innenstadt. Folgende Grafik visualisiert die Grazer Verkehrslandschaft, wenn man sich ausschließlich auf baulich getrennten Radwegen und Radfahrstreifen bewegen würde.

GRAZ Radwegenetz

So sieht die Grazer Fahrradinfrastruktur aus, wenn man baulich getrennte Radwege und Radfahrstreifen hervorhebt. Grafik © Bike Citizens, OpenStreetMap contributors

 

 

Was ist Bike Citizens Analytics?

Für diese erzählerische Aufbereitung des Grazer Radverkehrs wurden Visualisierungen aus Bike Citizens Analytics verwendet. Anhand des Datenanalyse-Tools lassen sich Radverkehrsdaten auf einfache Weise auswerten und visuell aufbereiten. Eine kostenlose Demoversion können Planungsbüros, Verkehrsexperten und Verkehrsexpertinnen und Kommunen unter info@bikecitizens.net anfragen.

Weitere Informationen: cyclingdata.net

Kerstin Oschabnig_square
Seit 2015 leitet Kerstin Oschabnig das Urban Independence Magazin. Für sie ist das Fahrrad weit mehr als ein Sportgerät oder Transportmittel – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil. Sie liebt die verschiedenen Facetten der Fahrradkultur und schaut manchmal ein paar Sekunden zu lange auf das vorbeifahrende Fahrrad. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt, sieht man sie als Artistin auf der Bühne.

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